„IFA wird Messe der flachen Fernseher“
Das Ende der Bildschirmröhre

Jahrzehnte gehörte die Bildröhre zum Fernseher wie der Prozessor zum Computer. Auch die schönsten Modelle wirkten in den deutschen Wohnzimmern damit wie ein sperriges Möbel. Doch diese Zeiten sollen endgültig vorbei sein.

HB/dpa HAMBURG. "Die IFA wird die Messe der flachen Fernseher", sagt Martin Beckmann von Sharp. Alle großen Hersteller bringen zur diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin eine ganze Palette verschiedenster Geräte aller Preis- und Qualitäts-Kategorien mit.

"Die IFA ist für flache Fernseher der Auftakt zum künftigen Massenmarkt", sagt Philips-Sprecher Klaus Petri. Ein klarer Trend gehe inzwischen zu immer größeren Displays und zur Heimkino-Anlage. "Die Konsumenten hatten bei den alten Röhren-Fernsehern ja nur Probleme mit dem Volumen." Heute gebe es qualitativ hochwertige Displays ohne sperrigen "Kleiderschrank" dahinter, die problemlos in jedes Wohnzimmer passten.

Bereits jetzt können die flachen Geräte auf eine steile Karriere zurückblicken. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) hat sich der Verkauf allein von LCD- Fernsehern von 2001 bis 2002 mehr als versechsfacht. In Deutschland wurden 2002 sowohl an LCD- als auch Plasma-Bildschirmen insgesamt 100 000 Stück verkauft, für 2003 erwartet die gfu einen Absatz von 120 000 Stück allein von LCD- Bildschirmen. In diesem Jahr könne man in Deutschland wieder von einer Versechsfachung des LCD-Marktes ausgehen, sagt Petri. "Es gibt eine dramatische Entwicklung."

Plasma-Technik-Euphorie hat sich gelegt

In den vergangenen Jahren hatten die Entwickler noch große Hoffnungen in die Plasma-Technologie gesetzt, die es zunächst einfacher machte, auch großformatige Bildschirme in Serie herzustellen. Die erste große Euphorie hat sich im Vergleich mit der technischen Entwicklung bei LCD-Displays jedoch mittlerweile wieder etwas gelegt. Manche Hersteller wie etwa Sharp wollen sich deshalb generell von Plasma-Produkten verabschieden.

Plasma-Bildschirme bestehen aus zwei Glasplatten, zwischen denen sich kleine, mit Edelgas gefüllte und mit einer Leuchtschicht umgebene Kammern befinden. Durch Zuführung von Strom leuchtet die Phosphorschicht auf bestimmten Punkten auf. "Es gibt aber eine ganze Reihe von Nachteilen", sagt Beckmann. So benötigen die Geräte sehr viel Strom und sind sehr strahlungsintensiv. Zudem können die Bildschirmoberflächen selbst von hochpreisigen Geräten bei langer Nutzung durchbrennen und weisen insgesamt eine schnelle Alterung auf.

Dagegen zeigen bei so genannten LCD- oder TFT-Flachbildschirmen einzelne Bildpunkte, hinter denen für die Farben Rot, Gelb und Blau jeweils drei Dünnfilm-Transistoren stecken, das Fernsehbild an. TFT (Thin Film Transistor) oder LCD (Liquid Cristal Display)-Bildschirme benötigen im Vergleich zu herkömmlichen Röhrenmonitoren weniger Strom und sind von der Leistung her deutlich robuster als etwa Plasma- Bildschirme. Doch auch bei dieser Technologie sei es sehr aufwendig, großformatige Geräte herzustellen, sagt Beckmann.

Abschied vom klassischen Fernseher

Für bestimmte Einsatzgebiete wird die Plasma-Technologie dennoch weiterentwickelt. "Auch bei LCD gibt es von einer bestimmte Größe an Probleme", sagt Petri. In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis habe Plasma durchaus große Vorteile. Für eine Bildschirmgröße von über 81 Zentimeter sei Plasma noch immer die erste Wahl. Doch die ersten Unternehmen stimmen schon den Abgesang der Technologie an. "Plasma hat sein Zeitfenster gehabt", sagt Beckmann. Sharp werde deshalb die Produktion und Entwicklung von Plasma-Bildschirmen einstellen.

Aber auch von der Produktion klassischer TV-Geräte will sich Sharp bereits 2007 in Deutschland endgültig verabschiedet haben. In Japan macht das Unternehmen bereits heute über 50 % seiner Umsätze in dieser Produktklasse mit LCD-Fernsehern. Die klassischen TV- Hersteller verfolgen dagegen die Strategie, allen Marktbedingungen gerecht zu werden. "Wir setzen weiter auf die ganze Palette der Technologien", sagt Armando Romagnolo von Panasonic.

Derzeit habe der klassische Fernseh-Umsatz am gesamten Unterhaltungselektronik-Markt in Deutschland einen Anteil von rund 40 %, sagt Petri. Die neuen Flachbild-Technologien zusammen genommen kämen gerade auf einen Anteil von 7,5 %. Doch dieses Verhältnis kann sich sehr schnell ändern. "Die Verbraucher interessieren sich für flache Geräte", sagt Romagnolo. "In dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit geht jedoch alles nur über den Preis."

Doch auch wenn der Siegeszug der flachen "TV-Leinwände" weiter anhält, wird dem deutschen Fernsehpublikum der gute sperrige Röhren- Fernseher noch einige Jahre erhalten bleiben. Vermutlich werden die flachen Schirme die alten Geräte im Jahr 2006 überholen, schätzt Petri. "Der prognostizierte Wendepunkt im Umsatz wird vermutlich 2005/2006 stattfinden." Bis es in Deutschland mehr flache als Röhren- Fernseher geben wird, könnte es allerdings noch länger dauern. Den Wendepunkt in der Stückzahl prognostiziert Romagnolo für das Jahr 2008. "Wenn es 2008 Flachbildschirme mit Diagonalen von 70 bis 80 Zentimeter für eine Preismarke unter 1000 ? geben wird, dann wird es richtig spannend."

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