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Im Angesicht des Maxiscooters

Touristen merken es spätestens bei dem Versuch, per Zebrastreifen eine Straße zu überqueren und ihnen dabei ein Taxi mit rund 75 km/h haarscharf über die Füße fährt: In Paris sind Fußgänger nur Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse.

Touristen merken es spätestens bei dem Versuch, per Zebrastreifen eine Straße zu überqueren und ihnen dabei ein Taxi mit rund 75 km/h haarscharf über die Füße fährt: In Paris sind Fußgänger nur Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse.

Einige Straßenübergänge der französischen Hauptstadt sind daher durchaus für allerlei Mutproben geeignet. Rund um die Oper zum Beispiel können Fußgänger oft nicht auf die Unterstützung von Fußgängerampeln zählen, selbst wenn es gilt, einen breiten Boulevard zu überqueren. Wer sich dennoch auf den Zebrastreifen wagt, wenn ca. 150 Meter weiter entfernt eine Ampel auf grün schaltet und die Autos vierspurig auf einen zurasen, der kann nach solch einer Straßenüberquerung getrost auf den Morgencafé verzichten, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Als besonders hinterhältig entpuppt sich das Überqueren von Seitenstraßen, die in einen großen Boulevard münden. Beispiel: Rue de Richelieu Ecke Boulevard des Italiens. Um dem Fußvolk zumindest eine Chance zu geben, ist der Übergang der Rue Richelieu mit einer Fußgängerampel plus blinkendem Warnschild versehen, das Autofahrer auf die "laufende" Verkehrsstörung hinweißt - für Pariser Maßstäbe eine geradezu fürstliche Verkehrssicherung.

Doch der vom Boulevard abbiegende Verkehr kennt keine Gnade. Ewig eilige Lieferwagenfahrer bremsen ihre Fahrzeuge erst Zentimeter abrupt vor den Fußgängern ab, begleitet durch wildes Gestikulieren.

Am schlimmsten sind jedoch die Rollerfahrer Typ mittlerer Angestellter im Anzug mit unter dem Helm am Ohr festgeklemmtem Mobiltelefon. Diese Gattung bevorzugt die so genannten "Maxiscooter", das sind Motorroller mit 125 und mehr Kubikzentimetern Hubraum, die es beim Ampelsprint mit jedem Porsche aufnehmen können. Die Fahrer solcher todbringender Geräte können in der Regel eh nicht mehr abbremsen, also umkurven sie die Fußgänger wie Slalomstangen. Und wer dabei nur den Luftzug des hinten am Roller festgeschraubten Aufbaukoffers spürt, hat noch Glück gehabt.

Wer kann, flieht daher in den Untergrund - und nimmt die Metro.


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