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Ifo-Präsident appelliert an die Bundesregierung

Der Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, energische Maßnahmen gegen eine drohende Rezession zu ergreifen.

rtr MÜNCHEN. "Die Zeichen verdichten sich, dass die Reise nach unten geht", sagte Sinn am Donnerstag auf einem Ifo-Kongress in München. "Die Bundesregierung muss der Realität ins Auge sehen." Deutschland stehe am Rande einer Rezession. Daher müsse die Regierung von ihrem Konsolidierungskurs Abstand nehmen und ähnlich energische Gegenmaßnahmen wie die US-Regierung ergreifen. Der Europäischen Zentralbank empfahl Sinn, die Zinsen am Nachmittag um mindestens einen Viertelprozentpunkt zu senken.

In ihrem am Dienstag offiziell vorgestellten Herbstgutachten hatten die sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland für 2001 auf 0,7 % gesenkt. Der Bundesregierung empfahlen die Experten bereits ein Vorziehen der Steuerreform und eine vorübergehende Abkehr vom Sparkurs. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatten die Rezessionswarnungen und deren Vorschläge zur Konjunkturbelebung allerdings zurückgewiesen.

Er verstehe ja die Schwierigkeiten der Bundesregierung, sagte Sinn am Donnerstag. In schwierigen Zeiten müsse man den Kurs der Politik aber auch mal überdenken. Sinn plädierte erneut für ein Vorziehen der Steuerreform, die nach seinen Worten das Haushaltsdefizit um 0,3 % des Sozialprodukts erhöhen würde. Die US-Regierung habe immerhin Maßnahmen beschlossen, die das Budgetdefizit um 1,5 % des US-Sozialprodukts erhöhen würden.

Der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihre Zinsentscheidung am frühen Nachmittag trifft, empfahl Sinn die Senkung der Zinsen um mindestens einen Viertelprozentpunkt. "Ich erwarte und empfehle der EZB eine erneute Zinssenkung", sagte der Ifo-Präsident. Üblicherweise erfolgten Zinssenkungen in Schritten von Viertelprozentpunkten. "Wir können aber auch noch stärker runter gehen, denn die amerikanischen Zinsen liegen unter den europäischen." Die EZB hat die Zinsen in diesem Jahr bereits vier Mal um insgesamt einen Prozentpunkt gesenkt. In einer Reuters-Umfrage vom Mittwoch hatten 27 der 50 befragten Volkswirte eine Zinssenkung erwartet, und zwar überwiegend um einen Viertelprozentpunkt auf dann 3,5 % im Schlüsselzins.

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