Im Herbst wird es eng
UAL schließt Insolvenz nicht aus

Wenige Tage nach dem Insolvenzantrag der US-Fluggesellschaft US Airways sieht sich auch die Muttergesellschaft der zweitgrößten US-Fluglinie United Airlines, die UAL Corp, von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Grund sei die anhaltende Branchenkrise, die sich nach dem 11. September verschärft hat.

Reuters CHICAGO. Die deutsche Lufthansa, die mit United Airlines in dem Luftfahrtbündnis Star Alliance zusammenarbeitet, hat eigenen Angaben zufolge keine finanziellen Verflechtungen mit United. Die Aktien von UAL reagierten am Donnerstag in Europa mit einem Kurseinbruch von zeitweise knapp 30 Prozent auf 1,60 Euro auf die Unternehmensnachrichten.

Nach Einschätzung von US-Finanzminister Paul O'Neill haben die immensen Versicherungskosten, die nach dem 11. September auf die Fluglinien zugekommen waren, zu der finanziellen Misere der meisten Gesellschaften geführt.

UAL gab am Mittwochabend nach US-Börsensschluss bekannt, sich auf einen möglichen Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts noch im Herbst vorzubereiten. "Solange wir unsere Kosten nicht drastisch senken, ist der Insolvenzantrag der einzige Weg, um die Zukunft des Unternehmens und den Weiterbetrieb der Fluglinie zu sichern", erklärte Konzernchef Jack Creighton. UAL habe derzeit keinen ausreichenden Zugang zu den Kapitalmärkten, um anstehende Kreditzahlungen zu finanzieren. Im vierten Quartal würden Schulden über fast eine Milliarde Dollar fällig.

Sollte der Konzern den Antrag stellen, ist er zunächst vor den Forderungen seiner Gläubiger geschützt und kann weiter tätig sein, während ein Umstrukturierungsplan ausgearbeitet wird. Die Hauptlast der Sparmaßnahmen sollen dem Unternehmen zufolge die Mitarbeiter tragen, die rund 55 Prozent an UAL halten.

Auf die Beziehungen zwischen United Airlines und Lufthansa, die beide mit Singapore Airlines den Kern der Star Alliance bilden, habe die Ankündigung der US-Fluglinie keinen Einfluss, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Lufthansa gehe davon aus, dass die Kollegen von United mit ihren Maßnahmen erfolgreich sein würden. Die gemeinsamen Kunden seien nicht betroffen. Auch Fluglinien, die unter Gläubigerschutz nach Kapitel elf stehen, müssen nach Angaben aus Branchenkreisen ihre Verpflichtung bei der Ableistung von so genannten Code-Sharing-Flügen erfüllen. Dabei handelt es sich um Flüge, bei denen die Fluggesellschaften unter derselben Flugnummer fliegen.

Nach dem Insolvenzantrag von US Airways hatten Analysten United Airlines bereits als weiteren Wackelkandidaten ausgemacht. Wegen der Wirtschaftsflaute und der Anschläge vom 11. September überstiegen im vergangenen Jahr die Kosten der US-Fluggesellschaften bei weitem die Einnahmen. Besonders die Nachfrage nach Geschäftsreisen fiel drastisch und brachte die Branche ins Trudeln. Branchenprimus American Airlines hatte am Dienstag den Abbau von weiteren 7000 Stellen angekündigt, um die Kosten zu senken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%