Im Dezember in Frankfurt festgenommen
Bin-Laden-Anhänger sollen vor deutsches Gericht kommen

Von islamistischen Extremisten geht nach Einschätzung von Sicherheitsexperten auch in Deutschland eine große Gefahr aus. Das habe spätestens die Festnahme von fünf mutmaßlichen Terroristen in Frankfurt am Main deutlich gemacht, die nach Informationen des Verfassungsschutzes Ende vorigen Jahres eine Bombe auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt zünden wollten.

ap FRANKFURT/MAIN. Die Gruppe war nach Angaben von Ermittlern in einem Lager des Topterroristen Osama bin Laden in Afghanistan ausgebildet worden. In der Frankfurter Wohnung, wo vier mutmaßliche Angehörige einer Mudschaheddin-Gruppierung am 25./26. Dezember verhaftet wurden, fand die Polizei ein ganzes Arsenal von Waffen und Sprengstoff.

Gegen die aus Algerien, Irak und Frankreich stammenden mutmaßlichen Terroristen wird voraussichtlich im Herbst Anklage erhoben, wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten, am Mittwoch mitteilte. Bei welchem Gericht der Prozess stattfinden soll, will die Ermittlungsbehörde noch nicht öffentlich machen. Auch zu den Ermittlungsergebnissen würden keine Einzelheiten mitgeteilt, sagte Scheuten. Anfang April wurde in Frankfurt noch ein Algerier festgenommen, der den Anschlag in Straßburg mitgeplant haben soll.

Seit Aufdeckung der Frankfurter Terrorgruppe konzentrieren Polizei und Nachrichtendienste ihre Ermittlungen auf die Bin-Ladin-Anhänger in ganz Europa. In Italien und England wurden mutmaßliche islamistische Terroristen festgenommen. Die bei London gefassten Männer hatten Pläne für die Herstellung des Nervengases Sarin. In Deutschland bestehen laut Verfassungsschutzbericht mehrere Netzwerke arabischer Glaubenskrieger. In Verbindung mit der Bin-Laden-Organisation "Al Kaida" stünden vor allem Anhänger der islamistischen Strömung "Takfir wa'l - Hijra", heißt es.

Wie der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven im TV-Sender Phoenix erklärte, ist es Teil der konspirativen Strategie, dass die Gruppen voneinander nur wenig wissen. Bin Ladin kenne die modernen Abhörmethoden und gebe daher seine Anweisungen wahrscheinlich nur im direkten Gespräch zu seinen Vertrauten weiter, sagte Tophoven.

Finanzchef vor drei Jahren an USA ausgeliefert

Nach einem Bericht von "Spiegel-online" hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Verdächtigen in Frankfurt rund um die Uhr observieren lassen. "Als es Hinweise gab, dass Teile der Waffen weggeschafft werden sollten, befahl die Bundesanwaltschaft den Zugriff. Das Risiko, noch weiter zu warten, schien ihr zu hoch", hieß es. Bis heute sei die Aktion unter Sicherheitsexperten umstritten. Die Verfassungsschutzbehörde hätte die Beobachtung fortsetzen wollen, um weitere Hintermänner der Gruppe ausfindig zu machen.

Dem Bericht zufolge haben die Inhaftierten bisher zum Hauptvorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung geschwiegen. Bei einem von ihnen handele es sich um einen 25-jährigen abgelehnten Asylbewerber, der Drogenhandel zugegeben habe.

Der mutmaßliche Finanzchef der Bin-Ladin-Organisation war nach den Anschlägen in Afrika am 16. September 1998 in Grüneck (Landkreis Freising) bei München verhaftet worden. Der 40-jährige Sudanese Salim Mamdouh Mahmud wurde im Dezember an die USA ausgeliefert. Der aus Saudi-Arabien stammende Millionär bin Ladin wird unter anderem für die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Tansania und Kenia vom 7. August 1998 verantwortlich gemacht, bei denen insgesamt 224 Menschen ums Leben kamen. Auch der Selbstmordangriff auf den US-Zerstörer "Cole" in Jemen, bei dem 17 Menschen starben, soll bin Laden angeordnet haben.

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