Im europäischen Vergleich haben deutsche Baufirmen am härtesten zu kämpfen
Lichtblick für die Bauwirtschaft im kommenden Jahr

Fehlende Bauvorhaben der öffentlichen Hand halten Europas Bauwirtschaft weiter in der Talsohle. Das probate Gegenmittel der Baukonzerne: Fusionen, Zusammenschlüsse und Verkauf der Randsparten.

Es ist nicht viel los am Bau: Gemäß einer Erhebung der Marktforscher von Euroconstruct, einem Institut mit dem Schwerpunkt Bauwirtschaft, ist der Bausektor in Westeuropa 2001 gerademal um 0,1 % gewachsen. Auch fürs laufende Jahr prognostizieren die Marktforscher nur einen Zuwachs von 0,5 %.

Das raue Konjunkturklima hat die europäischen Bau-Riesen dazu gezwungen, alle Sparten zu verkaufen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, und eine weitere Konsolidierungsrunde einzuläuten. Beispiele dafür sind der Zusammenschluss von Lafarge SA mit der britischen Blue Circle Industries PLC für 3,1 Mrd. Euro und die Fusion zwischen Vinci S.A. und seinem französischen Konkurrenten Groupe GTM.

Baufirmen passen sich in der Regel der Konjunktur des Landes an, in dem sie vorrangig tätig sind. Deshalb waren Unternehmen in Deutschland, wo der Bausektor 2001 zurückging, schlechter dran als europäische Konkurrenten, beispielsweise aus Spanien. Diese verzeichneten in derselben Periode ein Wachstum, weil sie von den Ausgaben für Infrastruktureinrichtungen profitierten.

Während also hierzulande die Philip im März dieses Jahres Insolvenz anmelden musste, verzeichneten die zwei größten spanischen Baufirmen ACS und Dragados einen 10-prozentigenigen Gewinnanstieg in den ersten drei Quartalen des Jahres 2001.

Und auch den französischen Firmen erging es nicht schlecht. Lafarge erzielte 2001 durch Synergieeffekte nach der Übernahme von Blue Circle einen leichten Zuwachs des Nettogewinnes von 726 Mill. Euro im Jahr 2000 auf 750 Mill. Euro. Und Cie. de Saint-Gobain meldete ein Plus von 2,9 % auf 1,06 Mrd. Euros im Vergleich zu 1,03 Mrd. Euros im Jahr 2000 - obwohl der französische Bausektor 2001 insgesamt nur um 1,5 % zugelegt hatte.

Im europäischen Vergleich hatten deutsche Baufirmen am härtesten zu kämpfen. Marcos Hernandez, Bauanalyst bei der Investmentbank Merrill Lynch, interpretiert es so: "Deutsche Baufirmen haben in der Vergangenheit als Folge der Sanierungen und Infrastrukturerweiterungen nach der Wiedervereinigung überexpandiert." Nach dem Zusammenbruch von Holzmann begannen deutsche Firmen wie Hochtief AG und Bilfinger Berger AG umzustrukturieren und trennten sich von allen Sparten, die nicht zum Kerngeschäft zählten.

Trotz des schlechten vergangenen Jahres scheint das schlimmste vorüber zu sein. Einige Firmen schöpfen Hoffnung. Sie könnten Recht behalten: Für 2003 prognostiziert Euroconstruct der westeuropäischen Bauindustrie ein Zuwachs von 1,3 %.

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