Im Branchenvergleich schneidet die Deutsche Telekom passabel ab
T-Aktie: Manche schlechte Nachricht ist gut

Häufig genug kam die vermeintliche Volksaktie in den vergangenen Wochen unter Druck. Da meldeten Netzausrüster wie Alcatel und Ericsson schlechte Nachrichten, und sofort rutschte auch der Aktienkurs des Bonner Konzerns in Keller. Dabei würde eigentlich das Gegenteil mehr Sinn machen.

HB DÜSSELDORF. Wenn es so gar keine Erklärung mehr gibt für das Auf- und Ab eines Aktienkurses, dann muss eben die Stimmung herhalten - das Sentiment, wie es Analysten nennen. Und das war am Mittwoch zeitweise gar nicht so schlecht für die Deutsche Telekom. Schließlich hatte der US-Netzausrüster Cisco am Vorabend gemeldet, dass sein Umsatz gestiegen ist. Das Unternehmen setzt zwar nur jeden fünften Dollar mit Kunden aus der schwer-gebeutelten Telekom-Branche um, aber für ein - zumindest kurzes - Stimmungshoch für die T-Aktie hat das offenbar gereicht.

Häufig genug hat die vermeintliche Volksaktie in den vergangenen Wochen das Gegenteil erlebt. Da meldeten Netzausrüster wie Alcatel und Ericsson schlechte Nachrichten, und sofort rutschte auch der Aktienkurs des Bonner Konzerns in Keller. Dabei würde eigentlich das Gegenteil mehr Sinn machen.

Wenn Telekom-Ausrüster mal wieder über Umsatzrückgänge klagen, dann heißt das ja in der Regel nur eines: Ihre Kunden, die Telekom-Netzbetreiber, sparen. Sie investieren weniger in Leitungen, Schalter und Mobilfunk-Antennen und stecken ihr Geld vielmehr in Schuldenabbau - und das sind doch gute Nachrichten für den Markt und damit für die Aktie. Und da Sparen seit Antritt des Telekom-Interimschefs Helmut Sihler ohnehin bei dem ehemaligen Monopolisten groß geschrieben wird, gibt es noch mehr gute Nachrichten für die T-Aktie.

Doch so einfach ist die Rechnung nun auch wieder nicht. Denn hinter der Telekom stehen im Moment gehörige Fragezeichen. Wie hart wird der Sparkurs ausfallen, den Sihler dem Unternehmen verordnet? Kann er den Schuldenabbau beschleunigen? Wird er die grundsätzliche Strategie des ehemaligen Telekom-Chefs Ron Sommer beibehalten oder einiges vom Kopf auf die Füße stellen? Und vor allem: Wer wird neuer Mann an der Telekom-Spitze? Und welche Duftmarke wird er setzen? Fragen über Fragen, mit denen Analysten zurzeit auch ihre Zurückhaltung der T-Aktie gegenüber erklären. Und die wird zumindest bis zum 21. August anhalten, wenn Sihler die Telekom-Halbjahreszahlen bekannt gibt und da auch zumindest Teile seiner Pläne für das Unternehmen vorstellt.

Die Empfehlung der Analysten lautet daher zurzeit eher: Erst abwarten - und dann T-Aktien kaufen, wenn man Lust auf ein Risikopapier hat. Denn Telekommunikation ist nun mal ein riskanter Markt. Die Unternehmen investieren heute schon Milliarden, beispielsweise in die neue Mobilfunktechnik UMTS. Die Ausgaben werden sich allerdings erst in Jahren oder Jahrzehnten auszahlen. Für die Telekom heißt das: Ein Ende der roten Zahlen kommt frühstens in zwei, drei Jahren.

Doch selbst skeptische Analysten räumen ein, dass die T-Aktien unter den europäischen Telekom-Werten gar nicht so eine schlechte Wahl ist. Dafür spricht zum einen die Festnetzsparte des Bonner Konzerns, die den größten Umsatz bringt. Die schwächelte zwar etwas, erholt sich aber offenbar wieder. Höhere Gebühren beim schnellen Internet-Zugang über DSL und möglicherweise bald auch eine Erhöhung der monatlichen Anschlusspreise könnten dem Festnetz wieder Umsatzwachstum bringen.

Für die Telekom als gute Wahl unter den Telekom-Papieren in Europa spricht auch die Mobilfunktochter T-Mobile, die in Deutschland ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz - gemessen an der Zahl der Kunden - ausbaut und auch profitabler wird. Es bleibt aber die verlustbringende US-Mobilfunktochter Voicestream, die noch einen Schatten auf T-Mobile wirft. Eine Fusion mit einem Voicestream-Konkurrenten wäre nach Ansicht von Analysten die beste Lösung: Denn Voicestream - bisher Nummer sechs auf dem US-Mobilfunkmarkt - muss wachsen, um Profit abzuwerfen, und Wachstum aus eigener Kraft wäre teuer und langwierig. Und das kann sich die Telekom eigentlich nicht leisten angesichts eines Schuldenbergs von etwa 65 Mrd. Euro.

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