IG Metall weitet Streiks aus
Die Tarifrunde kommt in ihre entscheidende Phase

Eine Wiederaufnahme der am 19. April abgebrochenen Verhandlungen für die bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche ist bisher nicht in Sicht. Gleichzeitig steuern auch die Tarifkonflikte im Baugewerbe und in der Druckindustrie auf ihre entscheidene Phase zu.

dc HB DÜSSELDORF. Bei Metall sind zu Beginn der zweiten Streikwoche im Südwesten 53  000 Beschäftigte in 13 Betrieben zum Arbeitskampf aufgerufen. In der Vorwoche hatten nach IG-Metall-Angaben 100  000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. In Berlin und Brandenburg sind für diese Woche 10  000 Beschäftigte in 25 Betrieben zu jeweils eintägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die IG Metall will die Arbeitgeber zwingen, ein Lohnangebot von merklich über 3,3 % vorzulegen.

Im Baugewerbe läuft am Dienstag die Schlichtung unter Leitung des CDU-Politikers Heiner Geißler an. Obwohl für die Beschäftigten der an den Flächentarifvertrag gebundenen Betriebe während der zweiwöchigen Schlichtungsphase Friedenspflicht gilt, will die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) nicht auf Streikmaßnahmen verzichten: Sie will die Gespräche mit Aktionen in nicht tarifgebundenen Betrieben begleiten. Die regulären Verhandlungen über die Löhne der insgesamt 950 000 Baubeschäftigten waren am 3. Mai gescheitert. Die IG Bau verlangt 4,5 % mehr Lohn, die Arbeitgeber haben noch kein Lohnangebot gemacht.

In der Druckindustrie mit ihren 220 000 Beschäftigten ist die für Dienstag angesetzte fünfte Verhandlungsrunde von zentraler Bedeutung: Nachdem ein Einigungsversuch Mitte vergangener Woche gescheitert war, droht nach Angaben aus Verhandlungskreisen der Gewerkschaft Verdi eine weitere Eskalation des Konflikts, sollte auch diesmal keine Einigung gelingen. Noch liegt zwischen dem Arbeitgeber-Angebot von 2,8 % mehr Lohn und dem "Mindestanspruch" der Gewerkschaft eine Differenz von fast einem Prozentpunkt. Bereits die morgigen Verhandlungen sollen erneut mit Warnstreiks in Druckereien begleitet werden.

Schon am Montag beginnen in Hamburg die Tarifverhandlungen für die 220 000 Angestellten der privaten Versicherungswirtschaft. Verdi fordert 6,5 % mehr Geld, außerdem Weiterbildungsansprüche und Regelungen zur Riester-Rente - die Versicherungen sind eine der wenigen Branchen, für deren Personal es noch keinen auf die Rentenreform abgestimmten Altersvorsorgetarifvertrag gibt. Das Klima ist zudem durch einen Streit der Tarifparteien über die Pläne von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) belastet, die den Versichertenkreis der gesetzlichen Krankenkassen zu Lasten der privaten Versicherer ausweiten will. Die Arbeitgeber sind verärgert, weil Verdi dies unterstützt.

Ebenfalls am Montag gehen die Tarifverhandlungen des Einzelhandels im mit 440 000 Beschäftigten größten Bezirk Nordrhein-Westfalen in die zweite Runde. Laut Verdi-Verhandlungsführer Gerhard Keuchel wird sich heute entscheiden, "ob wir auch im Einzelhandel NRW streiken müssen". Verdi verlangt, die Tarifentgelte zunächst pauschal um 50 Euro und auf dieser Basis dann um 3,7 % zu erhöhen. Davon sollen die unteren Lohngruppen überdurchschnittlich profitieren, die Arbeitgeber beziffern das Volumen dieser Forderung auf rechnerische deutlich über 6 %.

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