Im Gegensatz zu Wettbewerbern wächst Alltours weiter
Alltours-Chef Verhuven: „Kleiner und Kostengünstiger“

Alltours-Eigentümer Willi Verhuven über seine Strategie gegen die großen Tourismuskonzerne und die düstere Zukunft der Branche.
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DÜSSELDORF. Herr Verhuven, Ihre Konkurrenten klagen über Buchungsrückgänge in zweistelliger Höhe und sinkende Gewinne. Sie auch?

Nein. Wir haben ein sehr gutes Jahr. Unser Sommergeschäft liegt sogar über Plan. Und wir wollten gegenüber dem Vorjahr fünf Prozent mehr Passagiere befördern und unseren Umsatz um sieben Prozent steigern. Besonders gut läuft bei uns das Ferienland Türkei, wo wir sogar noch 30 000 Flugssessel nachgekauft haben. Und selbst in Mallorca, wo alle anderen massiv verlieren, haben wir noch drei Prozent zugelegt.

Ihre Mitbewerber klagen aber, dass Alltours nur dank seiner Kampfpreise wächst. Als Privatunternehmer könnten Sie so knapp kalkulieren, dass Sie nur deswegen Gewinne machen, weil Sie die Vorauszahlungen Ihrer Kunden Gewinn bringend am Finanzmarkt anlegen.

Ach was. Unser Gewinn kommt im abgelaufenen Geschäftsjahr vor allem aus dem operativen Geschäft. Im Übrigen: Wie wir unser gutes wirtschaftliches Ergebnis erreichen, das ist doch unsere Sache.

Vielleicht können Sie uns trotzdem verraten, was Sie anders als die Konkurrenz machen?

Wir sind ein kleineres und inhabergeführtes Unternehmen und darüber hinaus straff organisiert, daher können wir kostengünstiger anbieten. Wir haben im Verwaltungsbereich, inklusive Putzfrau, etwa 250 Mitarbeiter. Allein die TUI-Zentrale in Hannover hat schon mehr als 2000 Beschäftigte. Hinzu kommen nochmal gut 1000 Preussag-Mitarbeiter. Da sehen Sie schon den Unterschied. Und ich bin Volltouristiker, ich kenne das Geschäft...

...das geht jetzt gegen Preussag-Chef Michael Frenzel, der ja aus der Stahlbranche kommt...

Nein, das geht gegen die ganze Branche. Da gibt es doch kaum noch erfahrene Touristiker. Ich hingegen kümmere mich noch selbst um den Hoteleinkauf. Ich mache das seit 28 Jahren, ich kenne die Zielgebiete, ich kenne die Vertragspartner. Ich kann Ihnen genau sagen, welches Hotel zum Beispiel auf Rhodos aus welchen Gründen wie gut läuft.

Ist das schon alles, was Sie unterscheidet?

Nein, wir fahren auch eine völlig andere Strategie. Unsere Wettbewerber haben sich eigene Fluglinien und Hotels eingekauft. Davon halte ich nichts. Mit dieser Strategie zerschlagen sie Unternehmensstrukturen, die über Jahre gewachsen sind, aber produzieren keinen Mehrwert. Außerdem kann man Kunden nicht in die eigenen Airlines und Hotels steuern. Die lassen sich nicht bevormunden. Wer im Reisebüro nur Angebote eines bestimmten Veranstalters bekommt, geht woanders hin.

Ihre Konkurrenten Thomas Cook und Preussag behaupten aber, dass sie so in der Krise Marktanteile gewonnen haben.

Das halte ich für eine Schutzbehauptung gegenüber den Aktionären. Klar ist auf jeden Fall, dass Frosch Touristik sowie die LTU-Veranstalter Tjaereborg und Jahn Reisen Marktanteile verlieren. Und wir gewinnen.

Wann geht es mit der Tourismusbranche insgesamt wieder aufwärts?

Ich kann mir derzeit kein weiteres Wachstum mehr vorstellen. Der Hauptgrund für die derzeitigen Buchungsrückgänge der anderen sind doch nicht die Terroranschläge oder gar die laufende Fußballweltmeisterschaft. Besonders junge Familien mit Kindern buchen weniger, weil ihre Realeinkommen gesunken sind. Und ich sehe nicht, dass die Verbraucher im kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung haben. Also müssen wir uns darauf einstellen, dass sich die Umsätze der Branche etwa auf dem Niveau des Jahres 2000 einpendeln. Der Höhepunkt ist überschritten. Die Zuwachsraten der vergangenen Jahre waren doch vor allem den Ostdeutschen zu verdanken, die nach dem Fall der Mauer das Reisen entdecken konnten.

Das klingt nach sinkenden Preisen. Erwarten Sie in dieses Jahr mehr Last-Minute-Reisen?

Ja. Der Verbraucher wartet nur darauf, dass die Preise endlich runtergehen.

Was können die Veranstalter noch tun, um der Krise zu begegnen? Mehr Spezialreisen, etwa für Senioren, oder Wellnesstouren für zahlungskräftige Kunden anbieten?

Auch diese Gruppen haben doch nicht mehr Geld zur Verfügung als früher. Außerdem sind das alles keine Neukunden. Wer heute Wellness bucht, ist auch vorher schon gereist und macht jetzt eben etwas anderes. Noch einmal: Die Zahl der Reisen wird sich in den nächsten Jahren nicht erhöhen.

Sind Pauschalreisen denn überhaupt noch zeitgemäß? Schließlich können sich die Kunden doch ganz einfach über Internet ihre Flüge und Hotelbuchungen selbst zusammenstellen.

Das machen die Touristen doch nur, wenn sie dabei sparen. Das tun sie aber nicht: Reiseveranstalter können auf Grund ihrer hohen Nachfrage viel bessere Konditionen anbieten als das Internet.

Stimmt es eigentlich, dass Sie selbst zwei Monate Urlaub im Jahr machen?

Das kommt hin, etwas Lebensqualität muss schon sein. Ich würde mir sogar gerne drei Monate Urlaub im Jahr gönnen. Ich telefoniere allerdings auch während der Ferien oft mit meinen Managern, Vertragspartnern oder Reisebüros.

Und wohin geht bei Ihnen die Reise?

Ich bin ein nordischer Typ. Mich zieht es gerne nach Kanada, Alaska, Skandinavien oder wie jetzt nach Sylt. Nicht gerade die Ziele, die Alltours bevorzugt anbietet. Insofern bin ich kein guter Kunde meines eigenen Unternehmens.

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