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IFRS für den Mittelstand

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat erste Überlegungen zur Entwicklung ...

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat erste Überlegungen zur Entwicklung internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS) für mittelständische Unternehmen (SMEs), i.d.R. sind dies nicht börsennotierte Unternehmen, zur Diskussion gestellt.
Das IDW begrüßt einer Pressemitteilung zufolge im Grundsatz das Vorhaben des IASB, spezielle Regelungen für mittelständische Unternehmen zu entwickeln. Die derzeit vorliegenden IFRS dienten in erster Linie den Interessen einer Vielzahl von Anlegern am Kapitalmarkt. Sie müssten den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen aller Investoren ebenso Rechnung tragen wie der Komplexität des Geschäfts börsennotierter Unternehmen. Das IDW teile die Auffassung des IASB, dass die Abschlussadressaten mittelständischer Unternehmen i.d.R. weniger umfangreiche Informationsanforderungen an die Rechnungslegung stellen. Auch solle das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Rechnungslegung durch das IASB im Auge behalten werden, damit die Bereitschaft der mittelständischen Unternehmen, die internationalen Standards anzuwenden, gefördert werde.
Erleichterungen könnten nach Auffassung des IDW insbesondere bei den umfangreichen Angabe- und Erläuterungspflichten vorgesehen werden. Bilanzansatz und Bewertung müssten hingegen auch bei mittelständischen Unternehmen auf den allgemeinen Prinzipien aufbauen. Gleichwohl sollte nach Auffassung des IDW geprüft werden, ob die Regelungen nicht in Einzelbereichen einfacher und praxisfreundlicher gestaltet werden könnten.
Die Entwicklung der internationalen Rechnungslegungsstandards für Mittelständler sei Aufgabe des IASB. Die Frage, welchen Unternehmen die Anwendung dieser Regelungen offen stehen solle, sei hingegen durch die nationalen Gesetzgeber abschließend zu klären. Denn die unterschiedliche Ausgestaltung des Gesellschaftsrechts der jeweiligen Länder könne durch die Standards des IASB allein nicht angemessen berücksichtigt werden.
Spezielle Rechnungslegungsvorschriften für mittelständische Unternehmen können nach Ansicht des IDW immer nur den Charakter von Mindestanforderungen haben. Letztlich würden die Abschlussadressaten und die Unternehmen zu entscheiden haben, ob die nach diesen Vorschriften aufgestellten Abschlüsse ihren Ansprüchen genügen. Es sei somit nicht ausgeschlossen, dass Marktzwänge dazu führen würden, dass auch mittelständische Unternehmen die IFRS in vollem Umfang anwenden müssten. Nach Auffassung von Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des IDW, kann in einer Marktwirtschaft diese Entscheidung aber bewusst den Marktteilnehmern überlassen bleiben, solange dem nationalen Gesetzgeber derartige Mindestanforderungen im Sinne eines geregelten Schutzes der Adressaten ausreichen. Der Staat solle hier nicht ohne Not durch weitergehende Regulierung eingreifen.
Der erste Schritt auf dem Weg zu eigenständigen Standards für SMEs ist nach Ansicht des IDW die Identifizierung der Informationsbedürfnisse der Abschlussadressaten. Soweit diese Bedürfnisse von den Ansprüchen der an börsennotierten Unternehmen interessierten Investoren abweichen, ist dies eine angemessene Rechtfertigung für ein separates, in sich geschlossenes IFRS-Regelwerk für mittelständische Unternehmen. Im Zuge der Diskussion über spezielle "IFRS für SMEs" sollte jedoch nach Aussage von Naumann nicht vergessen werden, dass IFRS grundsätzlich für alle Unternehmen verständlich und anwenderfreundlich sein müssten. Selbst börsennotierte Unternehmen hätten derzeit Schwierigkeiten, die vollen IFRS anzuwenden. Das IASB solle daher nicht nur für mittelständische Unternehmen eine Komplexitätsreduktion seiner Standards in Erwägung ziehen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 25.10.2004

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