Im Gespräch mit: Chuck Porter
„Lasst uns Spaß haben“

Klein ist groß, groß ist klein: Das Web verschiebt das Machtgefüge in der Wirtschaft. Nischenanbieter florieren, Konzerne erzielen mit geringstem Aufwand große Wirkung. Das sagt auch Chuck Porter, Mitgründer der Werbeagentur Crispin Porter + Bogusky.

Crispin Porter + Bogusky hat sich den Ruf erworben Spezialist für virales Marketing zu sein. Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Niemand hat solch ein Rezept, ich auch nicht. Wir wissen nicht, ob eine virale Kampagne funktioniert. Wir haben aber einen guten Instinkt.

Und wann sagt der Ihnen: "Es könnte klappen"?

Viral bedeutet: Die Leute schicken es ihren Freunden. Und sie messen mich daran, was sie von mir bekommen. Ich will ihnen also etwas zusenden, das sie gut von mir denken lässt. Niemand würde zum Beispiel einen Vertreter zum Haus eines Freundes schicken - denn wer redet gern mit Vertretern? Wenn die Leute direkt durchblicken, dass es bei einer Kampagne nur darum geht, ein Produkt zu verkaufen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich die Werbung viral verbreitet. Und ich glaube, das ist der Haken bei vielen Viral-Marketing-Versuchen: Es ist eine dünn verpackte Werbeansage, die niemanden interessiert.

Ihr Unternehmen gilt als Kreativagentur. In Deutschland klagen viele Werber, sie könnten ihre Kunden nicht überzeugen, neue und ungewöhnliche Ideen mitzutragen, die dann vielleicht Verbreitung finden. Wie schaffen Sie es?

Ich glaube, das ist eine Ausrede. Es ist sehr einfach zu sagen: "Die Arbeit ist nicht gut, weil der Klient es nicht zuließ." Wir hatten immer Kunden, die wir überzeugen mussten, mehr Risiko zum Wohle ihrer Marke auf sich zu nehmen. Und es war immer unsere Erfahrung: Wenn dem Klienten nicht gefällt, wovon du redest - fang von vorne an. Das ist oft besser, als sich in der Mitte zu treffen. Bei uns muss eine Idee uns gefallen - und dem Kunden. Es ist der Job einer Agentur, dafür zu sorgen, dass Verbraucher eine Marke wahrnehmen.

Die Werbewelt scheint derzeit dominiert vom Thema Online-Marketing. Haben gedruckte Anzeigen und Spots in Radio und Fernsehen überhaupt eine Zukunft?

Ich glaube schon. Fernsehwerbung ist noch immer ein kraftvolles Instrument. Technologie hat es aber für die Menschen leichter gemacht, Werbung zu ignorieren. Man kann zum Beispiel einfach weiterzappen oder Werbung mit einem digitalen Videorekorder überspringen. Technologie macht es ihnen aber auch einfacher, mit Unternehmen in Kontakt zu treten. Traditionelle Werbung ist ein tolles Mittel um eine Geschichte zu erzählen. Wenn wir traditionelle Medien verwenden, versuchen wir, sie in unkonventioneller Art zu nutzen.

Nennen Sie ein Beispiel!

Als wir den Mini Cooper in den USA einführten, war uns klar, dass wir in den Automagazinen vertreten sein mussten. Aber wir wollten nicht einfach Anzeigen schalten. Also setzten wir uns mit den Verlagen zusammen um neue Werbewege zu finden. So haben wir in einem Magazin den unbedruckten Raum rund um Artikel für Botschaft genutzt: "Nichts fährt um die Ecke wie ein Mini". In einem anderen Blatt haben wir orangene Heftklammern gewählt, die zusammen mit dem Werbemotiv wirkten wie ein Slalomkurs aus Verkehrshütchen.

Seite 1:

„Lasst uns Spaß haben“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%