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Im Chaos liegt die Chance

Der Zustand der Informationstechnologie ist ungeschminkt betrachtet das Chaos. Eine Lösung dafür liegt aber nicht in neuer Ordnung, so Sun-Geschäftsführer Dr. Helmut Wilke (Foto), sondern im Chaos-Prinzip des Internets.

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Der Zustand der Informationstechnologie vieler Unternehmen ist ungeschminkt betrachtet das Chaos. Wer ist daran schuld? Zum Beispiel sind es die Mitarbeiter, die ihre ganz verschiedenen Bedürfnisse in inkompatible Anwendungen umgesetzt haben. Nicht ganz unschuldig sind auch wir IT-Anbieter, die die IT-Leiter mit immer neuer Hard- und Software beglücken - die sich dann doch nicht so nahtlos miteinander verträgt wie angekündigt. Same procedure as every year? Müssen wir uns mit dem Nicht-Funktionieren abfinden? Nein. Überraschenderweise kommt jedoch die Lösung nicht aus dem Versuch, alles zu ordnen, sondern aus dem Chaos-Prinzip des Internets. Ein natürliches Prinzip, dass unserem linear konditionierten Denken zuwider läuft. Internet-Technologie für die IT-Landschaft Das evolutionäre Prinzip der Natur überträgt sich auch auf IT-Landschaften der Unternehmen. Der alte Mainframe, auf dem die wichtigen Anwendungen des Unternehmens laufen, wird nicht abgeschaltet - er wird mit Internet-Technologie gekapselt. Und der Vorstand kann plötzlich die Mainframe-Daten auf dem eigenen Notebook in einem Internetbrowserfenster sehen. Nicht nur das, diese wichtigen Daten werden mit anderen Daten aus anderen Anwendungen verbunden, ausgewertet und sofort dargestellt. Nächtelange Batchläufe und die händische Konsolidierung in Excel-Tabellen entfallen endlich. Soweit die Sicht auf die Ebene des Anwenders. Müssen wir also lediglich abwarten, wie das artifizielle Nervensystem unseres Globus immer weiter wuchert? Natürlich nicht. Wir sollten die Technologietrends erkennen und zum Vorteil des Unternehmens nutzen. Die Forderung an die Hardwarehersteller ist schlicht, die Maschinen wirtschaftlicher zu machen. Rechenleistung muss preiswerter werden. Bezogen auf einen Mikroprozessor lassen sich zwar erstaunliche Leistungssteigerungen nachweisen und damit auch verbesserte Wirtschaftlichkeit. Doch die Leiter von Rechenzentren sehen dies anders. 70 Prozent ihrer Aufwendungen müssen sie in Administration stecken. Das ergab eine Stichprobe einer Arbeitsgruppe von Sun bei 35 Unternehmen. Und selbst die Prozessoren in einem Rechenzentrum - ganz zu schweigen von den Prozessoren an den Arbeitsplätzen - verschwenden bis zu 80 Prozent ihrer Zeit mit Nichtstun. Einige Techniken, hier mehr Effizienz ins Computing zu bringen, sind schon in der Praxis. Prozessoren werden zu Grids (quasi Rechengittern) zusammengeschaltet. Ganze Server zu Clustern (Gerätegruppen, die wie ein Rechner agieren). Server werden schlanker und als abgespeckte Blade-Server (kaum mehr als eine Platine mit dem Mikroprozessor) zu ganzen Türmen gebündelt. Ohne passende Software läuft nichts Wirklich funktional werden solche Hardware-Konzepte nur mit der richtigen Software. Was nützt es beispielsweise, stapelweise kleine und preiswerte Linux-Rechner in Schränke zu schieben und sie anschließend nicht von einem Platz aus administrieren zu können? Sie womöglich vor Ort neu starten zu müssen, wenn sie mal abgestürzt sind? Alle Hardware-Hersteller stecken heute einen Großteil ihrer Entwicklungsanstrengungen in Software. Auch solche, die bislang glaubten, das sei eigentlich der Job ihres Betriebssystempartners. Es geht darum, die Rechner aus ihren Boxen zu holen und einzelne Komponenten vollends mit dem Netz zu verschmelzen. Speicherkapazität erlebt ein Anwender entweder haptisch mit seiner portablen Festplatte oder in der Wolke des Netzes. Ob der Speicherturm dabei in München oder in New York steht, ist gleichgültig. Die Systemsoftware, die dies leisten soll, ist also eine Art Netz-Betriebssystem. The computer is the network, lautet das Motto. Solch ein "Betriebssystem" kann natürlich nicht mehr von einem einzelnen Anbieter kommen. Jeder Hard- und Software-Hersteller wird also daran zu messen sein, wie teamfähig er sich verhält. Die Hardwarehersteller wandeln sich zu Architekten der Information. Zum Teil gießen sie ihre Informationsarchitekturen in Silizium, zum Teil schreiben sie Software. Ihr wirtschaftlicher Erfolg wird sich ganz einfach an der Verwendbarkeit im Unternehmensnetz zeigen und der damit einhergehenden Wirtschaftlichkeit. (*) Dr. Helmut Wilke war bisher in verschiedenen Positionen in der IT-Branche tätig. Er ist seit 1. Mai 2001 Geschäftsführer und Vizepräsident der Sun Microsystems GmbH. Lesen Sie mehr über den Sun Microsystems Deutschland-Chef in seinem Portrait weiter ...

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