Illegaler Stoff
Hintergrund: Nitrofen

Nitrofen ist hoch giftig, reizt die Augen, die Haut und die Atemwege. In Tierversuchen führte es zu Missbildungen.

dpa BERLIN. Die Anwendung des Pflanzenschutzmittels Nitrofen ist wegen seiner Gefährlichkeit in der EU vollständig verboten. In West-Deutschland wurde der Gebrauch 1988 und in den neuen Bundesländern 1990 untersagt. Der Grund: In seiner Reinform ist das weiße bis braune kristalline Pulver stark giftig. Die Substanz reizt die Augen, die Haut und die Atemwege. Wiederholter oder andauernder Hautkontakt kann Dermatitis hervorrufen.

In Tierversuchen mit sehr hohen Dosen - denen Menschen allerdings niemals ausgesetzt sind - führte Nitrofen zu Missbildungen. Zwerchfelldurchbrüche bei Feten sind in 50 bis 80 Prozent tödlich. Wiederum in sehr hoher Dosierung an Mäusen und Ratten verfüttert erwies sich der Stoff als krebsauslösend.

Vom Menschen liegen in dieser Hinsicht keine Daten vor, auch nicht von Arbeitern, die mit dem Pflanzenschutzmittel arbeiten. Den Behörden waren die Tierversuche aber ausreichender Beweis zur möglichen Kanzerogenität (Krebserzeugung) von 2,4-dichlorophenyl-p-nitrophenylether - so die chemische Bezeichnung - beim Menschen.

Der Stoff ist sehr stabil und baut sich in der Natur kaum ab. Er kann sich deshalb in der Nahrungskette des Menschen anreichern, vor allem in Fischen und Pflanzen. Ein weiterer Grund für die International Agency for Research on Cancer (IARC, Internationale Agentur für Krebsforschung), einer Unterorganisation der WHO, den Stoff als krebsauslösend und Missbildungen bewirkend einzustufen.

Bundesanstalt: Nitrofen illegal und unsachgemäß angewandt

Die von dem Ökofuttermittel-Skandal betroffenen Landwirte haben nach Ansicht der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen nicht nur illegal, sondern auch unsachgemäß angewandt. Nach Angaben des Vizepräsidenten Gerhard Gündermann haben die Bauern das seit 1988 in West- und seit 1990 auch in Ostdeutschland verbotene Mittel in überhöhter Menge auf ihren Äckern verteilt. Es sei auszuschließen, dass Jahrzehnte alte Giftrückstände in den Feldern zu der Verseuchung des Getreides geführt hätten, sagte er am Montag in Berlin.

Die betroffenen Öko-Bauern sind nach Ansicht von Gündermann möglicherweise von Händlern aus Osteuropa mit dem Nitrofen beliefert worden. Dort sei das Mittel in einigen Ländern noch heute zugelassen.

"Die Marktwirtschaft ist in der Ökolandwirtschaft angekommen", sagte Gündermann in Blick auf die wachsende Konkurrenz unter Bio-Bauern. Sie sei möglicherweise ein Grund für die Verwendung von konventionellen - und auch verbotenen - Pflanzenschutzmitteln. Öko-Landwirte seien zunehmend ausländischer Konkurrenz konfrontiert. Auch sei ein Wertewandel zu spüren: Hätten anfangs Bauern nur aus Überzeugung auf ökologische Produktionsweisen zurückgegriffen, täten sie es heute oftmals der höheren Preise wegen, sagte Gündermann.

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