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Ifo-Index steigt erstmals seit Mai 2000

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar überraschend zum ersten Mal seit Monaten verbessert.

Reuters FRANKFURT. Die Stimmung der Deutschen Wirtschaft hat sich im Januar überraschend deutlich aufgehellt. Der Geschäftsklima-Index West stieg auf 97,5 von revididiert 96,8 Punkten im Vormonat, teilte das Münchener Ifo-Institut am Mittwoch mit. Dies ist der erste Anstieg seit Mai 2000. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts deutet die Zahl jedoch noch nicht auf eine generelle Erholung des Indexes hin. Volkswirte, die im Schnitt mit einem weiteren Rückgang des Indexes gerechnet hatten, zeigten sich positiv überrascht, allerdings sei der neuerliche Rückgang der Erwartungskomponente enttäuschend. Die verbesserte Stimmung der Wirtschaft mache aber eine baldige Leitzinssenkung in der Euro-Zone unwahrscheinlicher. Der Euro legte nach der Veröffentlichung des Indexes um mehr als einen halben US-Cent auf Kurse von zeitweise über 0,9170 Dollar zu.

Der Geschäftserwartungsindex ging auf 100,3 von revidiert 101,5 Punkten zurück. Der Index für die Geschäftsbeurteilung verzeichnete dagegen wie der Klimaindex im Januar einen Anstieg, und zwar auf 94,6 von revidiert 92,2 Punkten. Auch in Ostdeutschland hat sich die Stimmung im Januar verbessert. Der Geschäftsklimaindex Ost wurde mit 106,6 Punkten nach revidiert 105,2 Punkten im Dezember festgestellt.

Vorsichtiger Optimismus



"So lange sich die Geschäftserwartungen nicht verbessern, können wir noch nicht von einer Erholung sprechen. Da bin ich vorsichtig", sagte Ifo-Volkswirt Willi Leibfritz im Anschluss an die Veröffentlichung des Indexes. Das Ifo-Institut benötige Daten von weiteren ein bis zwei Monaten, um sich ein klares Bild von der Wirtschaftsentwicklung zu machen. Überdies gebe der Index kein klares Zeichen für die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Volkswirte, die im Schnitt mit einem Rückgang des Ifo-Indexes im Januar auf 96,0 Punkte gerechnet hatten, werteten den Anstieg insgesamt zwar als ein positives Signal für die Wirtschaft. Sie zeigten sich aber enttäuscht von dem Rückgang der Geschäftserwartungen. Ulrike Kastens, Volkswirtin bei HSBC Trinkaus, sieht die Trendwende beim Ifo daher noch nicht erreicht. Auch Catherine Lee von RBS Financial Markets in London bezeichnet den Anstieg des Indexes auf Grund der gesunkenen Erwartungskomponente eher als einen "Ausreißer" und nicht als einen Einstieg in einen Aufwärtstrend.

Ralph Solveen von der Commerzbank geht dagegen davon aus, dass die Tahlsohle bei dem Geschäftsklimaindex erreicht ist. "Ifo hat seinen Boden gefunden und wir gehen trotz des negativen außenwirtschaftlichen Umfeldes weiter von einer Verstärkung der deutschen Konjunktur im ersten Halbjahr aus", sagte er.

Die EZB wird weiter neutral bleiben

Hinsichtlich möglicher Leitzinssenkungen in der Euro-Zone sehen die Volkswirte den Handlungsbedarf der EZB durch den Anstieg des Ifo-Indexes gedämpft. "Mit diesen robusten Wachstumszahlen und den eher ungünstigen Preisdaten in der Euro-Zone wie zuletzt aus Italien wird die EZB mit einer Zinssenkung noch weiter abwarten und ihre neutrale Haltung beibehalten", sagte Carsten Demski von der Bankgesellschaft Berlin. Es komme nun darauf an, ob die Daten zur Realwirtschaft wie Produktion und Auftragseingänge ähnlich gut ausfallen würden. "Die Erwartungen am Markt bezüglich möglicher Zinssenkungen waren ohnehin übertrieben", sagte Solveen, der von einer Zinssenkung von 25 Basispunkten im April ausgeht.

Im Januar hatte die US-Notenbank Fed die Leitzinsen für die USA in zwei Schritten um 100 Basispunkte gesenkt, um der deutlichen Konjunkturabkühlung des Landes entgegenzuwirken. Am Markt war in der Folge spekuliert worden, dass die EZB auf Grund der wachsenden Konjunkturrisiken in der Euro-Zone ebenfalls ihre Geldpolitik lockern könnte.

An den Finanzmärkten legte der Euro nach der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindexes um über einen halben US-Cent auf ein vorläufiges Tageshoch von 0,9173 Dollar zu. Gegen 11.45 Uhr MEZ notierte die Gemeinschaftswährung mit Kursen um 0,9158/60 Dollar.

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