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Stichwort: Euro-Gehaltsscheck

Kurz vor der Umstellung auf den Euro wird über vieles diskutiert: versteckte Preiserhöhung und Kriminalitätsschub, Fragen der Software und der menschlichen Psyche. Eine wichtige Frage wird dabei nur verdeckt gestellt: Welche Auswirkung hat die Einführung eigentlich auf mein Gehalt?

DÜSSELDORF. Eine Antwort ist zunächst einmal offensichtlich. Das Gehalt wird im Verhältnis 1 Euro zu etwa 1,96 DM umgerechnet und wie bisher ausgezahlt. Da alle anderen Waren und Dienstleistungen im gleichen Verhältnis umgerechnet werden, dürfte dies theoretisch keinen Effekt auf die Lebenshaltungskosten haben. Die Währungsumstellung wir also kein neues Argument in Gehaltsverhandlungen liefern.

Kontext Europa

Ein anderer Effekt wird langfristig zu interessanten Perspektiven führen. Der Euro versetzt uns erstmals in die Lage, nicht nur Preise in verschiedenen Ländern miteinander zu vergleichen, sondern auch Löhne und Gehälter. Zwar konnte man bisher auch über die Devisenkurse umrechnen. Durch die unterschiedlichen Währungen hielt sich der Eindruck, dass der Vergleich nicht zulässig war, denn es handelte sich um ein anderes Land mit einer anderen Währung, Kaufkraft, Besteuerung und Sozialversicherung. Diese psychologische Barriere fällt durch den Euro. Der Vergleich wird zahlenmäßig leichter möglich, obwohl sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert hat.

Für Nachwuchskräfte, die ihre Zukunft auch im europäischen Ausland sehen, wird der Arbeitsmarkt ein Stück transparenter. Angebote lassen sich jetzt schnell nebeneinander legen und vergleichen. Diese Vergleiche stellen allerdings nur einen Teil der Wahrheit dar: Die Firmen weisen ihre Gehälter brutto aus und führen dann Steuern und Abgaben ab. Was den Arbeitnehmer natürlich mehr interessiert, ist die Nettoauszahlung - und dort gibt es in Europa nach wie vor trotz des Euro erhebliche Unterschiede.

Einige Faustregeln für den Vergleich von Gehaltsniveaus:

Die Lebenshaltungskosten in den Euro-Metropolen sind ähnlich hoch. Paris ist sicherlich etwas höher anzusiedeln als Berlin, Brüssel oder Amsterdam, vor allem wegen der Mietkosten, aber die Unterschiede sind nicht mehr so signifikant wie noch vor Jahren. Die in Vergangenheit sehr üppigen Entsendungspakete haben die Unternehmen deshalb deutlich zurückgefahren.

Die Bruttoverdienste liegen nicht mehr sehr weit auseinander. Gehälter in Frankreich, Belgien, Deutschland sind etwas höher als zum Beispiel in den Niederlanden, Italien oder Spanien.

Die Nettoverdienste fallen je nach Steuern und Sozialabgaben sehr unterschiedlich aus. In Belgien sind die Belastungen relativ hoch. Deutschland, die Niederlande und Italien liegen etwa in der Mitte, während in Frankreich die Belastung am niedrigsten ausfällt.

Fazit

Durch die Euro-Einführung wird eine Transparenz am europäischen Arbeitsmarkt geschaffen, die es bisher nicht gab. Dennoch: Die unterschiedlichen Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge werden uns noch auf absehbare Zeit das Leben erschweren. Die Unternehmen werden sich den Euro zunutze machen und in ihrer Gehaltspolitik internationaler werden, um auf dem europäischen Markt attraktiv zu sein. Sie wollen Kräfte halten, die bereits im Unternehmen sind und sich international orientieren, aber auch Neue rekrutieren. Trotz der Unsicherheit, die mit der Einführung verbunden sein mag, ist der Euro ein Katalysator für internationale Karrieren, weil er ein kleines Stück mehr Transparenz im europäischen Flickenteppich bietet. Weitere Schritte werden unweigerlich folgen, dennoch wird Europa auch mit dem Euro eine Region mit großer Vielfalt bleiben. Aber genau das macht Europa ja im Vergleich zu anderen Regionen interessant.

Der Autor ist Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Towers Perrin in Frankfurt.

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