IG Metall will schon nächste Woche Abschluss erzielen
Zwickel peilt Einigung an

Im Tarifkonflikt der Metallindustrie zeichnet sich überraschend eine schnelle Einigung ab. Der Chef der IG Metall, Klaus Zwickel, sieht bereits die entscheidende Verhandlungsphase erreicht.

BERLIN. Der Tarifkonflikt der Metallindustrie steuert auf einen Durchbruch zu. Trotz fortgesetzter massiver Warnstreiks gehen die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall davon aus, dass bereits in der nächsten Woche ein Pilotabschluss gelingen könnte. "Die Tarifrunde ist so weit vorangetrieben, dass man sie in den nächsten Tagen lösen kann", sagte IG Metall-Chef Klaus Zwickel. Die Verhandlungen über Löhne und Gehälter für die 3,6 Mill. Beschäftigten der Branche hätten die entscheidende Phase erreicht. Auch Gesamtmetall hält einen Durchbruch in der kommenden Woche für möglich. Das sei nicht ausgeschlossen, sagte Geschäftsführer Hans Werner Busch dem Handelsblatt.

Während bisher der Einstieg in einen gemeinsamen Entgelttarifvertrag für Arbeiter und Angestellte (Era) im Mittelpunkt der Verhandlungen stand, will die IG Metall ab Montag das Gesamtvolumen des Abschlusses auf die Agenda setzen. Sie fordert 6,5 %, die Arbeitgeber haben bisher jeweils 2 % für dieses und das nächste Jahr geboten.

Vorreiter im Poker um den Pilotabschluss ist der Tarifbezirk Baden-Württemberg. Nach der Verhandlungsrunde am kommenden Montag ist bereits für Mittwoch die nächste Zusammenkunft angesetzt. Der Rest der Woche wurde vorsorglich für weitere Treffen freigehalten. "Ab Montag wird sich zeitnah entscheiden, ob wir eine friedliche Lösung finden", sagte der Leiter der IG Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart, Jürgen Stamm.

Parallel verhandelt auch die chemische Industrie. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und die Arbeitgeber halten bei ihrer nächsten Runde am 17./18. April ebenfalls einen Abschluss für möglich. Damit ist ein Wettlauf zwischen IG Metall und IG BCE um die erste Lohnzahl dieser Tarifrunde programmiert, auch wenn beide Gewerkschaften dies von sich weisen.

Dem Wunsch von Kanzler Gerhard Schröder nach einer schnellen Tarifrunde ohne eskalierenden Arbeitskampf kommt diese Entwicklung entgegen. Schröder will unbedingt vermeiden, dass sein Wahlkampf durch streikende Metaller und neuen Risiken für den Aufschwung überschattet wird. Die IG Metall habe den Willen zu einer friedlichen Einigung, sagte er nach einem Treffen mit deren Vorstand.

Hintergrund der überraschenden Wende sind die Fortschritte, die IG Metall und Arbeitgeber bei Era erzielt haben. Beide Seiten hatten diesen Teil der Verhandlungen als den schwierigsten bezeichnet. "Ich hätte mir den jetzt erreichten Stand vor acht Wochen nicht vorstellen können", sagte Zwickel. Auch Busch betonte, dass bei weiteren Fortschritten ein "erstes Abhaken" von Era möglich sei.

Auf die Drohung mit einem Arbeitskampf will Zwickel trotzdem nicht verzichten. Wenn bis Freitag nächster Woche kein Ergebnis gelinge, dann werde die IG Metall die Verhandlungen für gescheitert erklären und die erforderliche Urabstimmung einleiten. Die Arbeitgeber forderte er auf, ein verbessertes Angebot zu machen. Diese jedoch lehnen die offizielle Vorlage eines weiteren Angebots ab. Auch gestern beteiligten sich rund 100 000 Metaller im ganzen Bundesgebiet an Warnstreiks.

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