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IDW: Nichtanerkennung der IAS - Gefahren eines europäischen Sonderwegs

Im Juli 2002 wurde die EU-Verordnung zur Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze ...

Im Juli 2002 wurde die EU-Verordnung zur Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze verabschiedet. Danach müssen ab 2005 grundsätzlich alle europäischen kapitalmarktorientierten Unternehmen ihre Konzernabschlüsse nach den IAS/IFRS aufstellen. Die IFRS werden jedoch von europäischen Unternehmen nicht unmittelbar anzuwenden sein. Die einzelnen IFRS haben zuvor einen auf europäischer Ebene angesiedelten Anerkennungsmechanismus (sog. endorsement) zu durchlaufen, durch den entschieden wird, ob ein IAS ohne oder mit Modifikationen bzw. sonstigen Auflagen oder überhaupt nicht zur Anwendung gelangen kann. Ein IAS darf nur dann zur Anwendung in Europa angenommen werden, wenn er bestimmte, in der EU-Verordnung aufgeführte Voraussetzungen erfüllt.
Der für die Anerkennung der IAS/IFRS zuständige Regulierungsausschuss (Accounting Regulatory Committee) bei der EU-Kommission hat im Juli 2003 empfohlen, die zum Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der IAS-Verordnung vorliegenden IAS und Interpretationen mit Ausnahme von IAS 32 und IAS 39 und den dazugehörigen Interpretationen, die die Bilanzierung und die Darstellung von Finanzinstrumenten regelt, in Europa anzuwenden. IAS 32 und IAS 39 wurden zwischenzeitlich vom IASB in erheblichem Umfang überarbeit und im Dezember 2003 verabschiedet. Die IAS zu financial instruments (IAS 32 und 39) haben den Endorsementprozess jedoch noch immer nicht abschließend durchlaufen. Im Gegenteil: beide Standards sind nicht unumstritten und werden insbesondere von europäischen Versicherungsunternehmen und Banken kritisiert.
Damit sich die Unternehmen rechtzeitig vor dem 1. 1. 2005 auf die neuen Regelungen einstellen können, sei Eile geboten, in Europa endgültig über die anzuwendenden Regeln zu entscheiden, so das IDW. Sollten IAS 32 und 39 von der Anwendung ausgenommen werden, bleibe die Frage, welche Regeln dann ersatzweise für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten angewendet werden sollen und wer ermächtigt sei, solche Regeln mit verbindlicher Wirkung für die Unternehmen zu erlassen. Zudem werde die Anwendung einiger anderer IFRS mit Bezugnahme auf IAS 32 und 39 erschwert oder gar unmöglich gemacht. Werden sie modifiziert, gelte Gleiches sowie die Frage, inwieweit die Abschlüsse auf der Grundlage solcher "europäischer IAS" dann noch international an den Börsen akzeptiert würden.
In Kenntnis dieser drohenden Gefahr für Unternehmen, aber auch für ihre Abschlussprüfer hat die FEE (Fédération des Experts Comptables Européens) in einem Positionspapier dazu aufgerufen, den Endorsementprozess so abzuschließen, dass die in Europa anzuwendenden IAS den vom IASB verabschiedeten internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen entsprechen. Die FEE warnt vor der Gefahr, die IAS für europäische Rechnungslegungszwecke zu ändern. David Devlin, Präsident der FEE, betont: "Es wäre ein großer Nachteil, wenn Elemente der IFRS nicht anerkannt würden, denn die EU Standards würden dann als zweite Wahl angesehen. Es gäbe auch ernst zu nehmende Konsequenzen für die Finanzberichterstattung, wenn die in Europa anerkannten von den tatsächlichen IFRS abweichen: auf die IFRS könnte nicht mehr als Grundlage der Rechnungslegung Bezug genommen werden".

Quelle: FINANZ BETRIEB, 09.06.2004

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