„illbruck“ in 123 Tagen um die Welt
Erster deutscher Ocean-Race-Sieg

In einem nervenaufreibenden Flautenpoker beim großen Finale haben sich die Segler auf der "illbruck" die Trümpfe nicht mehr aus der Hand nehmen lassen und ihren Siegeszug rund um die Welt mit dem ersten Triumph eines deutschen Bootes im Ocean Race gekrönt.

dpa KIEL. Nach 123 Tagen auf hoher See schrieben die Leverkusener gut neun Monate nach dem Startschuss des Meeresmarathons mit ihrem in Kiel vollendeten Gesamterfolg das vielleicht wichtigste Kapitel in der deutschen Hochseesegel-Geschichte. "Ein Traum ist wahr geworden", jubelte Eigner Michael Illbruck, der rund 20 Millionen Euro in die Kampagne investiert hatte und für seinen Mut belohnt wurde.

50 000 Menschen feierten am Sonntag die stolzen Sieger überschwänglich. Mit Platz 2 hinter der "Djuice" (Norwegen) auf der letzten der neun Etappen, die vom schwedischen Göteborg über die Ostsee in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt führte, hielt die "illbruck" am Wochenende im Endspurt den einzig verbliebenen Verfolger, "Assa Abloy" (Schweden), bei Schwachwind souverän in Schach. In eindrucksvoller Manier holte sich das Team von US-Skipper John Kostecki im härtesten und schwersten Segelrennen der Welt, das am 23. September 2001 im britischen Southampton begonnen hatte, den symbolträchtigen Kristallpokal "Fighting Finish".

Das mit Segel-Profis aus fünf Ländern besetzte Boot schaffte auf den 32 700 Seemeilen - umgerechnet 60 560 km - in neun Etappen über vier Ozeane gleich vier Siege. "Das ist der helle Wahnsinn", jubelte der Münchner Tony Kolb, einziger deutscher Segler an Bord der grün- weißen High-Tech-Yacht, am Ende der langen Reise. "Ich hoffe, dass der Erfolg nachhaltige Wirkung für den deutschen Segelsport zeigt", bemühte Dierk Thomsen, der neue Präsident des Deutschen Segler- Verbandes (DSV), das Prinzip Hoffnung.

Denn trotz der ersten schwarz-rot-goldenen Triumphfahrt über die Weltmeere ist im deutschen Hochseesegelsport nicht alles Gold was glänzt: Erst im März musste Eigner Illbruck die für dieses Jahr angekündigte Teilnahme am America's Cup, der prestigeträchtigsten Segelregatta der Welt, aus Geldmangel wieder absagen. Bis zur übernächsten Kampagne im Jahr 2006 soll die Kasse gefüllt sein, ein neuer Anlauf gestartet werden.

Und auch bei der Hatz um die Welt waren deutsche Yachten bislang stets chancenlos gewesen: Die Premiere des damaligen Whitbread-Race im Jahr 1973/74 beendete die "Peter von Danzig" (Kiel) als 14. Auch die Berliner "Walross" kam 1981/82 nur als 18. ins Ziel. Und die "Schlüssel von Bremen" musste sich 1989/90 als 19. sogar der britischen Damen-Crew "Maiden" geschlagen geben.

Das "illbruck"-Team machte es besser, zeigte auch nach der Hiobsbotschaft in Sachen America's Cup Moral. "Die Mannschaft hat das gut weggesteckt", lobte Illbruck. Nach dem Segel-Marathon hatten seine Mannen 61 Zähler auf ihrem Punktkonto und lagen damit klar vor der "Assa Abloy", die immerhin drei Etappensiege schaffte, das Blatt am Ende aber nicht mehr wenden konnte.

Als

die "illbruck" leicht verspätet, aber weit vor den Rivalen aus Schweden in den Abendstunden in Kiel einlief, da schwappte die Förde vor Begeisterung über. Die Norddeutschen feierten 14 Tage vor der Kieler Woche (22. bis 30. Juni) auch bei durchwachsenem Wetter ein fröhliches Fest. Am Tag zuvor war die acht Yachten starke Flotte in Göteborg von über 2 000 Begleitbooten zum letzten Törn verabschiedet worden.

Mit Siegen auf den ersten beiden Etappen von Southampton nach Kapstadt (7 350 Seemeilen) und von Südafrika nach Australien (6 550 Seemeilen) legte die "illbruck" den Grundstein. Über die 2 050 Seemeilen von Sydney nach Auckland - hier hatte das "illbruck"-Team bereits sein America's-Cup-Camp für die diesjährige Kampagne aufgeschlagen - gab es mit Platz 4 den ersten Rückschlag. Über die 6 700 Seemeilen von Neuseeland nach Rio de Janeiro waren die Segel- Legionäre wieder vorn.

In der Hitzeschlacht nach Miami (4 450 Seemeilen) setzte es dann aber die zweite Niederlage gegen die "Assa Abloy". Auf der ersten Sprintetappen nach Baltimore folgte mit Rang 4 ein weiterer Dämpfer, ehe auf der Nordatlantikpassage nach La Rochelle ein 24-Stunden- Weltrekord und der vierte Etappensieg gefeiert wurden. Den in Reichweite liegenden vorzeitigen Erfolg vergab die "illbruck" als Vierte auf der vorletzten Etappe nach Göteborg, als die Rivalen aus Schweden zum dritten und letzten Mal den Bug vorn hatten.

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