Illegaler Online-Handel mit Auftritten der jüngsten Musikpreis-Verleihung
Grammy Produzent klagt gegen Napster

Nach den großen Musikkonzernen klagt jetzt auch der Produzent der Grammy Awards gegen die Internet-Musiktauschbörse. Napster soll Musikdateien der letzten Preisverleihung illegal angeboten haben.

Reuters SAN FRANCISCO. Nach den großen Musikkonzernen haben auch die Produzenten der Grammy Awards gegen die Internet-Musiktauschbörse Klage eingereicht. Grund sei der illegale Online-Handel mit Musikdateien von Auftritten bei der jüngsten Verleihung der Musikpreise, sagte Michael Greene, Chef der National Academy of Recording Arts and Sciences, am Dienstag (Ortszeit). Zuvor hatte dasselbe US-Gericht, bei dem die Klage einreicht wurde, Napster angewiesen, urheberrechtlich geschützte Titel aus ihrem Angebot zu entfernen.

Green warf der Musiktauschbörse vor, für entgangene Einnahmen in Millionenhöhe verantwortlich zu sein. Am Tag nach Verleihung der Grammy Awards habe man im Aufnahmestudio alle Auftritte neu schneiden wollen, um sie dann zu veröffentlichen. Doch dann habe man festgestellt, dass alle Musik-Aufnahmen schon über Napster gelaufen und bereits millionenfach heruntergeladen worden seien. Das Glanzstück des Abends sei ein Duett von Rap-Musiker Eminem und Elton John gewesen, das jetzt vielleicht nie kommerziell veröffentlicht werde, sagte Greene. "Jeder Tag, der vergeht, kostet die Song-Schreiber, die Musiker, die Sänger, die Plattenfirmen und die Unternehmer", sagte Greene.

Die Grammy Awards entsprechen der Oskar-Verleihung im Filmgeschäft. Bei der Verleihung am 21. Februar traten unter anderem Musiker wie Madonna und die Rockgruppe U2 auf.

Napster bietet Mitschnitte der Preisverleihung an

Die Klage gegen Napster wegen Verbreitung der Mitschnitte der Grammy Awards ging am selben Tag bei dem Gericht in San Francisco ein, an dem dieses zuvor auf Drängen der Musikindustrie eine einstweilige Verfügung gegen Napster erlassen hatte. Demzufolge muss die Musiktauschbörse binnen drei Tagen alle urheberrechtlich geschützten Titel von der Website www.napster.com entfernen. Die Musikunternehmen sollen Napster dazu eine Liste entsprechender Titel vorlegen. Napster werde dem Urteil nachkommen, versicherte Firmenchef Hank Barry. Am Sonntag hatte die Tauschbörse mit dem Blockieren von Musiktiteln begonnen, um einer Schließung zu entgehen.

Der Vorsitzende des Energie- und Handelsausschusses im US-Repräsentantenhaus, Billy Tauzin, begrüßte das Urteil als richtig. Der republikanische Abgeordnete appellierte allerdings zugleich an die Musikindustrie, sich mit Napster zu einigen. Bei einer Konferenz über digitale Musik sagte Tauzin, es sei noch kein Ende in Sicht, was Napster oder Napster-Imitatoren betreffe. Der Streit werde weiter gehen, bis die Industrie einen Weg finde, mit dieser neuen Technik zu leben.

Napster war vor knapp zwei Jahren von einem US-Teenager entwickelt worden. Inzwischen sind bei der Tauschbörse mehr als 60 Mill. Besucher registriert. Dort können Musikdateien anderer Internet-Nutzer ausgesucht, komprimiert und schließlich auf den eigenen Computer heruntergeladen werden.

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