"Illegale und unmoralische Institution"
Milosevic vergleicht UN-Tribunal mit Konzentrationslagern

Der ehemalige jugoslawische Staatspräsident Slobodan Milosevic hat das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag mit den Konzentrationslagern der NS-Zeit verglichen. Er habe das Tribunal schon immer für eine "illegale und unmoralische Institution" gehalten, sagte Milosevic der italienischen Tageszeitung "La Stampa".

ap TURIN/BELGRAD. "Dieses Tribunal existiert in erster Linie für die Serben", sagte Milosevic. "Es ist dieselbe Form der Einschüchterung, die die Nazis zuerst gegen die Juden und dann gegen alle slawischen Völker eingesetzt haben." Man strebe seine Gefangennahme in "einem Konzentrationslager" an, erklärte Milosevic. Bei dem Interview handelt es sich um eines der ersten, das Milosevic ausländischen Medien seit den NATO-Luftangriffen im Jahr 1999 gegeben hat. Es wurde in der Zentrale der Sozialistischen Partei in Belgrad geführt.

Milosevic machte in dem Interview zugleich den Westen für die Kriege der 90er Jahre auf dem Balkan verantwortlich. Deutschland sei "vom Sieg im Kalten Krieg berauscht" und entschlossen gewesen, den Osten "unter vollständige wirtschaftliche und politische Kontrolle" zu bringen", sagte der Expräsident.

Milosevic weist Anklagepunkte zurück

Die Anklagepunkte des Haager Tribunals wies Milosevic als frei erfunden und ungerechtfertigt zurück. Seine Sicherheit als ehemaliges Staatsoberhaupt sei für den neuen jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica eine Frage von "Ehre und Moral", sagte Milosevic. Kostunica lehnt eine Auslieferung Milosevics an das UN-Tribunal bislang ab. Milosevic ist wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Auch die Sozialistische Partei Serbiens, deren Vorsitzender Milosevic ist, wandte sich am Samstag in scharfer Form gegen die Verfahren vor dem Haager Tribunal. In einer Erklärung, die nach einem Parteitreffen unter Führung Milosevics veröffentlicht wurde, kritisierte die Partei zugleich Bestrebungen der jugoslawischen Regierung, mit dem Tribunal zusammenzuarbeiten und den Expräsidenten eventuell doch auszuliefern. Im Gegensatz zu Kostunica hatten andere Mitglieder der jugoslawischen Führung angedeutet, Milosevic könnte nach einem Prozess im eigenen Land an das internationale Kriegsverbrechertribunal überstellt werden.



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