IG-Metall-Vorstand gibt grünes Licht für Arbeitskampf in Baden Württemberg
Streiks der Metaller beginnen bei Daimler-Chrysler

Der erste Arbeitskampf in der Metall- und Elektroindustrie seit sieben Jahren ist beschlossene Sache. Wie erwartet gab der Vorstand der IG Metall grünes Licht für Streiks ab kommenden Montag in Baden-Württemberg.

huh/ajo BERLIN/STUTTGART. Wann der Arbeitskampf in Berlin und Brandenburg startet, will die Gewerkschaft zu einem späteren Zeitpunkt festlegen. "Unser Ziel ist es, nach Streikbeginn möglichst schnell zu einem akzeptablen Tarifabschluss zu kommen", sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Er forderte die Arbeitgeber auf, unverzüglich ein neues Angebot vorzulegen. Die IG Metall sei dann offen für neue Gespräche. Die Arbeitgeber hat bisher 3,3 % mehr Lohn geboten, die IG Metall fordert 6,5 % und peilt "eine Vier vor dem Komma" an.

Nach Baden-Württembergs Bezirksleiter Berthold Huber schloss gestern auch Zwickel eine Schlichtung nicht aus. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es allerdings "nichts zu schlichten". Die Tarifparteien müssten zunächst versuchen, den Konflikt selbst zu lösen.

Metallarbeitgeberchef Martin Kannegiesser bezeichnete den Arbeitskampf in einem Brief an die Mitgliedsunternehmen von Gesamtmetall als aufgezwungen. "Wir konnten und wollten uns mit der Drohung eines Streik nicht erpressen lassen", erläuterte er, warum die Verhandlungen scheiterten. Weiter heißt es in dem Schreiben, Gesamtmetall verzichte darauf, die Aussperrung offensiv zu nutzen. Nicht bestreikte Unternehmen würden ihre Mitarbeiter nicht aussperren. Allerdings habe jeder bestreikte Betrieb die freie Wahl zu schließen, sollte dies wirtschaftlich nötig sein. Der Arbeitgeberverband werde dann finanzielle Unterstützung leisten. Kannegiesser appellierte an seine Unternehmerkollegen, ihre Belegschaften auch in schweren Zeiten zu halten und keine Entlassungen vorzunehmen.

Der Arbeitskampf soll am Montag in 21 Betrieben in Baden-Württemberg beginnen, darunter Daimler-Chrysler und Porsche. In den darauf folgenden Tagen sollen weitere Betriebe einbezogen werden. Dabei setzt die IG Metall auf tageweise Streiks, um Fernwirkungen auf Zulieferer und Kunden möglichst gering zu halten. "Das Streikkonzept unterstreicht den Willen der IG Metall, mit dem Mittel des Arbeitskampfes behutsam und verantwortungsvoll umzugehen", sagte IG Metall-Vize Jürgen Peters.

Bei Daimler-Chrysler soll in den drei großen Pkw-Werken Sindelfingen, Rastatt und Untertürkheim die Arbeit niedergelegt werden. Den Stuttgarter Konzern mit seinen rund 160 000 Beschäftigten im Inland würde ein Prozent mehr Lohn und Gehalt rund 70 Mill. Euro kosten. Das Daimler-Chrysler-Werk in Ludwigsfelde, wo die Großraumlimousine Vaneo gebaut wird, soll am 13. Mai bestreikt werden. Wie es aus Konzernkreisen heißt, könnte an diesen beiden Tagen die Produktion von insgesamt 3 000 Fahrzeugen ausfallen.

Schon jetzt habe Daimler-Chrysler seine Lieferanten informiert, um ein Verkehrschaos rund um Stuttgart zu vermeiden. In der Automobilproduktion sind die Läger klein. Die Zulieferer liefern nur mit einer geringen Vorlaufzeit direkt an das Band an. Allein im Werk Sindelfingen bringen rund 4 000 Lastwagen pro Tag Teile. Die Betriebsräte hätten mit den Werksleitungen Notdienste in kritischen Produktionsbereichen wie der Gießerei und den IT-Diensten vereinbart.

Bei ihren Streikaufrufen muss die IG Metall wegen der vielen Feiertage im Mai vorsichtig sein. Hintergrund ist der sogenannte Bummelparagraf des Entgeltfortzahlungsgesetzes. Er sieht vor, dass ein Arbeitnehmer den Anspruch auf Bezahlung an einem Feiertag verliert, wenn er unentschuldigt am Tag vor oder nach dem Feiertag der Arbeit fernbleibt. Die IG Metall will dies dadurch umgehen, dass sie beispielsweise am Mittwoch und Freitag nächster Woche nur zu zeitlich beschränkten Streiks aufruft.

In Berlin und Brandenburg äußerten sich die Arbeitgeber "nicht überrascht", dass sie von den Streiks diese Woche verschont bleiben. Die Urabstimmung habe gezeigt, dass die IG Metall nur geringen Rückhalt unter den Beschäftigten genieße. So hätten sich nur 14 700 der insgesamt 99 000 Metall-Arbeitnehmer an dem Votum über einen Arbeitskampf beteiligt.

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