Archiv
IfW: Ölpreis macht Verstärkung der Konjunktur 2005 in Deutschland zweifelhaft

(dpa-AFX) Frankfurt - Der ungebremste Höhenflug des Ölpreises lässt nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) eine weitere Wachstumsbeschleunigung in Deutschland im kommenden Jahr zunehmend zweifelhaft erscheinen. "Das Risiko ist da, dass die leichte Konjunkturbelebung wieder erstickt wird", sagte IfW-Ölexperte Klaus-Jürgen Gern am Freitag der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Ölpreis hatte am Freitag ein neues Rekordhoch erreicht.

(dpa-AFX) Frankfurt - Der ungebremste Höhenflug des Ölpreises lässt nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) eine weitere Wachstumsbeschleunigung in Deutschland im kommenden Jahr zunehmend zweifelhaft erscheinen. "Das Risiko ist da, dass die leichte Konjunkturbelebung wieder erstickt wird", sagte IfW-Ölexperte Klaus-Jürgen Gern am Freitag der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Ölpreis hatte am Freitag ein neues Rekordhoch erreicht.

Die leichte Belebung der Konjunktur in Deutschland werde ausschließlich vom Export getragen. Die internen Auftriebskräfte blieben hingegen weiter schwach. Das sei eine "ungünstige Gemengelage" bei der die Entwicklung besonders anfällig bleibe. Der hohe Ölpreis wirke gleich doppelt negativ. So werde die ohnehin schwächelnde Binnennachfrage weiter gedämpft und auch die Nachfrage aus dem Ausland dürfte sich zunehmend abschwächen. Bereits jetzt zeichne sich in den Wachstumszentren der Welt, China und USA, eine geringere Dynamik ab.

'Zeit DES Billigen ÖLS Vorbei'

Im laufenden Jahr dürfte die Konjunktur in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent bereits ihren Zenit erreichen, sagte Gern. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent wachsen. Die von vielen nach wie vor erwartete weitere Verstärkung der Konjunktur erscheine eher zweifelhaft. Das mittelfristige Bild verdüstere sich mit diesem Szenario. Sollte das nur mäßige Wachstum bereits nach knapp zwei Jahren seinen Höhepunkt überschreiten, lasse dies mittelfristig auf eine gravierende Wachstumsschwäche schließen.

Eine kurzfristige Entlastung durch wieder sinkende Ölnotierungen sei nicht zu erwarten. "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei", sagte Gern. So dürfte der Ölpreis zum Jahresende 2004 eher bei 35 bis 38 US-Dollar je Barrel (159 Liter) liegen und nicht wie bisher angenommen bei 30 Dollar. Auch für 2005 zeichne sich keine grundlegende Entspannung ab. Mit knapp 35 Dollar im Schnitt dürfte die bisherige Prognose von 30 Dollar erneut deutlich übertroffen werden.

'Leichte Hysterie'

Die gegenwärtigen Rekordnotierungen jenseits von 40 US-Dollar hält Gern unterdessen von der Angebots-Nachfragesituation her für "nicht gerechtfertigt". Sollte "die leichte Hysterie" am Markt abklingen, erscheine ein Ölpreisrückgang wahrscheinlich, sagte er. Wegen der bestehenden Unsicherheit im Irak und Angesichts des Justizchaos um den russischen Ölkonzern Yukos sei am Markt eine "erhebliche Risikoprämie" enthalten. In jüngster Zeit seien damit einige Irritationen hinzugekommen.

Total Deutschland-Sprecher Burkhard Reuss erwartet an den Ölmärkten kurzfristig keine deutliche Entlastung. Er macht drei Faktoren für den Ölpreisanstieg verantwortlich. Dabei wirke die gestiegene Nachfrage in Asien im Zuge der Industrialisierung und Motorisierung Chinas eher langfristig. Kurz- bis mittelfristig bleibe die Lage im Irak mit der Sorge vor Terroranschlägen ein Belastungsfaktor. Darüber hinaus wirke das Gespenst einer möglichen Yukos-Insolvenz kurzfristig zusätzlich preistreibend.

Die russische Justiz hat mit der Widerrufung einer Anordnung zur Freigabe von Konten des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos den jüngsten Ölpreisschub ausgelöst. Zuvor hatte eine Gerichtsvollzieherin die Konten für das operative Geschäft wieder freigegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%