Iliescu will wieder Präsident werden
Niederlage für Regierungsparteien in Rumänien erwartet

ap BUKAREST. Ohne große Hoffnung auf eine Überwindung der Dauerkrise sind die Rumänen am Sonntag zur Parlaments- und Präsidentenwahl gegangen. Bis zum Mittag war die Wahlbeteiligung nur weniger als halb so hoch wie vor vier Jahren. Allgemein wurde mit einer Niederlage für die Parteien der Mitte gerechnet, denen Misserfolge im Kampf gegen Armut und Kriminalität vorgeworfen werden. Auftrieb spürten hingegen die linksgerichtete Partei der Sozialen Demokratie (PDSR) sowie nationalistische Kräfte.

Die Entscheidung über die Nachfolge von Präsident Emil Constantinescu fällt voraussichtlich erst in einer Stichwahl am 10. Dezember, da keinem der zwölf Bewerber eine absolute Mehrheit schon am Sonntag zugetraut wurde. Die besten Chancen wurden dem früheren Präsident Ion Iliescu eingeräumt, der seine politische Karriere in der Kommunistischen Partei begann und der in letzten Umfragen mit 38 % in Führung lag. Auf Platz zwei folgte mit 21 % der Stimmen der nationalistische Politiker Corneliu Vadim Tudor, der wiederholt mit verbalen Attacken auf Roma und andere Minderheiten aufgefallen war.

Iliescu gilt als Vaterfigur für Arbeiter und Bauern

Iliescu gilt als Vaterfigur für Arbeiter und Bauern sowie für ehemalige Funktionäre der Ceausescu-Ära. Der 70-jährige war bereits von 1990 bis 1996 Präsident. Bei seiner Stimmabgabe am Sonntag sagte er: "Es ist an der Zeit, eine wichtige Seite in der Zeitgeschichte umzublättern." Iliescu hat sich gegen weitere Privatisierungen und für einen "würdigen" Beitritt zur EU und in die NATO ausgesprochen.

Bei der Wahl zum Parlament bewarben sich 64 Parteien um die Gunst der 17,7 Mill. Wahlberechtigten. Hier wurde erwartet, dass Iliescus PDSR mit etwa 41 % der Stimmen zur stärksten politischen Kraft wird. Danach folgte in den Umfragen die Großrumänien-Partei (PRM) Tudors mit etwa 19 %. Den fünf Parteien der bisherigen Mitte-rechts-Regierung wurden hohe Stimmenverluste vorhergesagt. Für den Einzug in eine der beiden Kammern des Parlaments gilt eine Fünf-Prozent-Hürde.

Die Inflation in Rumänien erreicht das zehnte Jahr in Folge zweistellige Raten, in diesem Jahr liegt die Teuerungsrate bei etwa 40 %. Das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt 2,5 Mill. Lei (233 DM). Die Arbeitslosigkeit liegt bei elf Prozent und wäre bei Schließung unrentabler Staatsunternehmen noch höher.

Erste Prognosen der Wahlergebnisse wurden nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr (MEZ) erwartet.



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