Im Grundsatz sollen sich beide Konzerne einig sein
Eon spricht mit Bouygues über Saur-Übernahme

Der Energiekonzern Eon verhandelt nach Angaben aus Kreisen mit dem französischen Bau- und Telekomkonzern Bouygues über den Tausch seiner Beteiligung am Telekom-Geschäft von Bouygues (Bouygues Telecom) gegen eine Übernahme des französischen Wasserversorgers Saur.

Reuters DÜSSELDORF/PARIS. "Es gab seit langer Zeit Gespräche zwischen Eon, die von Anfang an im Vorstand von Bouygues Telecom vertreten war, und Bouygues über einen solchen Tausch", bestätigten Kreise einen Bericht der Financial Times. Den Wert des Geschäfts hatte die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise mit zwei Mrd. Euro beziffert. Eon und Bouygues äußerten sich dazu auf Anfrage nicht. Analysten bewerteten den möglichen Tausch als gute Chance für Eon, sich weiter aus der Telekommunikation zurückzuziehen. Die Eon-Aktie legte zu.

Bereits im Sommer 2000 hätten die beiden Firmen über den Tausch verhandelt, hieß es in dem Bericht weiter. "Jetzt wollen beide Seiten den Deal, daran besteht kein Zweifel", zitiert die Zeitung informierte Kreise. Im Grundsatz seien sich beide Firmen einig, auch wenn noch über Fragen der Unternehmensbewertung gesprochen werde. Europas größer privater Stromkonzern Eon hält 17,5 % an Bouygues Telecom und würde sich mit der Saur-Übernahme in der Spitzengruppe des internationalen Wassermarktes etablieren.

Der mögliche Einstieg in das große internationale Wassergeschäft steht nach Einschätzung von Finanzexperten nicht im Vordergrund. Eon könnte vielmehr seinen "letzten dicken Brocken" im Telekommunikationsgeschäft abgeben, sagte ein Analyst in London, der nicht zitiert werden wollte. Diese Einschätzung teilt auch WestLB-Analyst Klaus Repkes. "Die Trennung von Telekommunikation steht im Vordergrund." Es könne durchaus sein, dass Eon die Saur mittelfristig wiederum als Tausch einsetzen werde. Den in dem Bericht genannten Wert für die Tauschaktion stuften Finanzexperten als realitisch ein. "Ein Tausch ist die zweitbeste Option nach Cash", sagte der Londoner Analyst. In der Vergangenheit hatte sich Eon zudem Zug um Zug aus dem Telekommunikationstöchtern zurückgezogen. Kürzlich wurden etwa die Anteile an der Viag Interkom sowie der Orange Communications verkauft.

Saur ist eigenen Angaben zufolge hinter den beiden französischen Firmen Suez, Vivendi und der deutschen RWE der viertgrößte Wasserversorger weltweit. Suez und Vivendi versorgen jeweils rund 100 Milliionen Menschen mit Wasser. RWE würde nach früheren Angaben durch die angekündigte Übernahme der American Water Works rund 56 Kunden zählen. Nach früheren Angaben sieht Eon sein Kerngeschäft in den Bereichen Strom, Gas und Wasser. In Deutschland ist Eon über seine Tochter Gelsenberg in der Wassersparte engagiert. Wasser gilt als strategisch wichtigste Ressource des 21. Jahrhunderts, von der sich die Energiekonzerne hohe Erträge versprechen.

Die Börse reagierte positiv auf die Spekulationen. Der Kurs der Eon-Aktie legte in einem freundlichen Börsenumfeld 1,28 % auf 56,82 Euro zu. Die Aktie der Bouygues stieg um 3,54 % auf 38,61 Euro.

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