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IDW zur Frage der Entwicklung spezieller IFRS-Standards für KMU

Das IDW hat mit Schreiben vom 24. 9. 2004 dem IASB seine Auffassung zu ...

Das IDW hat mit Schreiben vom 24. 9. 2004 dem IASB seine Auffassung zu den im IASB-Diskussionspapier "Preliminary Views on Accounting Standards for Small and Medium-sized Entities" aufgeworfenen Fragen übermittelt.
Grundsätzlich begrüßt das IDW die Erwägung des IASB, spezielle Reporting Standards für KMU zu entwickeln ("IASB Standards for SMEs"), die die Bedürfnisse der Adressaten der Jahresabschlüsse solcher Unternehmen unter Kosten-Nutzen-Erwägungen berücksichtigen.
IFRS sollten jedoch auch grundsätzlich für alle Anwender verständlich, nutzerfreundlich und einfach anwendbar sein. Das IDW schlägt dem Board daher vor, vor diesem Hintergrund auch generell eine Überarbeitung und Komplexitätsreduktion der IFRS in Erwägung zu ziehen.
Die Diskussion über Reporting Standards für KMU sollte sich am Zweck dieser Standards ausrichten, so das IDW. Eine Reduktion der Anforderungen an die Berichterstattung von KMU im Vergleich zum gesamten IFRS-Regelwerk mit dem Ziel einer Festlegung von Mindestanforderungen wäre dabei zwar grundsätzlich akzeptabel. Trotzdem sollte man sich vor auch Augen führen, dass hierdurch ein IFRS-Regelwerk zweiten Ranges geschaffen werden würde, und KMU u. U. faktisch dennoch vom Markt zur Aufstellung eines "vollwertigen" IFRS-Abschlusses gezwungen werden könnten.
Das IDW betont zudem, dass nur die jeweiligen Gesetzgeber Reporting Standards in nationales Recht umsetzen können und das IASB sich bei der Entwicklung von IFRS für KMU daher nicht mit Fragen nationalen Gesellschaftsrechts befassen sollte.
Das IDW hält das gesamte IFRS-Regelwerk nicht als grundsätzlich für alle Anwender geeignet, da die IFRS zur Zeit auf börsennotierte Unternehmen ausgerichtet sind und daher die speziellen Informationsbedürfnisse von Investoren und die Komplexität der Transaktionen börsennotierter Unternehmen reflektieren. Wie auch im Diskussionspapier erwähnt, haben die Adressaten der Jahresabschlüsse von KMU sehr wahrscheinlich hiervon abweichende Informationsbedürfnisse, weswegen das Board spezielle Reporting Standards für KMU entwickeln sollte.
Die Komplexität des IFRS-Regelwerks ist dabei nach Ansicht des IDW von entscheidender Bedeutung. Sogar großen, börsennotierten Unternehmen würde die Anwendung des gesamten IFRS-Regelwerks größere Schwierigkeiten bereiten. Unter der Annahme, dass KMU i. d. R. Schwierigkeiten hätten, hierfür ausreichend qualifiziertes Personal zu gewinnen, äußert das IDW daher Bedenken hinsichtlich der Praktikabilität einer Anwendung des gesamten Regelwerks durch KMU.
Zunächst gelte es, diese Informationsbedürfnisse von Nutzern der Jahresabschlüsse von KMU festzustellen; nur so ließen sich spezielle IFRS für KMU rechtfertigen. Der Vorteil eines separaten, geschlossenen IFRS-Regelwerks für KMU liegt nach Ansicht des IDW darin, dass auch in Berichterstattung nach IFRS unerfahrene KMU diese IFRS dann leichter anwenden könnten. Andererseits wäre der Übergang zu "full IFRS" leichter, wenn lediglich spezielle Ausnahmen für KMU im Regelwerk implementiert werden würden. Dies wäre in der Umsetzung auch für das IASB leichter. Das IDW spricht sich insgesamt jedoch trotzdem für die Entwicklung eines in sich geschlossenen Regelwerks für KMU aus.

Quelle: DER BETRIEB, 29.09.2004

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