Ifo-Geschäftsklimaindex
Stimmung in deutscher Wirtschaft weiter gefallen

Die Zukunftserwartungen der deutschen Wirtschaft haben sich zum Jahresende etwas aufgehellt und neue Hoffnungen auf ein Ende der Konjunkturflaute aufkeimen lassen.

Reuters BERLIN. Der am Mittwoch veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex für Dezember sank zwar den siebten Monat in Folge. Die vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) befragten rund 7000 Unternehmen beurteilten ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate aber erstmals seit Mai wieder optimistischer. "Das ist ein Hoffnungsschimmer", sagte Robert Prior-Wandesforde, Analyst bei HSBC in London.

Der als Konjunkturbarometer an den Börsen geschätzte Ifo-Gesamtindex für Westdeutschland sank im Dezember leicht auf 87,1 von 87,3 Zählern im November. Der Teilindex für die Erwartungen stieg jedoch deutlich auf 97,9 von 95,8 Zählern im November. Ihre gegenwärtige Geschäftslage schätzten die Firmen erneut schlechter ein - der entsprechende Index sank auf 76,8 von 79,0 Punkten. Das Ifo führt diesen Rückgang vor allem auf die ungünstige Lage im Groß- und Einzelhandel zurück. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Ifo-Daten.

Steigender Zukunftsoptimismus mildert Rezessionsängste

Die Ifo-Daten wurden von Konjunkturexperten wie Klaus Baader von Lehman Brothers in London als Signal für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage gewertet: "Der Abwärtstrend beschleunigt sich nicht." Damit nähmen die Sorgen ab, dass Deutschland in eine Rezession zurückfallen könnte. Auch Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank nannte den Anstieg der Zukunftserwartungen ein Signal für einen Wendepunkt. Andere Frühindikatoren müssten dies jedoch noch bestätigen. Jörg Krämer von Invesco Asset Management warnte jedoch vor zu großem Optimismus: "Um einen Aufschwung zu prognostizieren, müsste das Ifo-Geschäftsklima deutlich stiegen, was ich noch nicht für eine sichere Sache halte." In den Ifo-Geschäftsklimaindex fließen sowohl die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate als auch ihre aktuelle Lagebeurteilung ein. Nach einer Ifo-Faustregel wäre erst ein Anstieg des Index in drei aufeinander folgenden Monaten ein klares Signal für einen konjunkturellen Aufschwung. In Ostdeutschland stieg der Geschäftsklimaindex auf 97,2 von 95,0 Punkten im November.

Die günstigeren Geschäftsaussichten führten die Analysten auf das Abflauen der Diskussion über neue Steuern und Abgaben zurück, die die Stimmung in der deutschen Wirtschaft in den letzten Monaten stark belastet hatte. "Das unsägliche Thema Vermögenssteuer, das den Unternehmen sauer aufgestoßen ist, war schon leicht am Abklingen", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Geholfen habe aber auch die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies sei "ein Signal, dass die Geldpolitik ihren Spielraum nutzt, während von der Finanzpolitik wenig Impulse zu erwarten sind".

Aktienmärkte haben Stimmung verbessert

Wichtig für die positiveren Geschäftserwartungen sei auch die Stabilisierung der Aktienmärkte gewesen, sagten die Experten. "Wir haben einen stabilen Aktienmarkt und robuste Stimmungsindikatoren in den USA und teilweise auch in Europa", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin. Nun bleibe abzuwarten, ob sich dies in den kommenden Monaten bestätigen werde.

Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Ifo-Daten. Der Deutsche Aktienindex Dax legte zwar vorübergehend einige Punkte zu, gab diese jedoch schnell wieder ab und notierte gegen 13.00 Uhr MEZ gut ein Prozent im Minus.

Die Frühindikatoren für Deutschland zeichnen insgesamt noch ein uneinheitliches Bild der künftigen Wirtschaftsentwicklung. Als größte Risiken gelten dabei ein Irak-Krieg mit steigenden Ölpreisen und die US-Konjunktur. Der Erwartungsindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatte zuletzt nach unten, der Reuters-Einkaufsmanagerindex nach oben gezeigt. "Die Entwicklung der Frühindikatoren sollte sich bald stabilisieren", erwartete Krämer. Das ändere aber nichts daran, dass Deutschland im vierten Quartal 2002 und im ersten Quartal 2003 noch ein stagnierendes Wirtschaftswachstum haben werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%