Im Briefbereich kommt die Marktliberalisierung nicht voran
Preise bei Paketen spürbar gesunken

Der verschärfte Wettbewerb bei den Postdienstleistungen in Deutschland hat "zu einem spürbaren Rückgang der Preise" bei Paketen geführt. Allerdings profitierten davon fast ausschließlich die Großkunden, wie der Bundesverband Deutscher Postdienstleister (BvDP) feststellt.

ddp BERLIN. Der normale Verbraucher habe bisher kaum etwas davon gehabt. Bei Briefen hätten die Portogebühren sogar insgesamt nur wenig nachgegeben. Nach Einschätzung des Fraunhofer Anwendungszentrums Verkehrslogistik und Kommunikationstechnik sind hier im Unterschied zum Paketbereich auch künftig keine großen Preisnachlässe zu erwarten.

Peter Klaus vom Fraunhofer Anwendungszentrum verwies bei der Vorstellung einer Studie im Auftrag des BvDP zur Liberalisierung im europäischen Postmarkt darauf, dass der Briefmarkt in der Bundesrepublik noch stark reguliert ist. Die Deutsche Post AG besitzt bis 2002 die Exklusivlizenz für die Beförderung von Standardbriefen bis 200 Gramm.

Liberalisierung mit Einschränkungen

Aber auch danach werde sich der Wettbewerb hier nicht so stark entfalten wie im Paketbereich, sagte Klaus. Der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur erfordere Milliardensummen. Es sei deshalb vielmehr damit zu rechnen, dass sich die privaten Wettbewerber der Deutschen Post "die Rosinen herauspicken und kein flächendeckendes Netz aufbauen werden". Trotz einiger Einschränkungen nimmt Deutschland bei der Liberalisierung der Postmärkte "europaweit einen Spitzenplatz ein", wie BvDP-Vorsitzender Wolfhard Bender unter Hinweis auf die Fraunhofer-Studie betonte. Es liege bei der Marktöffnung hinter Schweden und den Niederlanden auf Platz 3 und damit noch vor Großbritannien und Frankreich sowie auch den USA. Bemerkenswert sei zudem, dass Deutschland die größte Dynamik bei der Liberalisierung vorweise. Innerhalb von zwei Jahren habe die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post Teillizenzen für Postdienstleistungen an mehr als 800 Antragsteller vergeben.

Derzeit habe Deutschland seinen Postmarkt sogar weiter geöffnet, als es die Postrichtlinie der Europäischen Union vorsehe, sagte Bender. Dies sei mittlerweile bereits ein Wettbewerbsnachteil für die deutschen Branchenunternehmen gegenüber Firmen aus anderen EU-Ländern. Sein Verband fordere deshalb vom EU-Ministerrat und vom Europaparlament, die Vorschläge der Europäischen Kommission zur weiteren Liberalisierung des Postmarktes zu verwirklichen.

Größter Postmarkt in Europa

Die Bundesrepublik ist der Fraunhofer-Studie zufolge mit etwa 20 Mrd. Euro (rund 39 Mrd. DM) Umsatz der größte Markt für traditionelle Postdienstleistungen in Europa. Davon entfallen auf die Deutsche Post AG im Briefbereich fast 100 % und im Paketbereich unter 50 %, wie Klaus sagte. Die dem Postmarkt vor- und nachgelagerten Dienstleistungen belaufen sich auf weitere etwa 35 Mrd. bis 38 Mrd. DM. Klaus geht davon aus, dass etwa die Hälfte dieses Umsatzes in fünf bis acht Jahren ebenfalls an die Postdienstleister gefallen sein wird.

Interessenvertretung der Postdienstleister

Der im vergangenen Jahr gegründete BvDP versteht sich als Interessenvertretung aller Postdienstleister, die direkt oder indirekt einen Beitrag zur postalischen Wertschöpfungskette leisten. Seine Mitglieder repräsentieren in diesem Marktsegment ein Umsatzvolumen von über 55 Mrd. DM. Zu den Gründungsmitgliedern zählen die Deutsche Post AG, die DHL World Wide Express GmbH, die Siemens ElectroCom GmbH und die Bundesdruckerei.

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