Im Frühjahr trifft Lennox Lewis auf Mike Tyson – Der lukrativste Kampf der Boxgeschichte beschäftigte auch die Justiz
Cinderella und das Biest

Die beiden Schwergewichte Lewis und Tyson erhalten für ihren Fight am 6. April eine Traumgage von je 20 Millionen Dollar. Doch es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um jede Menge Prestige: Die Oldies kämpfen um einen würdigen Platz in den Annalen des Boxsports.

Es fiel Lennox Lewis leicht, nach seinem K.o.-Sieg über Hasim Rahman durch den Ring zu tanzen. Schließlich hatte der Brite mit einer Rechten nicht nur den Champion wie eine Eiche gefällt und so sein Image wieder aufpoliert. Den Comeback-König beflügelte bei seiner euphorischen Ringeinlage auch der Blick in die Zukunft. "Jetzt will ich Mike Tyson", tönte der Schwergewichts-Weltmeister, "seit meinem Kampf 1999 gegen Evander Holyfield warte ich auf diese Gelegenheit." Dollarzeichen in den Augen, den Platz in der Boxgeschichte im Sinn. Denn der Weg zu Ruhm, Ehre und Moneten führt in der Königsklasse immer noch über Mike Tyson.

Der Skandalboxer ist ein Publikumsmagnet, weil er das Böse und Dunkle symbolisiert und stets Schlagzeilen liefert. Auch nach Lewis? Triumph fiel "Iron Mike" sofort die richtige Antwort ein. "Fang? schon mal an, deine Tage als Champion zu zählen", frohlockte der Amerikaner, "bald ist Deine Regentschaft vorbei." Doch die Inszenierung des Wunschduells begann, wie üblich, mit Komplikationen: Tyson wollte als Vorbereitung zunächst am 19. Januar gegen seinen Landsmann Ray Mercer kämpfen. Doch da spielte Lewis nicht mit. Der Weltmeister der Boxverbände WBC und IBF schaltete das Bezirksgericht in Manhattan ein.

Zeit ist in diesem Fall wirklich Geld

In seiner Klageschrift gegen den ehemaligen Weltmeister und das WBC führte Lewis an, durch einen Kampf Tyson gegen Mercer "finanziell Schaden erleiden zu können". Im Klartext: Bei einer Niederlage oder Verletzung von "Iron Mike" hätte das Mega-Spektakel seinen Reiz verloren oder wäre in weite Ferne gerückt. Doch da die beiden Protagonisten am Ende ihrer Laufbahn stehen - Lewis ist 36 Jahre alt, Tyson 35 - ist in diesem Fall Zeit wirklich Geld. Zwar war Tyson vergangene Woche "erbost, dass sich Lennox in meine Karriere einmischt". Doch nun lenkte das Enfant terrible der Königsklasse angesichts des Rekordzahltags und einer möglichen Niederlage vor Gericht ein. "Dies ist ein Geschäft und ich bin sicher, dass Ray versteht, warum ich Lennox jetzt ausschalten muss."

Eine Pro-Kopf-Börse von mindestens 20 Millionen Dollar ist ein stichhaltiges Argument. Der damit millionenschwerste WM-Kampf der Boxgeschichte soll nach Auskunft von Lewis? Trainer Emmanuel Stewart am 6. April über die Bühne gehen. Voraussetzung ist aber, dass sich die rivalisierenden TV-Networks HBO (Lewis) und Showtime (Tyson) einigen. "Wir hatten in der Vergangenheit viele Gespräche mit Showtime", meinte HBO-Präsident Ross Greenburg, "jetzt ist es an der Zeit, endlich Nägel mit Köpfen zu machen." Ein derartiger Fight verspricht das letzte große Pay-per-View-Geschäft in der müden Schwergewichtsklasse. Denn neben Lewis und Tyson steht auch Evander Holyfield kurz vor dem Ruhestand und hinter dem illustren Trio folgt ein Feld der Namenlosen.

Mit einem Sieg über Tyson würde Lewis seine Kritiker endgültig verstummen lassen

Lewis will Tyson. Tyson will Lewis. Und auch viele Boxfans auf der ganzen Welt dürften sich bei diesem Hit noch einmal den Wecker stellen. Denn es geht nicht nur um viel Geld, sondern auch um das Vermächtnis im Reich der Faustkämpfer. "Als Muhammad Ali Champion war, gab es mit Joe Frazier und George Foreman zwei auf höchstem Niveau boxende Konkurrenten", erklärte Lennox Lewis, "in meiner Ära glänzten noch Holyfield und Tyson. Da ich gegen Holyfield schon zweimal geboxt habe, wäre ein Kampf gegen Tyson das letzte Stück des Puzzles." Der Brite konnte sich zwar mit seinem Sieg über Hasim Rahman zum dritten Mal die Schwergewichts-Krone aufsetzen, doch seine wirkliche Klasse ist nach wie vor umstritten. Mit einem Sieg über Tyson würde Lewis seine Kritiker endgültig verstummen lassen. "Wenn ich Tyson geschlagen habe, kann ich ruhigen Gewissens abtreten und den Jüngeren das Rampenlicht überlassen", so Lewis.

Auf der Weltbühne stehen wird 2002 endlich auch Witali Klitschko. Der in Hamburg lebende Ukrainer, der am vergangenen Samstag seinen WM-Fight gegen den Amerikaner Ross Puritty gewann, wurde zur Nummer zwei der WBC-Weltrangliste bestimmt und ist damit der Pflichtherausforderer für den Sieger des Kampfes zwischen Titelverteidiger Lewis und dem Ranglisten-Ersten Tyson. Letztgenannter ist darauf bedacht, nach Jahren in der zweiten Reihe noch einmal einen Volltreffer zu landen. "Die Schwergewichtsklasse ist mein Schicksal und ich möchte mir endlich wieder die WM-Gürtel umschnallen", sagte Tyson, der zuletzt 1996 Weltmeister war, gegen Holyfield verlor und im Rückkampf zum Box-Kannibalen mutierte.

Tyson droht neues Unheil

Der unberechenbare "Ohrenbeißer" tat nach seinem Kampf gegen Lou Savarese vor 17 Monaten noch einmal etwas für sein Psycho-Image, indem er sich als "brutalsten Champion aller Zeiten" bezeichnete und Lennox Lewis warnte: "Ich will Dein Herz und Deine Kinder essen." Mittlerweile hat er jedoch verbal einen Gang zurückgeschaltet. "Nimm? weiter Schauspielunterricht, Lennox, denn deine nächste Rolle wird Cinderella sein. Im April werde ich Dein Glaskinn brechen." Solche Sprüche sind natürlich gut für ein Geschäft, das nach Intrigen und Skandalen an Zugkraft verlor und nun durch den Megafight Punkte sammeln will.

Doch ausgerechnet jetzt droht neues Unheil: Eine Frau in Las Vegas behauptet nämlich, von Tyson vergewaltigt worden zu sein. Ende des Jahres will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Anklage gegen den Ex-Champion erhoben wird. Falls ja, ist der Mega-Fight doch wieder in Gefahr.

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