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IG Metall: Nicht nur Lohnkosten für Wettbewerbsfähigkeit wichtig

Nach der Einigung von VW und IG Metall über drastische Kostensenkungen bei Europas größtem Autobauer hat die Gewerkschaft davor gewarnt, den Sparkurs auf die Lohnkosten zu beschränken.

dpa-afx HANNOVER. Nach der Einigung von VW und IG Metall über drastische Kostensenkungen bei Europas größtem Autobauer hat die Gewerkschaft davor gewarnt, den Sparkurs auf die Lohnkosten zu beschränken. Die Lohnkosten machten in der Autoproduktion je nach Standort nur zwischen 16 und 18 Prozent des Umsatzes aus, sagte IG- Metall-Vize Berthold Huber der Branchenzeitung "Automobilwoche". Erhebliche Einsparpotenziale gebe es noch bei Modellentwicklung und Vertrieb.

Huber rief dazu auf, nach den langfristigen Vereinbarungen bei mehreren Autokonzernen sich nun "in Ruhe auf notwendige Innovationen zu konzentrieren." Die IG Metall in Hannover wies am Sonntag Darstellungen des "Spiegel" zurück, wonach die Vereinbarungen der Belegschaft deutliche größere Zugeständnisse abverlangten als bisher bekannt. Der Bericht sei fehlerhaft und einseitig, sagte ein IG- Metall-Sprecher.

Neueinsteiger Sollen Deutlich Geringer Bezahlt Werden ALS Alte Kollegen

Der Tarifabschluss soll an diesem Montag vom IG-Metall-Vorstand gebilligt werden. Die Partner hatten sich in der vorigen Woche auf eine Garantie für 103 000 VW-Arbeitsplätze bis 2011, Verzicht auf Lohnanhebungen für 28 Monate und eine einmalige Sonderzahlung von 1 000 Euro verständigt.

Neueinsteiger sollen deutlich geringer bezahlt werden als ihre alteingesessenen Kollegen. Auch die Vier-Tage-Woche soll für sie nicht mehr generell gelten, sondern ein Arbeitszeitkorridor von 28,8 bis 35 Stunden. Neue müssten gut 20 Prozent mehr arbeiten, um etwa so viel zu verdienen wie Alt-Beschäftigte, schrieb die "Frankfurter Rundschau".

BEI Einer Kündigung Tritt DER Alte Tarifvertrag Wieder IN Kraft

Die IG-Metall wies Darstellungen in verschiedenen Medien zurück, dass die Arbeitsplatzgarantie wegen einer Revisionsklausel in dem Tarifvertrag wenig wert sei. In dem Vertrag verpflichten sich die Tarifpartner "bei wesentlichen Änderungen der Grundannahmen oder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" zu einem Überprüfungsgespräch. Falls dieses scheitert und auch ein Schlichter keine Einigung erreicht, kann VW den Vertrag binnen drei Monaten kündigen.

Bei einer Kündigung tritt jedoch der vor der Vier-Tage-Woche geltende Tarifvertrag wieder in Kraft, der für das Unternehmen nach IG-Metall-Angaben sehr viel teurer ist. Schon deshalb werde die Klausel sicher nicht leichtfertig angewendet, sagte ein Sprecher. Die Gewerkschaft hatte den Wortlaut der Vereinbarungen bereits am vorigen Donnerstag verteilt.

IG Metall: MAN Muss DAS Gesamtergebnis Sehen

Zu einem Bericht des "Spiegel", wonach die Beschäftigten zusätzlich zum Verzicht auf Lohnanhebung und trotz der Einmalzahlung Einkommenseinbußen wegen eines Wegfalls von Bonuszahlungen hinnehmen müssten, meinte der IG-Metall-Sprecher, das habe nichts mit dem Tarifabschluss zu tun. Die Bonuszahlungen würden jeweils von Betriebsrat und Geschäftsführung ausgehandelt. Tatsächlich werde ein Bonus - in diesem Jahr waren es 1 500 Euro - im nächsten Jahr nicht gezahlt. "In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage wäre nicht zu erwarten gewesen, dass 2005 erneut ein Bonus vereinbart worden wäre", sagte der Gewerkschaftssprecher.

Im übrigen müsse man das Gesamtergebnis sehen. Es sei ein Kompromiss. Die IG Metall habe aber mehrere Forderungen der Arbeitgeber abwehren können und eine weitreichende Arbeitsplatzsicherung erreicht. Dies war die Kernforderung der Gewerkschaft. Das Unternehmen konnte eine Senkung der Arbeitskosten um jährlich eine Milliarde Euro ab 2006 durchsetzen.

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