Im Durchschnitt 16 500 Euro Festgehalt
Arme Aufsichtsräte

Das Geschäftsjahr 2001 der Adidas Salomon AG war ein gutes. Der Umsatz stieg um 5 % auf 5,8 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss wuchs um 15 % auf 208 Mill. Euro. "Wir wollen bei Umsatz und Ergebnis weiter zulegen", sagte eine Sprecherin des weltweit zweitgrößten Sportartikelherstellers vergangenen Februar.

HB DÜSSELDORF. Viel kaufen konnte sich Adidas Aufsichtsratschef Henri Filho nicht davon. Gerade mal 31 000 Euro verdiente der Franzose 2001. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin, die "Karriere & Management" exklusiv vorliegt. Filho lag damit am unteren Rand der Vergütungsspanne der 30 Dax-Unternehmen. Nur Lufthansa zahlte ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden, Klaus Schlede, weniger (20 500 Euro). Klaus Ziegler, Aufsichtsratschef der Epcos AG ist mit 40 000 Euro Gesamtvergütung der Dritte am unteren Ende der Fahnenstange.

Deutsche Aufsichtsratsvorsitzende verdienen zu wenig. Im Schnitt sind es rund 115 000 Euro im Jahr, Tantiemen und langfristige Anreize (Long Term Incentives, LTI), soweit vorhanden, inklusive. "Die Gesamtvergütung sollte in dieser Position mindestens 250 000 Euro betragen", sagt Michael Kramarsch, Vergütungsexperte von Towers Perrin.

Auch bei stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und den Ausschussmitgliedern müssten die Unternehmen künftig mehr drauf legen. Bisher würden viele einfache Mitglieder, die lediglich viermal im Jahr zu den Sitzungen erscheinen, zu viel bekommen. Als Faustregel sollte der Vorsitzende das Drei- bis Fünffache, der Stellvertreter das Zwei- bis Dreifache eines normalen Mitgliedes erhalten.

"Verantwortung und Zeitwaufwand ist gewachsen"

Rückendeckung bekommt der Vergütungsexperte von Gerhard Cromme. Als Hauptverantwortlicher des Corporate Governance Codex hat er 50 Verhaltensempfehlungen für Aufsichtsräte, Vorstände und Wirtschaftsprüfer erstellt: "Die Verantwortung des Aufsichtsrats und damit auch der Zeitaufwand ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen unter anderem durch gesetzliche Änderungen, die zu mehr Kontrolle und Transparenz verpflichten. Und das muss entsprechend vergütet werden", sagte er im Juni im Handelsblatt-Gespräch (siehe Service & Adressen).

Cromme weiß, wovon er spricht. Er ist Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp. 2001 verdiente er laut Studie rund 70 000 Euro. Auch wenn das Gehalt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Thyssen-Krupp damit zu niedrig ist - nach Ansicht von Kramarsch stimmt die Relation zwischen fixer und variabler Vergütung (etwa 50:50).

"Die variable Entlohnung birgt immer das Risiko, ins uferlose zu wachsen", begründet Kramarsch den relativ hohen Anteil an fester Vergütung. Bisher sei sie fast ausschließlich an die Höhe der Dividenden gebunden. "Das ist kein Maßstab für den Erfolg eines Unternehmens." Selbst wenn eine Aktie an Wert verlöre und das Unternehmen keinen Gewinn machte, könnten Vorstand und Aufsichtsrat die Dividenden auf gleicher Höhe halten.

"Gefahr, dass Aufsichtsrat seiner Aufgabe nicht nachkommt"

Die Gefahr sieht auch Willi Bender, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). "Oft werden Gewinne ausgeschüttet, die lediglich aus dem Verkauf von Teilbereichen eines Unternehmens stammen und nicht aus dem operativen Geschäft." Als Beispiel nennt er die BASF AG, die ihren Pharmazweig verkaufte. Einer variablen Vergütung steht er skeptisch gegenüber. "Es besteht immer die Gefahr, dass der Aufsichtsrat seiner Aufgabe als Kontrollorgan nicht nachkommt, wenn er am Erfolg des Unternehmens beteiligt ist."

Aufsichtsratschef Giuseppe Vita von der Schering AG dürfte von dieser Sichtweise wenig halten. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns erhielt 2001 im Dax 30 mit Abstand am meisten Tantieme - laut Studie 336 >000 Euro. Andererseits betrug sein Festgehalt nur um die 6 000 Euro.

"Für ein Unternehmen, das sich in einer kritischen Situation befindet, kommt ein derart hoher variabler Anteil nicht in Frage", sagt Heinz Evers, Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Management Consultants. Schon die fixe Vergütung müsse deshalb attraktiv genug sein, um kompetente Manager in das Kontrollgremium holen zu können.

Im Durchschnitt 16 500 Euro Festgehalt

Doch gerade die Fixgehälter fallen im Dax 30 sehr unterschiedlich aus, belegt die Studie: Spitzenreiter ist Fresenius, der seinem Aufsichtsratsvorsitzenden rund 136 000 Euro zahlte. Im Durchschnitt bekommen die Aufsichtsratschefs der 30 Dax-Unternehmen nur 16 500 Euro Festgehalt.

Kramarsch empfiehlt deshalb, auch langfristige Anreize in ein Vergütungssystem aufzunehmen - und befindet sich damit auf der Linie des Corporate Governance Codex (siehe Kasten). "LTI entsprechen am besten der Aufgabe des Aufsichtsrates als strategischer ?Sparring Partner? des Vorstandes zu agieren. Denn ob er diesen Job erfüllt, lässt sich nicht an den Quartalszahlen messen." Vorstellbar wären Aktien, die der Vorsitzende halten muss, solange er im Unternehmen ist.

Vielleicht wird auch Adidas-Aufsichtsratschef Filho in Zukunft davon profitieren. "Wir arbeiten gerade an einer neuen Corporate Governance für unser Unternehmen", sagte eine Sprecherin. Bisher zahlt der Sportartikelhersteller weder Tantiemen noch LTI.

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