Im Duell der Datenbank-Hersteller wird mit harten Bandagen gekämpft – Microsoft robbt sich an die beiden Marktführer heran
Wettbewerb zwischen Oracle und IBM nimmt an Schärfe zu

Das US-Softwarehaus Oracle hatte in den vergangenen Jahren die Federführung bei der Datenbank-Verwaltung übernommen. Doch in der jüngsten Auseinandersetzung zwischen Oracle und IBM wird hart um die Marktanteile und somit die führenden Plätze gerungen.

Datenbanken bilden das Herz der automatisierten Datenverarbeitung. Das klingt simpel, fast wie eine abgedroschene Binsenweisheit. Doch wenn ihre Datenbanken nicht zuverlässig arbeiten, haben IT-Chefs schlaflose Nächte. In den Listen relationaler Datenbanken befindet sich schließlich der wichtigste Rohstoff ihrer Unternehmen - Informationen. Unordnung bei der Aufbereitung von Daten führt ganz schnell in den Ruin. Auch das Internet als Basis für eine weltweit verteilte Verarbeitung und Speicherung von Daten ändert daran nichts. Im Gegenteil: Auf Datenbestände muss nun sogar rund um die Uhr zugegriffen werden können.

Das US-Softwarehaus Oracle hatte in den vergangenen Jahren die Federführung in diesem wichtigen und stark wachsenden Markt übernommen. Mit seinen ständig in der Öffentlichkeit ausgetragenen Scharmützeln mit Intimfeind und Microsoft-Gründer Bill Gates oder dem SAP-Chef Hasso Plattner hatte es Oracle-Chef Larry Ellison immer wieder verstanden, sein Unternehmen in die Schlagzeilen zu bringen und damit bekannt zu machen.

Doch in der jüngsten Auseinandersetzung zwischen Oracle und IBM geht es um mehr als nur um persönliche Animositäten. Nüchterne Zahlen um Marktanteile lassen inzwischen sogar den mitteilsamen Ellison ruhiger werden. Zwar wurde eine Aussage von einer führenden IBM-Mitarbeiterin, wonach IBM bei der Datenbanksoftware Oracle mittlerweile vom ersten Platz verstoßen habe, von anerkannten Marktforschungsinstituten wie der Gartner Group/Dataquest oder der International Data Corporation (IDC) so noch nicht bestätigt. Doch Oracles Vorsprung war zuletzt ohnehin nicht mehr besonders groß. Dataquest-Zahlen vom Mai vergangenen Jahres (die derzeit aktuellsten) sahen Oracle mit einem Marktanteil (gemessen am Umsatz) von 31,1 % an der Spitze; für IBM wurden 29,9 % ausgewiesen. 1998 war Oracles Vorsprung mit 30,7 % zu 30,0 % noch knapper. Auf den Plätzen folgten mit weitem Abstand Microsoft, Informix und Sybase mit Marktanteilen zwischen 13,1 bis 3,3 %.

Für das Überholmanöver fehlt noch die Überhol-Möglichkeit

Schlagzeilen wie "IBM hat Oracle überholt" sind somit noch nicht zu belegen. Aber auch die Zahlen, mit denen Larry Ellison gerne Oracles Vorherrschaft bei Datenbanken belegen will, sind in dem Kontext, in dem der Oracle - Chef sie präsentiert, Etikettenschwindel. Oracle hat, wie Ellison immer wieder gerne behauptet, nur dann einen doppelt so hohen Marktanteil wie IBM, wenn man IBMs Geschäft mit seinen Stammkunden - in erster Linie sind das Großrechner und AS/400-Mittelstandsrechner - ausklammert. Aber gerade diese Computer stehen bei großen Kunden, die in der Regel auch sehr große Datenbanken pflegen. Nicht zuletzt sind es auch genau diese Kunden, die noch lange den Umsatz von "Big Blue" auf einem recht hohen Niveau halten werden.

So ist eine differenzierte Betrachtung angebracht: IBM ist der Erfinder der relationalen Datenbanken und hat diesen Markt in der Ära der Großrechner mit seinem Produkt DB2 besetzt. Oracle (aktuelle Version 8 i) kann für sich in Anspruch nehmen, bei Unix-Servern im Rahmen von Client/Server-Lösungen der führende Anbieter von Datenbank- Software zu sein. Zu erwähnen bleibt lediglich noch die Microsoft Corp., die sich auf Grund ihrer Marktmacht bei PC-Software Schrittchen für Schrittchen den beiden Datenbank-Giganten nähert.

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