Im August gegenüber Vormonat
Industrie erhält überraschend mehr Aufträge

Die Zahl der Auftragseingänge ist im August zwar unerwartet gestiegen. Doch Ökonomen warnen vor Euphorie: Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

ddp BERLIN/FRANKFURT. Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im August gegenüber dem Vormonat überraschend um 1,7 Prozent gestiegen. Auf Jahressicht habe sich der Ordereingang nach vorläufigen Zahlen dagegen um 2,2 Prozent verringert, teilte das Bundesfinanzministerium am Montag in Berlin mit. Damit verbuchten die Unternehmen zwar mehr als von Volkswirten vorab erwartet. Diese hatten eher mit einem erneuten Minus gerechnet. In ersten Reaktion warnten die von vwd befragten Ökonomen aber davor, die veröffentlichten Zahlen schon als Trendwende zu interpretieren. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute hatten erst jüngst ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr reduziert.

Für den Anstieg im Monatsvergleich sind dem Ministerium zufolge vor allem die Auslandsbestellungen verantwortlich, die um 2,6 Prozent zulegten. Im Juli hatten die Auslandsorders um 1,5 Prozent nachgelassen. Auch im Inland erhielt die deutsche Industrie im August 2002 den Angaben zufolge 1,1 Prozent mehr Aufträge.

Die umfangreichsten Neubestellungen sind im August den Angaben zufolge bei den Investitionsgüterproduzenten eingegangen, die ein Plus von 4,2 Prozent verbucht hätten. Dagegen seien die Aufträge bei den Konsumgüterherstellern um 1,7 und bei Vorleistungsgüterproduzenten um 0,2 Prozent gefallen. In den westdeutschen Bundesländern sind die Orders um 0,4 Prozent gestiegen und in Ostdeutschland um 20,1 Prozent, teilte das Ministerium weiter mit. Der starke Anstieg im Osten sei "außerordentlich". Nähere Erklärungen dazu gab das Ministerium jedoch nicht.

Der Anstieg bei den Aufträgen im August reichte jedoch nicht aus, um im Zweimonatsvergleich (Juli/August gegenüber Mai/Juni) ein Plus zu erzielen. Hier ergab sich laut Bundesfinanzministerium insgesamt ein Auftragsrückgang um 1,2 Prozent. Die Inlandsbestellungen hätten in diesem Vergleich um 1,3 Prozent zugenommen, die Auslandsaufträge jedoch um 4,0 Prozent abgenommen. Das liege daran, dass der Vergleichswert durch Großaufträge aus dem Ausland im Mai stark begünstigt worden sei.

"Die Daten sind zwar deutlich besser als erwartet, aber mit Vorsicht zu interpretieren", kommentierte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank die Zahlen. Der Konsumbereich habe erneut «keinen Staat machen können», was auf die lahmende Binnenkonjunktur hindeute. Auch die Orderbelebung bei den Investitionsgütern reiche nicht aus, um von einer sich abzeichnenden Belebung zu sprechen. Manuela Preuschl von Global Markets Research/Deutsche Bank erklärte, die Daten zeigten keine Belebung an. Es gebe wenig Anhaltspunkte, die für einen Aufwärtstrend der Auftragseingänge sprächen. Für das Orderplus von 20,1 Prozent in Ostdeutschland hatten die Ökonomen keine eindeutige Erklärung und verwiesen auf mögliche Großaufträge.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%