"Ifo-Index wird weiter sinken"
Volkswirte sehen noch keine Trendwende beim Ifo-Index

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni erneut unerwartet deutlich eingetrübt.

Reuters MÜNCHEN. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklima-Index für Westdeutschland sei auf 89,5 von revidiert 90,8 (90,9) Punkten im Mai gesunken, teilte das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo am Montag mit.

Volkswirte sagten dazu in ersten Reaktionen:

Stephan Rieke von der BHF Bank hat mit der Verschlechterung gerechnet. "Dies zeigt, dass die Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone noch nicht vorbei ist und noch keine Anzeichen für eine Trendwende erkennbar sind". "Ich glaube, der Ifo-Index wird bei der EZB-Zinsentscheidung eine Rolle spielen, aber nicht notwendigerweise bereits beim nächsten Ratstreffen am 2. August. Ich erwarte, dass die EZB die Zinsen bei ihrem letzten Treffen im August oder aber im September senken wird."

Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank Research macht vor allem die weiterhin schlechten Nachrichten aus den USA und die sehr schlechte Lage der deutschen Bauwirtschaft für den starken Rückgang des Geschäftsklima verantwortlich. "Der Ifo-Index wird in den kommenden zwei Monaten noch weiter sinken und dann seinen Boden finden. Die EZB wird das sicherlich in ihr Kalkül mit einbeziehen und irgendwann in der Zukunft die Zinsen senken. Ich rechne nach der Sommerpause, eher im September, mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte."

Stefan Mütze von der Hessischen Landesbank in Frankfurt sieht noch keine Trendwende, da sogar "unsere pessimistische Prognose von 90 Punkten noch unterboten wurde. Wir sehen noch keine Trendwende bei den Stimmungsindikatoren in Deutschland und Europa. Wir erwarten frühestens im September eine Stabilisierung. Bis dahin werden wir aber wegen des Abschwungs in Europa, Asien und den USA deutlich unter 90 Punkte beim Ifo-Index kommen. Für das zweite Quartal erwarten wir beim BIP-Wachstum eine Stagnation. Auch der Rückgang der Erwartungen zeigt, dass noch eine weitere Verschlechterung ansteht."

Nerb sieht noch keine Trendwende beim Ifo-Index

"Die Erwartungen haben sich noch nicht gefangen, das deutet darauf hin, dass noch kein Tiefpunkt erreicht ist", sagte Nerb, Volkswirt vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft war damit im Juni so schlecht wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Vor allem die Industrieunternehmen seien skeptisch hinsichtlich ihrer Gewinnerwartungen, sagte Nerb.

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