Im 1. Januar 2002 wird das Euro-Bargeld eingeführt
Bald startet die größte Umtauschaktion aller Zeiten

Nächstes Jahr kommen die Euro-Scheine und-Münzen. Die Deutsche Mark ist dann endgültig Geschichte. Aber aufgepasst: Die genauen Modalitäten des Währungswechsels sind von Land zu Land verschieden.

15.03.2001. FRANKFURT/M. Bisher begegnet der Euro Bürgern der Europäischen Union (EU) lediglich auf Preisschildern oder Bankauszügen. Ab dem 1. Januar 2002 gibt es die Gemeinschaftswährung auch zum Anfassen. Dann nämlich werden in den zwölf Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion (EWU) die Euro-Banknoten und Münzen in Umlauf gebracht. Bis Ende Februar 2002 kann in den Euro-Ländern dann beim Barzahlen entweder die alte nationale Währung oder das neue europäische Geld eingesetzt werden. Danach ist endgültig Schluss mit der Währungsvielfalt: Ab 1. März 2002 ist nur noch der Euro gesetzliches Zahlungsmittel - aber keine Sorge: Alte D-Mark-Bestände können unbegrenzt lange umgetauscht werden.

Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis kompliziert. Zwar stehen inzwischen auch die Details der vermutlich größten Umtauschaktion der Geschichte fest - nur sind sie leider uneinheitlich. Nicht nur die Rückseiten der acht Euro-Münzen gibt es in zwölf Varianten. Auch die genauen Modalitäten, nach denen die Euro-Einführung abläuft, existieren in zwölf verschiedenen, länderspezifischen Versionen.

Jedes Land hat sein eigenes Einführungs-Szenario

"Uns wäre es lieber gewesen, wenn das überall gleich liefe", bedauert Christa Randzio-Plath, die Vorsitzende des Wirtschafts- und Währungsausschusses im Europäischen Parlament (EP), "aber die Finanzminister haben seiner Zeit eben anders entschieden."

So müssen die nationalen Währungen bis Ende Februar 2002 als gesetzliches Zahlungsmittel abgeschafft sein. Einigen Staaten geht das allerdings nicht schnell genug. In Deutschland ist dieMark beispielsweise nur noch bis zum 31. Dezember 2001 gesetzliches Zahlungsmittel, der französische Franc hat zum Stichtag 17. Januar 2002 ausgedient. "Es geht hier allerdings im wesentlichen um die rechtliche Ebene", erklärt Patrick Steinpass von Deutschen Sparkassen- und Giroverband. "Sie können bis Ende Februar weiter mit D-Mark einkaufen. Aber sie könnten ab 1. Januar in Deutschland darauf bestehen, mit Euro zu bezahlen." Wer sich also ab Anfang 2002 weigere, seinen Strafzettel zu bezahlen, weil die Parkuhr noch keine Euromünzen nimmt, "dem kann juristisch keiner ans Zeug flicken", erklärt Steinpass.

Weitere Unterschiede gibt es beim so genannten Frontloading. Darunter verstehen Experten die Vorabversorgung der Banken mit den neuen Münzen und Scheinen. Den Banken soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich auf den erwarteten Ansturm am Jahresanfang 2002 vorzubereiten. Deutschland, Österreich und Luxemburg bestücken die Geldinstitute bereits ab dem 1. September 2001, die restlichen neun Länder ziehen erst später nach. In einem weiteren Schritt, dem "Subfrontloading", werden dann Einzelhändler mit Euros munitioniert, damit auch sie am "E-Day" nicht ohne das neue Geld dastehen. Auch hier wollen die deutschsprachigen Länder relativ früh beginnen, die meisten anderen Staaten bedienen die Einzelhändler erst ab Dezember. Finnland, Frankreich und Italien haben sich noch nicht zum genauen Zeitplan für das Subfrontloading geäußert.

Das Szenario, dass sich am Neujahrstag in ganz Europa Schlangen wie einstmals bei der deutschen Währungsreform bilden werden, hält Gerassimos Thomas, Sprecher der Europäischen Kommission für den Bereich Währungsfragen, für unwahrschinlich. "Der Großteil der Menschen wird einfach in den ersten Wochen des Jahres 2002 bei Einkäufen seine restlichen Mark- oder Franc-Scheine ausgeben. Viele Bürger werden deshalb gar nicht wechseln." Steinpass vom Sparkassenverband weist zudem darauf hin, dass in Deutschland ab Mai diesen Jahres Informationskampagnen anliefen. Diese sollten die Deutschen dazu bewegen, Geldbestände, die heute noch unter der Matratze schlummerten, auf ihre Konten einzuzahlen.

Randzio-Plaths Vorwurf, eine einheitliche Euro-Regelung wäre besser gewesen, will die Europäische Zentralbank (EZB) nicht gelten lassen. Kleinere Unterschiede im Verfahren seien in der Unterschiedlichkeit der Nationalstaaten begündet, sagt EZB-Sprecher Jukka Ahonen. Gerassimos Thomas von der Kommission sieht das ähnlich: "In Deutschland ist das Frontloading sehr wichtig, weil noch viel mit Bargeld eingekauft wird. Zudem ist es das größte Land. In Frankreich zahlen im Hypermarché alle mit Kreditkarte, deshalb kaprizieren die sich stärker auf den elektronischen Zahlungsverkehr." Und dann, so Thomas, gäbe es eben noch Länder wie Irland, wo Rentner ihre Pension noch in bar vom Postboten zugestellt bekämen.

Während Banken und Handel ab September mit dem frisch angelieferten Geld alle Hände voll zu tun haben werden, bleibt nach Ansicht von Steinpass für die Bürger noch Zeit: "Der Großteil der Bevölkerung wird vom Frontloading kaum etwas mitbekommen. Die meisten werden sich erst dann für den Euro interessieren, wenn sie vom Sommerurlaub heimkehren."

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