Illustre Verflechtungen mit der Politik
Hintergrund: PR-Berater Hunzinger

Die umstrittenen finanziellen Kontakte des Frankfurter PR-Beraters Moritz Hunzinger zu Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und dem Grünen-Politiker Cem Özdemir drohen auch für die Hunzinger Information AG zu einer ernsten Krise zu werden.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Debatte werde an dem Unternehmen "nicht spurlos vorbeigehen", räumte Vorstandschef und Unternehmensgründer Hunzinger am Montag ein.

Nach außen bleibt der 43-Jährige gelassen, spricht von einem "Medienspektakel", das "zum Totlachen" sei. Das Unternehmen habe "eine Menge Praxis, mit so etwas zurechtzukommen" - nun halt "erstmalig in eigener Mission, das wird auch gelingen", sagt Hunzinger. Zugleich aber gab er zu: "Mich beschäftigt die derzeitige Aktivität natürlich, die könnte ich sinnvoller einsetzen."

Der öffentliche Wirbel um seine Verflechtung mit der Politik erwischt Hunzinger, dessen Unternehmen in einer Villa im noblen Frankfurter Holzhausen-Viertel residiert, in einer schwierigen Marktsituation: Der Umsatz der Firma sank im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 6,4 auf 4,7 Millionen Euro. Besonders leiden die PR-Aufträge, das wichtigste Standbein und Ursprungs- Geschäftsfeld.

"Unsere Auftraggeber profitieren bei Aufbau und Pflege ihres Ansehens von unserer hohen Platzierungskraft in den Medien", rühmt sich die Hunzinger Information AG in einer Selbstdarstellung. Doch nun taucht der Name Hunziger selbst in den Medien auf - wahlweise betitelt als "Krake vom Main" oder "Pate". Hunzinger kündigt jetzt an, das Geschäftsmodell seiner Firma "überprüfen" zu wollen. Näheres will er aber nicht sagen, und für eine grundlegende Änderung seiner Geschäftspraktiken sieht er keinen Anlass. "Wir sind mit etwas in die Kritik geraten, das wir seit 23 Jahren betreiben."

Das Kapital Hunzingers sind seine weit reichenden Beziehungen, die er kaum bemerkt von der Öffentlichkeit aufgebaut hat. Bei den 500 parlamentarischen Abenden und 140 politischen Salons, die er bisher veranstaltet hat, gab sich die Prominenz die Klinke in die Hand. Wirtschaftsbosse, Politiker verschiedener Couleur und ausländische Staatsleute haben sich von dem Frankfurter beraten lassen - ob Software-König Bill Gates, Altkanzler Helmut Kohl, Außenminister Joschka Fischer, Hessens Ministerpräsident Roland Koch oder Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi. Auch Parteien bekamen Spenden von Hunzinger. Berichte über eine zentrale Rolle in der Rüstungsbranche hat er stets dementiert.

Als erste PR-Agentur in Deutschland war die Firma im Frühjahr 1998 an die Börse gegangen. Aus Kostengründen hat Hunzinger vor vier Wochen mit seinem Unternehmen den Neuen Markt verlassen. Zu dem Unternehmen gehören neben der Hunzinger auch die Hamburger Bildagentur action press, das Bonner Meinungsforschungsinstitut Infas sowie der Verlag der Universitätsbuchhandlung Blazek und Bergmann.

Hunzinger selbst hält nach Firmenangaben 31,74 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft. 11,16 Prozent der Anteile besitzen die BGAG, eine Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften, sowie der Deutsche Beamtenbund über das Gemeinschaftsunternehmen Agathon. 21,01 Prozent hält die Beteiligungsgesellschaft Gold AG, -Zack der Rest befindet sich im Streubesitz.

Der Aufsichtsrat von Hunzinger ist ein illustrer Kreis: Aufsichtsratschef ist der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière. Er wandte sich am Montag gegen eine Vorverurteilung Hunzingers. Aufsichtsratsmitglieder sind unter anderem der Ex- Verfassungsschutzpräsident Peter Frisch, der frühere RTL-Chef Helmut Thoma und der Ex-Vier-Sterne-General Günter Kießling, der 1983 vom damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war.

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