Ifo-Institut rechnet trotz Tarifverhandlungen für 2002 mit moderater Teuerung
Lohnstückkosten werden kaum steigen

Der Kampf der Tarifparteien ist voll im Gange: 6,5 % mehr Lohn fordern die Gewerkschaften. Letztlich werden diese Maximalforderungen aber wohl kaum durchgesetzt - sondern sind Bestandteil des Verhandlungsrituals.

pbs DÜSSELDORF. Im Jahresschnitt werden die Löhne "nicht wesentlich höher sein als im vergangenen Jahr", schätzt Wolfgang Nierhaus, Konjunktur-Experte vom Münchener Ifo-Institut. Um 21/2 % werden die Tarifstundenlöhne im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt steigen, erwartet Nierhaus; 2001 waren es 2 %.

Das wird sich positiv auf die binnenwirtschaftliche Teuerung, gemessen am "BIP-Deflator", auswirken. Dieser Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stellt die Entwicklung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital dar. Das sonst gebräuchliche Maß für die Inflation, der Verbraucherpreisindex, berücksichtigt dagegen auch die Teuerung von Waren und Dienstleistungen und liegt meist höher als der BIP-Deflator.

2001 ist der BIP-Deflator, nach einem Rückgang im Jahr 2000, wieder gestiegen. Grund dafür waren höhere Lohnstückkosten. Sie sind eine wichtige Größe für den Preis des Faktors Arbeit. Diese Lohnstückkosten sind 2001 zum ersten Mal seit 1995 wieder spürbar gestiegen, stellt Nierhaus fest. In diesem Jahr werden die Lohnstückkosten um voraussichtlich 11/2 % wachsen, schätzt der Ifo-Experte. Grund dafür sind auch die höheren Beitragssätze zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Anstieg der Lohnstückkosten werde sich im BIP-Deflator mit einem Plus von 0,7 Prozentpunkten auswirken, der Faktor Kapital mit 0,3 Prozentpunkten, schätzt Nierhaus. Insgesamt entspricht das einer moderaten Teuerung. Allerdings wird das Wachstum der Bruttolöhne und-gehälter je Beschäftigten erneut deutlich über dem prognostizierten Fortschritt der Arbeitsproduktivität liegen.

2002 wird sich Nierhaus zufolge die Preisentwicklung von Arbeit und Kapital wieder der Entwicklung der Lebenshaltungskosten insgesamt wieder annähern (siehe Grafik). Vor zwei Jahren hatten Euro-Schwäche und ein steigender Ölpreis über den Außenhandel (Terms of Trade) zu einem deutlichen Unterschied zwischen beiden Teuerungsmaßen geführt.

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