Ignatjew beschuldigt Institute der Geldwäsche
Zentralbankchef greift russische Kreditinstitute scharf an

Der russische Zentralbankchef hat die Geldhäuser seines Landes offen der Geldwäsche bezichtigt. Bis zu 5 Mrd. $ hätten Finanzinstitute im vorigen Jahr angeblich für Marketing ins Ausland überwiesen, sagte der seit erst gut einem Jahr amtierende Sergej Ignatjew.

mbr MOSKAU. Der russische Zentralbankchef hat die Geldhäuser seines Landes offen der Geldwäsche bezichtigt. Bis zu 5 Mrd. $ hätten Finanzinstitute im vorigen Jahr angeblich für Marketing ins Ausland überwiesen, sagte der seit erst gut einem Jahr amtierende Sergej Ignatjew. Dies sei "absurd", warf er den Kreditinstituten auf der Tagung der russischen Bankenvereinigung (ARB) in Moskau vor. Das könne nur heißen, "dass Bankmanager kriminelle Gelder legalisieren wollten, Geld außer Landes schaffen oder die Steuerbehörden betrügen".



Ignatjews Kritik bestätigt das verheerende Zeugnis, das westliche Experten dem russischen Bankwesen ausgestellt haben: So warnt die Ratingagentur Standard & Poor?s davor, dass die Qualität der Kredite russischer Banken heute so schlecht sei wie vor dem Zusammenbruch des russischen Finanzmarktes im Herbst 1998. Das Fachblatt "Euroweek" hält russische Banken sogar für "Front-Organisationen russischer und internationaler Mafia-Syndikate".

Die Aussagen Ignatjews belegen diese Befürchtungen. 20 der 100 größten von der Zentralbank auf ihre Renditen untersuchten russische Banken seien mit den von Ignatjew kritisierten Methoden aufgefallen. Das Problem: Die russischen Banken können ihre Marketingausgaben von der 24 %igen Profitsteuer abziehen. Entsprechend verlockend sei diese Methode, meinen Experten. Die Zentralbank wolle jetzt zusammen mit dem Finanzministerium dieses Schlupfloch stopfen und die betroffenen Banken nicht zum geplanten Einlagensicherungsfonds zulassen, wurde beim ARB angekündigt. Die durchschnittliche Rentabilität russischer Geldhäuser liegt laut Ignatjew bei 18 % des eingesetzten Kapitals, in der Industrie bei 8 %. "Mindestens 8 der Top-100-Banken" hätten aber weniger als 3 % Gewinn ausgewiesen.



Doch dies zu messen, sei kompliziert, meint Richard Hainsworth, Bankenexperte bei RusRating: "Es ist schwer zu sagen wie viel Kapital bei russischen Banken echt ist." Darauf weist auch Peter Kölle hin, der bei der Hypo-Vereinsbank für Russland zuständig ist. Ein Großteil des Kapitals russischer Institute sei "rein virtuell". So brächten Banken beispielsweise Computer über zypriotische Offshore-Gesellschaften ins Grundkapital ein. Deshalb mache es keinen Sinn, russische Banken nach westlichen Kriterien zu bewerten: Westliche Standards sagten in Russland nichts aus, gibt auch Wadim Adlerberg von der russischen Stroikreditbank zu. Von den 1 331 russischen Banken haben nach Angaben von Oleg Tumanow von der Moskauer Alfa-Bank, dem größten privaten Kreditinstitut des Landes, nur 133 ein Kapital von mehr als 10 Mill. $. Nur 108 verfügen über mehr als 100 Mill. $ Kapital.

Russland war erst im vergangenen Jahr von der Liste der Geldwäsche verdächtigten Staaten gestrichen worden. Zuvor war auch die Zentralbank selbst durch dubiose Kapitalflucht und Verschleierung russischer Staatsgelder mittels umstrittener Konten in Steueroasen aufgefallen. Die Zentralbank sei aber auch aus noch anderen Gründen mit Schuld am miserablen Zustand des Bankensystems: Es sei doch ein "Unding, dass die Zentralbank immer noch Eigentümer der größten kommerziellen russischen Bank, der Sberbank, ist", kritisiert Christof Rühl, Chefökonom der Weltbank in Moskau: "Eine Überwachung ist damit unmöglich."

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