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Ifo sieht Trendwende erst im zweiten Quartal

Das Wirtschaftsinstitut revidierte seine Wachstumsprognosen nach unten und sieht Deutschland in einer Rezession.

Reuters MÜNCHEN. Das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) sieht die deutsche Wirtschaft in einer Rezession und erwartet eine Konjunkturwende erst im zweiten Quartal kommenden Jahres. Das Institut revidierte seine Wachstumsprognosen für 2001 und 2002 nach unten. Insgesamt werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2002 um 0,6 (Juli-Prognose 2,2) Prozent nach 0,5 (1,2) Prozent im Jahr 2001 wachsen, teilte das Ifo am Mittwoch mit. Im vierten Quartal werde die Wirtschaftsleistung auf das Gesamtjahr hochgerechnet vermutlich um knapp ein Prozent zurückgehen. Auch das Hamburgische Weltwirtschafts-Archiv (HWWA) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sehen die konjunkturellen Aussichten Deutschlands als weiterhin schlecht an. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte am Dienstag für die Euro-Zone eine langsame wirtschaftliche Erholung für das kommende Jahr vorausgesagt.

"Die deutsche Wirtschaft geriet in der zweiten Jahreshälfte 2001 in die Rezession", teilte das Ifo mit. Im Herbstgutachten waren die Münchener Volkswirte zusammen mit den anderen fünf führenden Forschungsinstituten noch von 0,7 % für das laufende und 1,3 % für das kommende Jahr ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung des Ifo-Instituts ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Frühjahr 2002 saisonbereinigt die Vier-Millionen-Schwelle überschreiten und auch im Jahresdurchschnitt in dieser Größenordnung liegen.Die Prognosen der Bundesregierung liegen bei etwa 0,75 % für dieses und rund 1,25 % für das kommende Jahr.

Das Bundesfinanzministerium hatte in seinem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht eine anhaltende Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten und eine andauernde Konsumschwäche konstatiert. Weiterhin war von "einer Phase konjunkturell bedingter Wachstumsschwäche" die Rede. Das Wort Rezession tauchte in der Analyse für Deutschland nicht auf. Infolge verschlechterter Exportaussichten sei die Investitionstätigkeit gedrosselt. Positiv seien die weiterhin niedrige Inflation und günstige monetäre Bedingungen.

Das HWWA sieht die Bedingungen einer Rezession erfüllt. Auch das HWWA rechnet für das vierte Quartal mit einer leichten BIP-Abnahme. Einiges spreche jedoch dafür, dass eine tiefe Rezession verhindert werden könne. Für 2001 prognostiziert das HWWA ein Wachstum von 0,6 und für 2002 von 0,7 %. Auch nach Einschätzung des HWWA hängt die Entwicklung in Deutschland vor allem von Amerika ab. Als Rezession definieren Volkswirte zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem BIP-Wachstum.

Auch der IWF korrigierte seine Wachstumserwartungen für Deutschland nach unten.Er rechnet jetzt im laufenden Jahr mit 0,5 (vorher 0,7) und im kommenden mit 0,7 (vorher 0,8) Prozent. Die konjunkturelle Schwäche Deutschlands werde auf Grund der Größe der Volkswirtschaft negative Auswirkungen auf das Wachstum der gesamten Region haben, heißt es in dem IWF-Zwischenbericht.

EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte am Dienstag Hoffnungen auf eine baldige Leitzinssenkung in der Euro-Zone gedämpft und eine langsame wirtschaftliche Erholung für das kommende Jahr vorausgesagt. Das Niveau der Leitzinsen in der Euro-Zone sei "für die absehbare Zukunft" angemessen, hatte Duisenberg gesagt. Von einer Rezession in der Euro-Zone kann dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge nicht die Rede sein. Die EZB hat die Zinsen in diesem Jahr bereits vier Mal um insgesamt 150 Basispunkte auf 3,25 % im Schlüsselzins gesenkt.

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