Im Gesprech mit Wassili Papas
„In den USA gibt es tolle Werte“

Wassili Papas gehört zu den bekanntesten Fondsmanagern in Deutschland. Mit dem Investor sprach er über seine Strategie für Wachstumsaktien.

Wassili Papas gehört zu den bekanntesten Fondsmanagern in Deutschland. Mit dem Handelsblatt-Investor sprach er über seine Strategie für Wachstumsaktien.

Herr Papas, Sie waren vor kurzem zwei Wochen in Urlaub, ich kann mir vorstellen, dass sie den nach dem turbulenten Börsenjahr besonders gut gebrauchen konnten?

Das stimmt, bei diesen schwachen Märkten ist man lieber anderswo als im Büro.

Was ist für Sie die Lehre aus dem abgelaufenen Jahr?

Man sollte den Anlegern den Rat geben, aus den Märkten auszusteigen, wenn es zu Kursübertreibungen gekommen ist. Als Faustregel gilt: Wer 40 Prozent im Jahr verdient hat, bevor das Jahr vorbei ist, sollte teilweise raus und nach der Korrektur wieder einsteigen. Auch bei guten Unternehmen wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

Für Sie als Manager von großen Fonds ist diese Strategie manchmal nicht einfach.

Richtig. Im Bereich Small Caps verwalten wir ungefähr 15 Milliarden Mark, bei kleineren Werten fallen allein schon die Kurse dadurch, dass wir verkaufen. Gleichzeitig verzeichneten wir aber auch in der Korrekturphase am Neuen Markt Zuflüsse von teilweise zwischen 25 und 50 Millionen Mark pro Tag, die wir anlegen mussten.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht? Zum Glück bin ich bei meiner Anlagestrategie nicht nur auf Deutschland festgelegt. In den USA gibt es tolle Werte, die interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Zurzeit ist das US-Gewicht auf 70 Prozent im Uni Neue Märkte angestiegen. Sun, Oracle, Intel und viele kleine US-Werte sind nach wie vor interessant. Hier gibt es Werte mit Substanz, die jeden Monat einen enormen Cash-Flow generieren. Durch die starke Übertreibung nach unten gibt es auch weiter gute Einstiegschancen. In den USA entstehen die neuen Weltmarktführer. Wenn sich die Börse erholt, geht es dort schneller wieder hoch.

Was ist denn Ihre US-Lieblingsaktie?

Art Technologies, ein Wettbewerber von Intershop. Die haben eine Nettomarge von zehn Prozent, bei einem sehr günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis. Den Wert finde ich so gut, dass wir mittlerweile fünf Prozent an der Firma gekauft haben.

Besteht nicht durch das starke Engagement in den USA die Gefahr, dass ein starker Euro Ihnen die Gewinne verhagelt?

Mein Ziel ist es, in Werte zu investieren, die in einem Jahr 50 Prozent Kursgewinn schaffen. Da fällt ein potenzieller Währungsverlust von zehn Prozent nicht so stark ins Gewicht.

Gibt es am Neuen Markt so etwas wie eine Vertrauenskrise?

Ich glaube schon. Vor allem bei ausländischen Investoren besteht die Gefahr, dass es sehr lange dauern wird, bis sie wieder zurückkehren. Ein dauerhafter Kursanstieg ist aber allein durch das Engagement der inländischen Fondsgesellschaften nicht möglich. Einige mussten sowieso Rückflüsse verkraften, weil Anleger Geld zurückgezogen haben. Jetzt rächt sich das Spielchen, das einige Großinvestoren gespielt haben, indem sie marktenge Werte in die Höhe getrieben haben. Natürlich haben wir am Neuen Markt auch gute Werte: Qiagen, Aixtron und Intershop beispielsweise, aber die sind alle immer noch hoch bewertet.

Lässt sich mit den neuen verschärften Regeln das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen?

Die neuen Regeln sind Schritte in die richtige Richtung. Wünschenswert wäre es zudem, wenn die Emittenten vorher und nicht bloß "unverzüglich" über eigene Transaktionen informieren. Außerdem wäre eine Regelung sinnvoll, um den Missbrauch von Ad-hoc-Meldungen für Werbezwecke zu verhindern. Entscheidend ist jedoch eine effiziente Kontrolle.

Einige Marktakteure sind unter den Verdacht des Insiderhandels geraten. Die meisten wurden nicht bestraft. Arbeiten die Kontrollinstanzen effektiv?

Die Börsenaufseher brauchen mehr Zähne zum Beißen, also bessere Gesetze. Wir können es uns nicht leisten, das Image eines "Banana-Republic"-Marktes zu bekommen, sonst machen die ausländischen Investoren auf Dauer einen großen Bogen um das Segment. Und das ist schlecht für die Wirtschaft und für die Anleger.

Einer der spektakulärsten Abstürze dieses Jahres war der Fall von EM.TV. Auch Sie werden die Aktie am Jahresende wahrscheinlich nicht mehr in den Beständen ausweisen . . .

Das haben wir schon länger nicht mehr. Der Wert war bei uns schon immer stark untergewichtet und nur im Depot, weil die Neuer-Markt-Fonds wegen der hohen Liquidität und wegen des Gewichts von EM.TV die Aktie haben mussten. Bei 20 Euro haben wir die letzten Aktien aber verkauft. Der Fall EM.TV zeigt, dass es auch dem Unternehmen nichts bringt, wenn ein Wert ohne fundamentale Grundlagen in die Höhe katapultiert wird. Die Landung wird dann umso härter.

Welche neuen Trends erwarten Sie für 2001?

Das Thema Breitband-Internetanwendungen wird immer interessanter. Es wird zwar noch etwas dauern, bis es gang und gäbe ist, sich das Wunschvideo aus dem Netz auf den Rechner zu holen, aber Ansätze sind zu erkennen. Davon profitieren besonders Unternehmen, die Grundlagentechnik anbieten. Die Bewertungen zu Jahresanfang haben diese Phantasie jedoch bereits vorausgenommen, ich freue mich insofern, dass es zu einer Korrektur kam - jetzt ist wieder Potenzial da. Bis wir die alten Hochs sehen, kann es vielleicht noch zwei bis drei Jahre dauern. In fünf Jahren erwarte ich aber phantastische Gewinne. In zehn Jahren werden sich alle ärgern, die jetzt nicht dabei waren.

Ärgern werden sich auch diejenigen, die auf das Thema Einzelhandel im Internet (B2C) gesetzt haben . . .

Die Geschäftsmodelle funktionieren eben oft nicht. Viele Firmen sind nur am Markt, weil die Markteintrittsbarrieren so niedrig sind: Es ist relativ einfach, einen Internet-Shop aufzumachen. Um überleben zu können, ist aber eine gewisse Größe notwendig. Allein schon, um die Marketingaufwendungen finanzieren zu können. Nur wenige große Konzerne werden die Bereinigung überleben - vielleicht ein Wert wie Amazon. Ähnlich ist die Entwicklung bei Internetportalen, hier könnte Yahoo übrig bleiben.

Wie sieht es beim Großhandel (B2B) aus?

Gute Aussichten besteht hier Grundlagentechnologie. Broadvision, Ariba und Commerce One haben starke Verluste hinnehmen müssen, weil die Aufträge nicht so schnell kamen, wie es nötig gewesen wäre, um die hohen Börsenkurse zu rechtfertigen. Aber die Aufträge werden kommen, weil viele Unternehmen Software benötigen, um am Markt bestehen zu können. Auf dem derzeitigen Niveau sind die Werte wieder attraktiv, ein Einstieg ist denkbar.

Viele schwören weiterhin auf Biotech.

Meine Meinung ist da etwas gemischt, weil da die Spekulationsblase noch nicht geplatzt ist. Ich würde noch etwas warten, bis die Korrektur auch hier stattgefunden hat und dann erst investieren - allerdings auf Sicht von fünf bis zehn Jahren.

Die Fragen stellte Holger Nacken.

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