Im Geschäftsjahr 2002/03 wird Verlust erwartet
Heidelberger Druck sieht erstmals Rot

Zum ersten Mal in der mehr als 150-jährigen Firmengeschichte wird der Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck im laufenden Geschäftsjahr 2002/03 rote Zahlen schreiben. 2003/04 sieht der Konzern aber wieder Gewinne.

Reuters HEIDELBERG. Der Fehlbetrag werde sich bis Ende März auf 50 Millionen bis 70 Millionen Euro summieren, teilte der weltweite Branchenführer am Dienstag in Heidelberg mit. Auch der Umsatz werde mit 4,1 bis 4,2 Milliarden Euro die bereits zurückgeschraubten Erwartungen verfehlen. "Die Investitionszurückhaltung ist so groß, dass es nicht schlimmer werden kann", sagte Finanzvorstand Herbert Meyer im Gespräch mit Reuters. Auch 2003/04 sei allenfalls mit kleinen Umsatzzuwächsen zu rechnen. Den Umsatzeinbruch will Heidelberger Druck nun mit Kurzarbeit auffangen.

Noch im November hatte sich Vorstandschef Bernhard Schreier zuversichtlich gezeigt, das Geschäftsjahr unter dem Strich mit einem Gewinn abzuschließen. Die Heidelberg-Aktie fiel zeitweise um acht Prozent auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang 1997. Später grenzte das Papier seine Verluste auf 5,5 Prozent ein und hielt bei 18 Euro.

Keinerlei Anzeichen für eine Erholung

Bereits in den ersten neun Monaten rutschte der Konzern nach eigenen Angaben mit 82 (Vorjahr: plus 84) Millionen Euro tief in die Verlustzone. Im Ergebnis des dritten Quartals seien 126 der insgesamt 140 Millionen Euro enthalten, die für die Trennung von 2200 Mitarbeitern und weit reichende Umstrukturierungen in den Werken veranschlagt sind. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen brach um 70 Prozent auf 48 Millionen Euro ein. Analysten hatten 63 Millionen Euro erwartet. Der Verlust an sich sei keine Überraschung mehr gewesen, sagte Analyst Harald Rehmet von der Landesbank Baden-Württemberg. "Die wichtigste Botschaft ist: Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Erholung."

Die Bogenoffset-Sparte konnte die Verluste in den Bereichen Rollenoffset, Digitaldruck und Druck-Weiterverarbeitung nicht ausgleichen. Der Umsatz ging in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück. Im dritten Quartal blieben bei einem Umsatzrückgang um 21 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro operativ zwölf (51) Millionen Euro Gewinn übrig.

"Trotz der leichten Verbesserung im dritten Quartal konnten wir keine wesentliche Belebung in den für uns wichtigen Märkten Deutschland, USA und Brasilien erkennen", erklärte Schreier. Der Auftragseingang erholte sich im dritten Quartal (von Oktober bis Dezember) zwar um zehn Prozent, lag in den ersten drei Quartalen mit 3,1 Milliarden Euro aber um 11,5 Prozent unter Vorjahr. Vor allem mittelständische Kunden hätten ihre Bestellungen zum Teil "sehr, sehr kurzfristig" verschoben, sagte Finanzvorstand Meyer. Heidelberger Druck leidet wie seine Konkurrenten Koenig & Bauer und die zuletzt ebenfalls in die Verlustzone gerutschte MAN Roland stark unter der Konjunkturflaute auf dem Werbe- und Anzeigenmarkt.

Kurzarbeit an drei Standorten

Angesichts des Auftragseinbruchs lässt Heidelberger Druck im Februar und März an drei Standorten kurz arbeiten. Im Hauptwerk in Wiesloch seien davon 2700 der 6300 Beschäftigte betroffen, in Amstetten und Brandenburg weitere 900, erläuterte Meyer. Weitere Kürzungen seien nicht geplant, die Personalplanung sei auf das gegenwärtige Umsatzniveau ausgerichtet.

Mit Hilfe des Restrukturierungsprogramms, das 200 Millionen Euro einsparen helfen soll, werde Heidelberger Druck 2003/04 auf jeden Fall in die schwarzen Zahlen zurückkehren, äußerte Meyer sich überzeugt. "Auf der Umsatzseite werden wir wenig Steigerung sehen", sagte er. Ob Heidelberger Druck 2002/03 eine Dividende zahlen werde, ließ der Finanzchef offen. Sie werde sich an der um die Einmaleffekte bereinigten Ertragskraft orientieren. Für 2001/02 hatte der Konzern 1,40 Euro je Aktie gezahlt.

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