Ifo sieht trotz Indexrückgangs Ansätze für Erholung
Stimmung in der Wirtschaft wird schlechter

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August leicht eingetrübt. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ist im August auf 89,5 von 89,8 Punkten im Juli gesunken, teilte das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag mit.

Reuters MÜNCHEN. Obwohl sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im August etwas eingetrübt hat, erwartet das Münchnener Forschungsinstitut eine konjunkturelle Erholung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei im August auf 89,5 von 89,8 Punkten im Juli gesunken, teilte Ifo am Freitag mit. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte in einem Reuters-Interview er sehe wegen der erneut gestiegenen Geschäftserwartungen Ansätze für eine wirtschaftliche Erholung. Er betonte, dass sich die nach dem Anschlag eingegangenen Antworten kaum von den 75 % der Rückmeldungen vor dem 11. September unterschieden. Analysten zweifelten wegen der Anschläge hingegen an der Aussagekraft der August-Werte.

Für August hatten von Reuters befragte Analysten im Schnitt mit einem unveränderten Wert von 89,8 Punkten gerechnet. Im Juli war das Konjunkturbarometer erstmals seit sechs Monaten gestiegen, nachdem es im Juni den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren erreicht hatte. Für alle Industrieländer haben Experten die Wachstumsprognosen in diesem Jahr schon mehrmals nach unten angepasst. In der weltgrößten Volkswirtschaft USA waren die Sorgen vor einer Rezession vor den verheerenden Attentaten in New York und Washington gerade etwas verflogen. Die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge sind im Moment noch nicht absehbar. Viele Volkswirte rechnen aber jetzt für das zweite Halbjahr mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung in den USA und einer Verzögerung der ursprünglich erwarteten Erholung in Deutschland und der Euro-Zone bis ins kommende Jahr.

"Wir sehen keine Rezession"

Ifo-Volkswirt Gernot Nerb erwartet trotz des leichten Index-Rückganges im August einen Aufschwung. "Wir sehen keine Rezession, sondern Ansätze zu einer konjunkturellen Erholung in den kommenden Monaten", sagte Nerb in einem Reuters-Interview. Eine positive Überraschung sei der erneute Anstieg des Erwartungsindexes, der eine Trendwende beim Gesamtindex in einigen Monaten erwarten lasse. Nerb sagte, die Antworten der Unternehmen nach den Anschlägen wiesen kaum Unterschiede zu den Rückmeldungen vor dem 11. September auf. Auswirkungen auf die künftige Index-Entwicklung seien unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Der Index Geschäftserwartungen für die alten Bundesländer stieg auf 95,9 von 95,0 Punkten im Vormonat.

Nach Auffassung von Volkswirten kann der August-Index aber nicht als verlässliches Konjunkturbarometer herangezogen werden. Von den reinen Zahlen her betrachtet erwartet Christoph Weil von der Commerzbank einen Konjunkturaufschwung im vierten Quartal. Allerdings hätten 75 % der Befragten vor den Anschlägen in den USA geantwortet. "Wir wissen nicht, wie die Anschlagsfolgen auf die Geschäftserwartungen durchschlagen". Ulrich Beckmann von Deutsche Bank Research hält die Aussagekraft der Daten für gering. "Mit diesem Index kann man nur sagen, was ohne die Anschläge gewesen wäre", sagte er. Der 11. September und seine Folgen würden sich noch stark auf das Geschäftsklima auswirken. Der September-Index werde geringer ausfallen. Auch Jörg Krämer von Invesco Asset Management betrachtet die Zahlen weitgehend als Makulatur. "Wir werden für September einen Einbruch sehen", sagte der Volkswirt.

Zinssenkung nicht erforderlich

Eine weitere Zinssenkung der EZB, die am Montag gemeinsam mit der US-Notenbank in Reaktion auf die Unsicherheit von Wirtschaft und Finanzmärkten nach den Anschlägen die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt hatte, hält Nerb derzeit nicht für erforderlich. "Aber wir schließen nicht aus, dass es eine Notwendigkeit für weitere Zinssenkungen gibt, falls einige Ereignisse eintreten sollen", sagte Nerb mit Blick auf die Reaktion der USA auf die Anschläge vom 11. September.

US-Präsident George W. Bush forderte die radikal-islamische Taliban-Regierung in Afghanistan am Freitag (MESZ) erneut zur Auslieferung des Extremisten Osama bin Laden auf, den die USA als Hauptverantwortlichen für die Attentate betrachten. Die Streitkräfte der USA seien nun in Alarmbereitschaft. Bush bekräftigte, dass es einen langwierigen Konflikt und nicht einen Vergeltungsschlag geben werde. An andere Staaten gerichtet sagte Bush: "Entweder ihr seid für uns, oder ihr seid für die Terroristen." Die Furcht vor Krieg und Rezession löste an den europäischen Aktienmärkten panikartige Verkäufe und Kurseinbrüche aus. Am Devisenmarkt stieg der Schweizer Franken zu $ und Euro auf neue Höchststände, weil die Währung als krisensicher gilt.

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