IG Metall-Vize Peters befürchet, die Vorreiterrolle in der Tarifrunde an die Chemiegewerkschaft zu verlieren
IG Metall drückt mit Ultimatum aufs Tempo

Die bundesweiten Warnstreiks in der Metallindustrie ab Montag sollen die Arbeitgeber zum schnellen Tarifabschluss zwingen. In zwei Wochen soll klar sein, ob eine Lösung am Verhandlungstisch gelingt.

BERLIN. Die IG Metall stellt sich darauf ein, dass sie wie schon in der Tarifrunde 2000 die Vorreiterrolle der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) überlassen muss. "Die IG BCE will ganz offensichtlich in dieser Tarifrunde die erste Lohnzahl in die Welt setzen", sagte IG Metall-Vize Jürgen Peters dem Handelsblatt. "Ob das hilfreich ist, werden wir sehen". Sollte eine Zahl "jenseits von gut und böse" herauskommen, dann werde das die IG Metall-Mitglieder nur zusätzlich anstacheln, warnte er.

IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt hatte kürzlich unter Verweis auf das Bündnis für Arbeit für einen moderaten Tarifabschluss plädiert. Seine Gewerkschaft fordert 5,5 % mehr Lohn und Gehalt, ein Prozent weniger als die IG Metall. Nach der ersten zentralen Verhandlungsrunde am 9. April wollen die Chemie-Tarifparteien voraussichtlich am 17. und 18. April zwei Tage am Stück verhandeln. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BAVC, Rüdiger Erkel, zeigte sich optimistisch. Es gebe die Chance auf "vernünftige Lösungen", sagte er. Im Jahr 2000 hatten IG BCE und BAVC bei solch einem Doppeltermin den ersten Abschluss der Tarifrunde erzielt. Dieser hatte maßgeblich zu den insgesamt moderaten Lohnerhöhungen geführt, zugleich aber bei der IG Metall, die sich traditionell als tarifpolitischer Vorreiter versteht, heftigen Unmut ausgelöst.

Peters wirft Metallarbeitgebern Verzögerung vor

IG Metall-Vize Peters warf denn auch den Metallarbeitgebern vor, die Verhandlungen absichtlich zu verzögern. "Wir sprechen schon seit zehn Jahren über einen gemeinsamen Entgeltrahmen für Arbeiter und Angestellte (Era). Die Aussage der Arbeitgeber, dass man dazu noch viele Verhandlungsrunden braucht, ist nicht sehr glaubwürdig". Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser erwartet indes, dass der Tarifkonflikt der Metallindustrie frühestens Ende April die "Zielgerade" erreicht.

Für die IG Metall ist das zu spät. "Nach der dritten Aprilwoche muss definitiv klar sein, ob diese Tarifrunde schiedlich friedlich über die Bühne geht oder ob wir die Arbeitgeber zu einem vernünftigen Kompromiss zwingen müssen", sagte Peters. Er warnte die Arbeitgeber, bei weiterem Zuwarten werde sich der Frust der Beschäftigten nur umso heftiger entladen. Zugleich betonte er den Willen der IG Metall, den Tarifkonflikt am Verhandlungstisch zu lösen. Dass sich die Gewerkschaft auf einen Streik vorbereite, bedeute noch lange nicht, dass sie ihn wolle.

IG-Metall sieht sich unter Zeitdruck

Die IG Metall sieht sich in der laufenden Tarifrunde unter erheblichem Zeitdruck. Sollte sich der Konflikt zuspitzen, rechnet sie damit, dass ein Abschluss noch lange dauern kann. Mit Blick auf die wachsende Ungeduld der Beschäftigten und den Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern ab Mitte Juni drückt sie deshalb aufs Tempo. "Viele Funktionäre machen Druck, schon weit vor Ende April die Weichen zu stellen", erläuterte Peters. Er äußerte sich skeptisch, dass statt der Urabstimmung zunächst ein Schlichter angerufen werde. "Ich bezweifle, dass eine Schlichtung bei dem komplizierten Thema Era Sinn macht", sagte er.

Entschieden wies Peters die Einschätzung zurück, ein niedriger Tarifabschluss könne Bundeskanzler Gerhard Schröder im Wahlkampf helfen. "Das Gegenteil ist richtig. "Deutliche Lohn- und Gehaaltserhöhungen bringen nicht nur unseren Leuten mehr Geld ins Portemonnaie. Sie sind auch ein dringendst notwendiger Beitrag zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur." Auch auf das Wahlverhalten der Beschäftigten würde sich ein "ordentlicher Tarifabschluss" positiv auswirken.

Unternehmen wirtschaftlich unter Druck setzen

Peters kündigte an, die ab Montag einsetzende bundesweite Warnstreikwelle werde die Unternehmen wirtschaftlich unter Druck setzen. Es gehe um weit mehr als symbolische Aktionen. In der Woche ab dem 15. April werde es eine zweite, heftigere Warnstreikwelle geben. Wie viele Beschäftigte dazu aufgerufen sind und wo die Schwerpunkte liegen, wollte Peters nicht sagen. Auch gestern kam es wieder zu Warnstreiks. Betroffen waren rund 50 Betriebe in Nordrhein-Westfalen, in Bayern gingen nach IG Metall-Angaben 20 000 Metaller auf die Straße.

Zu möglichen Kompromissen der IG Metall wollte sich Peters nicht äußern. Dies geschehe allein am Verhandlungstisch. Er stellte klar, dass es keine zentralen Tarifverhandlungen geben werde.

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