IKRK arbeitet wieder: Auch Krankenhäuser in Bagdad geplündert

IKRK arbeitet wieder
Auch Krankenhäuser in Bagdad geplündert

Plünderer haben in der weitgehend von US-Truppen eingenommenen irakischen Hauptstadt Bagdad auch Krankenhäusern geplündert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete am Donnerstag, das El-Kindi-Krankenhaus, in dem hunderte Verletzte der jüngsten Bombenangriffe liegen, sei von Plünderern heimgesucht worden. Dringend benötigtes Krankenhauspersonal traue sich nicht mehr, Wohnungen und Häuser zu verlassen und zur Arbeit zu gehen.

HB/dpa GENF. "Die WHO steht bereit, dringend benötigtes chirurgisches und medizinisches Material nach Bagdad zu liefern. Das geht aber nur, wenn sich die Sicherheitslage bessert", erklärte ein WHO-Sprecher.

Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nahmen hingegen ihre Arbeit in Bagdad wieder auf. "Sie machen dies in beschränktem Maße, soweit es die Sicherheitslage zulässt", sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in Genf. Nach dem Beschuss eines IKRK- Konvois am Dienstagabend hatte die Organisation ihre Arbeit in den Krankenhäusern und bei der Wasserversorgung zunächst eingestellt.

Eine IKRK-Sprecherin bestätigte am Mittwochabend, dass der nach einer Schießerei in Bagdad vermisste kanadische IKRK-Delegierte tot ist. Es sei aber nicht direkt auf die beiden gekennzeichneten Fahrzeuge des IKRK gezielt worden. Bei dem Feuerwechsel waren zwölf weitere Menschen ums Leben gekommen.

Nach wie vor ist die Wasserversorgung in Bagdad und vor allem in den mit Bombenopfern überfüllten Krankenhäusern kritisch. Die WHO berichtete, dass zum Beispiel der Krankenhauskomplex Medical City stark unter Wassermangel leide. Dadurch werde es fast unmöglich, die Verwundeten medizinisch zu versorgen. Auch die Techniker kämen derzeit kaum in der Stadt vorwärts, um Wasserleitungen zu reparieren. Dennoch versuchten IKRK-Helfer, Wassertanks aufzufüllen und die Wasseraufbereitung in Gang zu bringen. Im Süden bei Basra gelinge es wieder, die Wassertanks zu füllen, sagte Westphal.

Das IKRK ist mit sechs ausländischen Vertretern seit Beginn des Krieges im Irak. Balthasar Staehelin, Beauftragter des IKRK für den Nahen Osten, spricht von einer "verzweifelten Situation" für viele Menschen in Bagdad. In einem Interview mit dem in Zürich erscheinenden "Tages-Anzeiger" warnte er vor allem vor dem Niedergang der öffentlichen Ordnung und vor Plünderungen. "Im Süden erleben wir den zunehmenden Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung", sagte Staehelin. Plünderer stählen ganze Rohrleitungen und schleppten Generatoren fort. "Das rührt an den Lebensnerv der Bevölkerung", sagte der IKRK-Vertreter.

In Berlin sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, die humanitäre Lage im Irak sei auch nach dem Fall Bagdads weiterhin sehr unübersichtlich. Angesichts der mangelnden Stabilität im Land sei die Gefahr für die Helfer noch zu groß. Es werde noch dauern, bis humanitäre Hilfe geleistet werde könne. UNHCR-Sprecher Kris Janowski sagte im Deutschlandfunk, seine Organisation sei aber vorbereitet und warte in den Nachbarländern des Irak darauf, zum Einsatz zu kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%