Ifo- und Einkaufsmanagerindex können bei der Anlageentscheidung helfen
Welche Indikatoren für Investoren wichtig sind

DÜSSELDORF. Warum sollten sich Privatanleger in Deutschland für den Geschäftsklimaindex des kleinen Nachbarlandes Belgien interessieren? Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco hält diese von der belgischen Zentralbank erhobene Kennziffer für höchst aufschlussreich: "Sie zeigt mit einem Vorlauf von fünf Monaten an, wie es mit der Wirtschaft in ganz Euro-Land weitergeht." Denn die belgische Wirtschaft ähnele dem Konjunkturverlauf der Eurozone sehr.

Da die Kapitalmärkte eine konjunkturelle Entwicklung fast immer vorwegnehmen, sind zuverlässige Frühindikatoren für Börsianer höchst interessant. Da die deutsche Volkswirtschaft die größte der Euro-Zone ist, hängt gerade von ihrer Entwicklung viel für die europäischen Aktienmärkte ab. Zu den wichtigsten Indikatoren zählt der Geschäftsklima-Index des Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo, das einmal im Monat 6 000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft Westdeutschlands über ihre Geschäftserwartungen befragt. Seine Aussagekraft bewies der Ifo-Index im vergangenen Sommer. Damals zeigte er bereits eine Abschwächung an, die sich in den neuesten Daten über ein nachlassendes Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone bestätigt haben.

Krämer empfiehlt, jeweils Dreimonatsdurchschnittswerte beim Ifo-Index zu betrachten, um statistische Ausreißer zu vermeiden. Auch wenn nach dem daraus gebildeten Chart auf schlechte Stimmung am Aktienmarkt schließen lässt, hofft Michael Stierle von Oppenheim Research auf eine Bodenbildung und stützt sich dabei darauf, dass der Sub-Index für die 6-Monats-Geschäftserwartungen neuerdings weniger stark fällt.

Für die USA wird meist der Einkaufsmanager-Index der National Association of Purchasing Management (NAPM) herangezogen. Die monatlich erhobenen Einschätzungen der Chefeinkäufer der 350 wichtigsten US-Industriefirmen hätten in den vergangenen 40 Jahren den Beginn von elf konjunkturellen Auf- und elf Abschwüngen im Durchschnitt sechs Monate vorher angezeigt, betont Krämer. Wegen seiner Schwankungen zieht er bei diesem Index die Fünfmonats-Durchschnittswerte zu Rate. Der abgebildete Chart deute bereits eine Bodenbildung an. Sofern der am 2. Juli erwartete Wert auf dem Niveau des Vormonats liegt, reicht dies Krämer zufolge für einen Anstieg im Fünfmonatsdurchschnitt aus: "Das käme einem Aufschwungsignal gleich." Fällt der Wert, so wird die Erholung wohl noch auf sich warten lassen - und das dürfte den Aktienmärkten gar nicht schmecken. Wer sich mit Frühindikatoren beschäftigt, sollte immer auch die Erwartungen der Finanzmärkte berücksichtigen, warnt Stierle. Auch der Anstieg eines Frühindikators führt nicht selten zu herben Verlusten, weil die Märkte einen größeren Anstieg erwartet haben.

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