Im Gastgewerbe scheitern besonders viele Jungunternehmer
Handwerk bietet Gründern ein solides Fundament

Die Chancen, eine eigene Firma aufzubauen sind im Handwerk gut. So lautet das eher überraschende Ergebnis einer Studie in Nordrhein-Westfalen. Und: Die Gründer schaffen dauerhafte Arbeitsplätze.

HB DÜSSELDORF. Es gibt noch Lichtblicke. Als vor zwei Jahren ein Straßen- und Tiefbauunternehmen am Niederrhein gegründet wurde, war noch nicht absehbar, dass sich daraus binnen kürzester Zeit ein erfolgreiches Unternehmen mit mittlerweile sechs Mitarbeitern entwickeln würde. Trotz schwieriger Lage im Handwerk, speziell im Baugewerbe, konnte sich das kleine Unternehmen schnell im Markt behaupten und expandieren.

Dies ist nur ein Beispiel, welche detaillierte Informationen inzwischen über die Entwicklung von mehr als 8 000 Unternehmensgründungen in Nordrhein-Westfalen vorliegen. Seit drei Jahren existiert das "Gründungspanel NRW", das mit Unterstützung des Landes aufgebaut wurde. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle der nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) erforscht dabei gemeinsam mit der Universität Lüneburg den Verlauf von Existenzgründungen im Handwerk.

Jobwunder Handwerk

Die Erkenntnisse überraschen die Experten: Existenzgründer aus dem Handwerk haben danach bereits nach einem Jahr im Durchschnitt rund zwei Mitarbeiter und schaffen bis zum fünften Jahr weitere dreieinhalb Stellen. "Allein in den ersten beiden Jahren liegt die Wachstumsrate der Unternehmen bei jährlich rund 25 %", berichtet Professor Reinhard Schulte vom Lehrstuhl für Gründungsmanagement an der Universität Lüneburg, der für die wissenschaftliche Auswertung der Erhebung zuständig ist. Nur jeder elfte Betrieb habe in dieser Zeit noch keine Einstellungen vorgenommen, sagt Schulte.

Da Handwerksbetriebe verglichen mit allen anderen Wirtschaftsbereichen ausgesprochen "bestandsfest" seien, könne man davon ausgehen, dass hier auf Dauer Beschäftigung geschaffen werde. "Innerhalb der ersten zwei Jahre nach Existenzgründung sind nicht einmal zwei Prozent der Gründer zur Aufgabe gezwungen. Das Vorurteil vom schnellen Scheitern eines jeden zweiten Gründers muss damit endgültig in das Reich der Fabel verwiesen werden", betont Schulte. "In dem Gründungspanel werden gerade die Probleme und Besonderheiten kleiner und kleinster Unternehmen sehr gut abgebildet. Die Daten beziehen sich auf echte Existenzgründungen, deren Zahl nicht durch Scheingründungen, Nebenerwerbsgründungen oder Ausgründungen aus Großunternehmen verzerrt werden."

Bisher wurde die Anzahl der jährlichen Unternehmensgründungen aus der Statistik der Gewerbeanmeldungen in Deutschland abgeleitet. Danach ist die Anzahl der Gründungen seit 1998 von 811 000 bis zum Jahr 2001 auf 729 000 kontinuierlich zurückgegangen. "Nicht jede Anzeige eines Gewerbes führt auch zur Aufnahme eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes", gibt auch eine Mittelstandsstudie des Kölner Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) zu bedenken. Branchenübergreifend weisen gerade kleinere Unternehmen laut IW eine hohe "Sterbewahrscheinlichkeit" im ersten Jahr nach der Gründung auf. Besonders hoch ist diese Rate im Gastgewerbe.

Nach Erhebungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland im Jahr 2001 insgesamt um 6 % zurückgegangen. Besonders dramatisch ist die Lage in Ostdeutschland, wo die Zahl neu gegründeter Unternehmen um 9 % sank. Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage und die pessimistischen Konjunkturprognosen wirkten sich vor allem negativ auf Unternehmensgründungen in der Baubranche und im Handel aus. Auch bei den so genannten unternehmensnahen Dienstleistern wie Ingenieurbüros, Werbeagenturen oder Gebäudereinigern sank die Zahl der Unternehmensgründungen um 8 %.

Ganz anders stellt sich die Situation offenbar im Handwerk dar. Dort verzeichnen die Forscher reges Wachstum.

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