IG Bau weitet Streiks aus
Bauarbeiter streiken jetzt fast überall

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat am Mittwoch ihre Streiks auf fast alle Bundesländer ausgeweitet.

Reuters HAMBURG. Seit Beginn der Frühschicht seien über 16 000 Baubeschäftigte auf mehr als 1 034 Baustellen im Streik, sagte IG-Bau-Streikleiter Dietmar Schäfers. Gleichzeitig betonte er, dass damit das Potenzial an streikbereiten Gewerkschaftsmitglieder noch längst nicht ausgeschöpft sei. Im Westen traten Tausende Beschäftigte im Bankgewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel in den Ausstand. Auf dem Dortmunder Friedensplatz versammelten sich 5 000 Streikende, darunter auch 1 000 Bauarbeiter, zu einer Großkundgebung.

Er hoffe, dass es gelingen werde, die Bauarbeitgeber noch in der laufenden Woche wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, sagte IG-Bau-Vorstandsmitglied Karl Heinz Strobl in München. Voraussetzung dafür sei ein verbessertes Lohnangebot.

Seit Mittwoch sei die Mehrzahl der Bundesländer in den Streik einbezogen, erklärte IG-Bau-Streikleiter Schäfers. Am dritten Tag des Bauarbeiterstreiks würden erstmals auch hunderte Großbaustellen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bestreikt. Außerdem werde die Arbeit weiter auf Baustellen in Berlin, Hamburg, Bremen, Magdeburg sowie im Ruhrgebiet verweigert.

IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel sagte in der ARD, die Streiks könnten noch eine ganze Weile dauern: "Der Druck muss sich wohl noch ein bischen erhöhen. Das werden wir auch leisten." Kommende Woche wolle die IG BAU im gesamten Bundesgebiet den Arbeitskampf führen. Wiesehügel forderte von den Arbeitgebern erneut ein deutlich besseres Angebot. Er bestritt, dass wegen des Streiks Arbeitsplätze gefährdet seien: "Ich glaube nicht, dass auch nur ein Arbeitsplatz durch den Arbeitskampf verloren geht." Der Gewerkschaftschef kündigte Streiks auf Autobahnbaustellen an. Autofahrer würden davon voraussichtlich aber nicht betroffen sein. "Es ist nicht unsere Absicht die Urlauber am Fahren in den Urlaub zu behindern", sagte Wiesehügel.

Kleinere Rangeleien am Potsdamer Platz

Am Potsdamer Platz in Berlin kam es am Mittwochmorgen zu kleinen Rangeleien, als streikende Bauarbeiter portugiesische Arbeiter am Betreten einer Baustelle hinderten. Die Polizei griff aber nicht ein. Zuvor hatten die Anwälte des Bauherrn eine einstweilige Verfügung erreicht, wonach der Zugang zu der Baustelle offen bleiben musste.

Die IG Bau fordert eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent. Die Bauarbeitgeber hatten zuletzt Tarifanhebungen um drei Prozent ab September und weitere 2,1 Prozent ab 1. April 2003 angeboten. Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisierte den Streik in einer "schrumpfenden Branche". Aus seiner Sicht seien in Deutschland die Löhne am Bau generell zu hoch, sagte Sinn einem Vorabbericht des Magazins "Focus Money" zufolge. Seiner Ansicht nach dürften die Bau-Beschäftigten im besten Fall einen Inflationsausgleich bekommen, sonst drohe Beschäftigungsabbau.

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