IG Metall und Arbeitgeberverband uneinig
Tarifabschluss wird nicht bundesweit übernommen

Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall haben sich nach Angaben der Gewerkschaft nicht darauf verständigen können, den in Baden-Württemberg erreichten Tarifabschluss auch in allen andern Bezirken zu übernehmen.

Reuters/ap BERLIN. Es stehe bereits fest, dass die Metallarbeitgeber in Sachsen und Sachsen-Anhalt den Abschluss nicht übernehmen wollen, sagte IG Metall-Chef Klaus Zwickel am Freitag in Berlin laut Redetext. "Es gibt keinen Grund zu bundesweiter Entwarnung", sagte Zwickel dem Text zufolge. Strittig seien die vereinbarte Pauschalzahlung, Vereinbarungen bei den Ausbildungsvergütungen und die Laufzeit des Tarifvertrages.

IG Metall und Arbeitgeberverband Südwestmetall hatten sich am Mittwochabend auf Lohn- und Gehaltsanhebungen ab 1. Juni um vier Prozent für den Bezirk Baden-Württemberg geeinigt. Von Juni 2003 an gibt es eine weitere Erhöhung um 3,1 Prozent. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 22 Monaten. Der Tarifabschluss war am Donnerstag in weiten Teilen der Wirtschaft auf erhebliche Kritik gestoßen. Bei vielen Wirtschaftsverbänden und an den Finanzmärkten wurde die Abschlusshöhe aber als weitere Belastung des Arbeitsmarktes bezeichnet.

Sachsen-Anhalts Metall-Arbeitgeber übernehmen Pilotabschluss

Die Metall-Arbeitgeber von Sachsen-Anhalt wollen nun doch den in Baden-Württemberg erzielten Tarifabschluss mit Einschränkungen übernehmen. Es gehe dabei um "die materiellen Eckpunkte des Abschlusses in Baden-Württemberg", teilte der Vorsitzende des Landesverbandes der Metall- und Elektroindustrie, Jens-Peter Kreft, am Freitagnachmittag in Magdeburg zur den laufenden Tarifauseinandersetzung mit. Nötig seien jedoch "tarifliche Optionen" für kleinere Betriebe.

Kreft schränkte ein, dass die wirtschaftliche Situation in dem neuen Bundesland nicht mit der in Baden-Württemberg vergleichbar sei. Deshalb sei die Umsetzung des Pilotabschlusses "für eine Vielzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen" hier "betriebswirtschaftlich nicht realisierbar". Er erinnerte daran, dass die großen ertragsstarken Unternehmen ihren Sitz nicht in Sachsen-Anhalt haben. Hiesige Unternehmen hätten im Durchschnitt 76 Mitarbeiter, seien oftmals als Zulieferer tätig und hätten zumeist auch kein finanzstarkes Mutterunternehmen als Gesellschafter. "Um dieses Unternehmen und die Arbeitsplätze nicht zu gefährden, ist für die Übernahme des Pilotergebnisses unabdingbar, tarifliche Optionen zu schaffen", fügte Kreft hinzu. Unter Einbeziehung der Betriebsparteien sollten vom Tarifvertrag abweichende Regelungen geschaffen werden.

Notwendig sei es zudem, die Regelungen von Baden-Württemberg auf die Betriebsgrößen und Branchenstruktur der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalts anzupassen, sagte Kreft mit Blick vor allem auf die zukünftige Vereinheitlichung der Entgeltstrukturen.

Die IG Metall begrüßte das Einlenken der Arbeitgeber. "Wir gehen davon aus, dass der Tarifabschluss aus Böblingen nun eins zu eins in Sachsen-Anhalt anerkannt wird", reagierte Bezirksleiter Hartmut Meine. Der Gewerkschafter warnte: "Wenn die Arbeitgeber die Übernahme erneut in Frage stellen, gibt es massiven Ärger."

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