Im Aktienresearch drückt der Schuh
BHF-Bank pocht auch im ING-Verbund auf Eigenständigkeit

Die BHF-Bank steuert im Schoß ihrer Mutter ING in diesem Jahr auf ein Rekordergebnis zu. Die Integration in den Verbund wird vorangetrieben, was in der BHF nicht nur Freude auslöst. Aus den jüngsten Unruhen im eigenen Haus werde die Bank aber gestärkt hervorgehen, versichert Vorstandschef Peter Gloystein.

HB FRANKFURT/M. Schritt für Schritt wird die BHF-Bank in den weltumspannenden Verbund ihrer niederländischen Mutter ING integriert. Ganz ohne Schmerzen für die deutsche Tochter verläuft dieser Prozess nicht, wie der BHF-Vorstandssprecher Peter Gloystein im Gespräch mit dem Handelsblatt einräumt.

Aktuell drückt der Schuh unter anderem im Aktienresearch. Dort musste die BHF-Bank, wie auch im Handel und im Emissionsgeschäft, schmerzliche Abgänge hinnehmen. Insgesamt haben ihr im Aktiengeschäft in den letzten beiden Quartalen etwa 30 Mitarbeiter den Rücken gekehrt. Ein großer Teil von ihnen ist Ex-Vorstand Alfred Möckel zum Direktbroker Consors gefolgt.

"Im weltweiten Sektor brauchen wir die ING"



Das Research wird in eine gemeinsame Plattform mit der ING eingebunden - ein Konzept, das in der BHF auf Kritik gestoßen ist. Ex-Commerzbank-Vorstand Gloystein verteidigt das Vorhaben vehement: Es sei eine Illusion, alles allein zu machen. "Im weltweiten Sektor-Research brauchen wir die ING", betont er, "alles Research, das wir für unser eigenes Geschäft brauchen, bleibt aber unter BHF-Dampf". Derzeit werden Koordinatoren innerhalb der Gruppe für die verschiedenen Sektoren benannt. "Relativ viele" davon, etwa für die Autoindustrie und vor allem für den Neuen Markt, seien BHF-Leute. Eine Trennung nach dem Schema "die kleinen Werte zur BHF und die Großen zur ING" gibt es nach seiner Darstellung nicht.

Das Research ist eine von mehreren gemeinsamen Plattformen, die seit der Übernahme durch ING im Jahr 1999 schrittweise realisiert werden. Bereits arbeitsteilig integriert sind das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M & A) und die strukturierten Finanzierungen. Eine gemeinsame Plattform - also eine virtuelle Einheiten mit gemeinsamem Management - gebe es auch schon für Handelsfinanzierungen. Zudem ist die Integration kleinerer BHF- Auslandsniederlassungen in das ING-Netz bereits abgeschlossen.

In Arbeit sei eine weitere gemeinsame Plattform für das Geschäft mit global agierenden Großkunden, erklärt Gloystein. Dieses hatte die BHF-Bank wegen ihrer begrenzten Ressourcen zurückgefahren. "Im ING-Verbund werden wir das wieder hochfahren und Großunternehmen in Deutschland bedienen", kündigte Gloystein an. Zusammen mit ING Barings soll zudem ein Geschäft mit hochverzinslichen Unternehmens-Bonds aufgebaut werden.

An der operativen Selbstständigkeit seines Hauses lässt Gloystein keinen Zweifel zu. "Die BHF-Bank wird von ihrem eigenen Vorstand gesteuert", versichert er - allerdings in Abstimmung mit der ING. "Bei allem, was wir an Kernfunktionen für unseren Markt brauchen, sind wir völlig unabhängig." Die Initiativen für das eigene Geschäft gingen in der Regel von der BHF-Bank selbst aus, deren Marke und Identität erhalten bleiben soll. Gloystein zeigt sich überzeugt, dass die BHF-Bank im ING-Verbund auf ihren vier Geschäftsfeldern - Firmenkunden, vermögende Privatkunden, Finanzmärkte und Vermögensverwaltung - gute Wachstumschancen hat. "Die einzige Restriktion ist gutes Personal", betont er. Selbst im zuletzt arg gebeutelten Aktiengeschäft will er aufstocken. Der Wachstumspfad sei durch die jüngsten Abgänge unterbrochen worden. "Mitte 2001 werden wir erheblich stärker sein als heute", so Gloystein.

Breitere Vertriebsbasis im Fondsgeschäft angestrebt



Leicht dürfte es aber nicht sein, Lücken adäquat zu schließen. Denn auf dem engen Arbeitsmarkt für Investmentbanker konkurriert die BHF mit den Branchengrößen, die allesamt ihre Mannschaften aufstocken. Locken will Gloystein Talente nicht in erster Linie mit Geld: "Wir sind nicht bereit, jede Schwachsinnssumme zu zahlen." Überzeugen will er sie mit den Perspektiven der Bank und der Aussicht auf selbstständige Arbeit in einer überschaubaren, flexiblen Organisation.

Die labile Lage an den Finanzmärkten hat das Aktiengeschäft zwar schwieriger gemacht und zu einer Ausdünnung des Geschäfts mit Börsengängen geführt (Seite 33). "In der Gewinn- und Verlustrechnung werden sich die Marktturbulenzen aber kaum niederschlagen", betont der Vorstandschef. Die BHF-Bank erwarte in diesem Jahr ein Rekordergebnis, sowohl operativ als auch in der Gesamtrechnung. Diese wird mitgeprägt durch Sondereinnahmen von der Beteiligung Agiv (vor Steuern ca. 90 Mill. ") und aus dem Verkauf eines 2 %-Anteils am französischen CCF an die britische HSBC. Derzeit liege die operative Eigenkapitalrendite über 20 %; das Niveau könne fürs Gesamtjahr nicht ganz gehalten werden. Noch sei die Risikovorsorge zu hoch. Dieses langjährige BHF-Problem werde erst 2001 endgültig gelöst sein.

Für das nächste Jahr hat sich Gloystein zudem Fortschritte bei der Verbreiterung der Vertriebsbasis der Fondstochter Frankfurt-Trust vorgenommen. Hier ist die BHF-Bank, die kein Filialnetz ihr eigen nennt, im laufenden Jahr nicht viel weiter gekommen. Bisher stütze sie sich im Fondsvertrieb auf Partner wie Nürnberger Versicherungen, BHW, MLP oder AWD. Sie braucht aber weitere Kanäle, "weil wir so mit der Absatzdynamik der ganz Großen nicht mithalten können". Gloystein macht keinen Hehl daraus, dass er gerne mit Direktbrokern kooperieren würde. Dafür aber müsse der Trust neue, einfachere Produkte mit niedrigeren Gebühren entwickeln.

Logischer Partner für die BHF wäre die Allgemeine Deutsche Direktbank (Diba), an der die ING 49 % hält. Eine Stärkung des deutschen Retail-Geschäfts der Gruppe durch eine Zusammenarbeit von Diba und BHF läge deshalb auf der Hand. Gloystein könnte sich eine Zusammenarbeit mit der Diba auch im Neuemissionsgeschäft vorstellen. Dies hänge aber davon ab, ob die ING die angestrebte Mehrheit an der Diba wirklich bekomme.

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