IKB-Krise
Postenschacher mit Dame

Es muss jetzt einfach mal gesagt werden: Peer Steinbrück (SPD) und Michael Glos (CSU) sind Mitglieder derselben Bundesregierung. Darauf wären Sie jetzt nicht gekommen? Macht nichts, der Finanz- und der Wirtschaftsminister können sich selbst ja kaum daran erinnern.

BERLIN. Der schwarz-roten Bundesregierung jedenfalls droht Ungemach. Am 27. März ist Hauptversammlung bei der IKB, und viele Kleinaktionäre der Mittelstandsbank wollen dann bei den Großaktionären auf Schadenersatz drängen für den Wertverlust, den sie erlitten haben, seit sich die IKB mit faulen US-Immobilienkrediten verspekulierte. IKB-Großaktionär ist mit 43 Prozent die staatliche KfW-Bankengruppe, in deren Verwaltungsrat sich wiederum Steinbrück und Glos im Vorsitz abwechseln. Wenn jetzt also auf der Hauptversammlung neben dem geschassten Vorstand der IKB auch der Aufsichtsrat nicht entlastet würde, hätten Anwälte mit Sammelklagen von Kleinaktionären gegen die KfW und die Regierung wohl gute Karten.

Selbstverständlich also wird die Bundesregierung den IKB-Hauptaktionär KfW anweisen, für die Entlastung der Aufsichtsräte zu stimmen - oder? Mit acht Mrd. Euro war die IKB-Rettung schließlich ohnehin nicht gerade billig. Seit Oktober bereits gibt es bei der IKB ein Gutachten, dass die Verantwortung für die Krise allein dem alten Bank-Vorstand zuweist: Der habe den Aufsichtsrat über das Ausmaß des Desasters belogen. Doch die scheinbar selbstverständliche Anweisung des Bundes an KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier (SPD), für die Entlastung der Aufsichtsräte zu stimmen - es gibt sie nicht. Glos knüpft sie an immer neue Bedingungen: Er könne ja nicht wirklich beurteilen, was 2007 - als Steinbrück KfW-Verwaltungsratschef war - so alles vorgefallen sei. Er brauche weitere Prüfungen. Seit Wochen schwirren Gerüchte durch Berlin, dass IKB-Aufsichtsrat Jörg Asmussen, Abteilungsleiter bei Steinbrück, entweder viel mehr gewusst haben müsse oder unfähig für den Job gewesen sei.

Als Urheber der Gerüchte haben Steinbrücks Leute Glos und seinen Staatssekretär Walther Otremba im Verdacht. Steinbrück verlangte gar schon im Bundestag, die Union möge doch ihn angreifen und nicht seinen Beamten. Der CDU/CSU, heißt es im Finanzministerium, gehe es nur darum, dass der Vertrag der KfW-Chefin nicht verlängert wird und die Union ab 2009 den Posten besetzen kann. Und: Ohne all die Intrigen bei Glos hätte man sich doch längst informell auf einen Nachfolger einigen können.

Glos? Leute dementieren jede Intrigenabsicht allerdings eifrig: "Herr Asmussen ist einer der fähigsten Beamten, die ich kenne", sagt Otremba. "Ich war ja selbst vor Jahren an seiner Anstellung im Finanzministerium beteiligt." Überhaupt: Die Cheffrage bei der KfW stelle sich doch erst im Herbst. Die Gewinnerin im Postenschacher dürfte dann wohl die Dame sein: Weil die SPD ihre Frau an der KfW-Spitze durch die Union bedroht sieht, schließt sie gerade die Reihen um sie. Ganz fest.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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