Im Investmentbanking steht das Unternehmen vor einem Scherbenhaufen
Bye, bye BHF-Bank

Investmentbanker sind die Könige auf dem Arbeitsmarkt. Das Beispiel der BHF-Bank zeigt: Die hoch bezahlten Profis wechseln nicht nur wegen des Geldes.

HB FRANKFURT. Wenn Peter Gloystein etwas gegen seinen Willen einräumen muss, wird der sonst so muntere Vorstandssprecher der BHF-Bank erstaunlich wortkarg. Fragt man ihn etwa nach dem Grund der jüngsten Abwanderungswelle von Mitarbeitern seines Hauses, lehnt sich der 54-Jährige, der eben noch detailreich und mit vorgebeugtem Oberkörper die Strategie seines Hauses erläutert hat, in seinem Sitz zurück und sagt erst mal nichts. Nach einiger Zeit brummt er dann: "Die Leute werden einfach zu gut bezahlt." Damit ist die Sache für Gloystein erledigt.

Immer mehr Häuser zahlen "Bleibeprämien"

In vielen Fällen mag das stimmen. Für erfahrene Investmentbanker werden am Markt derzeit Unsummen geboten. "Es herrscht eine hohe Begehrlichkeit", sagt Wilfried Kohlmeier, Leiter des Berufsbereichs Finanzdienstleistungen der Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, womit er leicht untertreibt. Gute Leute starten gleich nach der Uni mit einem sechsstelligen Jahresgehalt, plus Jahresboni. Einige Häuser zahlen Mitarbeitern gar eine Bleibeprämie für jedes Jahr. Damit arbeitete etwa die Dresdner Bank im Vorfeld der geplanten Fusion mit der Deutschen Bank. Im Fall des jüngst übernommenen US-Hauses Wasserstein Perella bekommen die dortigen Investmentbanker 190 Mill. $ Bleibeprämie geboten.

Doch Geld ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere heißt: Wenn den Mitarbeitern die Strategie ihrer Bank nicht passt, gehen sie eben zu einer anderen. Schließlich haben sie derzeit die freie Auswahl. So wechselte in der vergangenen Woche ein Dutzend Investmentbanker von Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) zum amerikanischen Konkurrenten Lehman Brothers, kurz nachdem ihr Haus von der Schweizer Credit Suisse übernommen worden war. Am Geld lag es sicher nicht: Die Schweizer hatten sogar noch eine Bleibeprämie draufgesattelt. Aber das Kleinteam wollte nicht für eine Großbank arbeiten.

Die BHF-Bank gilt ebenfalls als gebranntes Kind. Sie verlor innerhalb kurzer Zeit 30 Mitarbeiter aus den Bereichen Aktienhandel, Aktienemission und Research.

Raus aus der Mittelstandsnische

Bis zum August des vergangenen Jahres hatte das Institut den Ruf als solides, Gewinn bringendes Haus vor allem für mittelständische Kunden. Man besaß ein renommiertes Research und war erfolgreich als Konsortialführer am Neuen Markt. Aber der 13. August 1999 - ein Freitag - änderte vieles. An diesem Tag kam die Übernahmeabsicht des damaligen Minderheitseigners ING an die Öffentlichkeit. Die meisten Analysten lobten die Niederländer damals über den grünen Klee und freuten sich auf die gute Zusammenarbeit. Zu früh.

Denn die BHF-Bank stand fortan vor einem kulturellen Problem: Die Übernahme katapultierte sie in eine andere Liga. Das Institut wies im Jahr 1999 eine Bilanzsumme von 53 Mrd. Euro auf. Die Mutter ING kam im gleichen Jahr auf mehr als das Neunfache. War die BHF vorher ein im Ausland nur punktuell stark vertretenes Institut, bekam sie eine sehr internationale Mutter. Es war klar, dass die Tochter in Frankfurt nicht mehr in der "Mittelstandsnische" verharren konnte. Künftig reicht es also nicht mehr, Unternehmen wie das Softwarehaus IBS an die Börse zu bringen; nun müssen prestigeträchtige Projekte her. Im Aktienemissionsgeschäft wird die Mutter ING die Frankfurter stärker in große Konsortien bringen, wie es bislang nur bei Infineon gelungen ist. Außerdem will man multinationale Konzerne betreuen.

Wandel erwies sich als ein schmerzhafter Prozess

Doch der angekündigte Wandel verlief nicht ohne Opfer: Selbst Vorstand Gloystein bezeichnet den Prozess als "schmerzhaft". So wird die BHF-Bank zwar vielleicht verstärkt in großen Emissionen zum Zuge kommen, aber nicht mehr an vorderster Front, sondern als eine unter vielen Banken.

Der Wandel passte den Mitarbeitern gar nicht, allen voran dem damaligen Vorstandsmitglied Alfred Möckel. Der umtriebige Manager rieb sich an den neuen Machtverhältnissen; das wiederum lähmte die Bank. Möckel wurmte offenbar vor allem, dass die Frankfurter in wichtigen Bereichen nicht ihre Selbstständigkeit behalten sollten. Im Research und der Beratung bei Unternehmensübernahmen muss Frankfurt die ING vor Entscheidungen zu Rate ziehen. Das konnte einem wie Möckel nicht gefallen. Er leitete das erfolgreiche Research und hatte es zu früheren Anlässen als "Perle" des Hauses bezeichnet. Möckel gilt zwar von der Person her als verbindlich, in der Sache aber als knallhart. Sein Wechsel zum Direktbroker Consors im Mai war keine Überraschung mehr. Das Ausmaß der Abwanderung Ende des dritten Quartals überraschte nur Außenstehende: Ende September zog Möckel fast zwei Dutzend der Banker zu sich. Geld war nur eines der Argumente.

BHF Bank steht vor einem Scherbenhaufen

Nun steht die BHF in einem wichtigen Geschäftsfeld - der Bereich Financial Markets trug das meiste zum 99er Geschäftsergebnis bei - vor einem Scherbenhaufen: Investmentbanker verzweifelt gesucht.

Vorstandssprecher Gloystein beantwortet die Frage, warum gute Leute ausgerechnet jetzt zur BHF-Bank gehen sollten, sehr offensiv: Auf keinen Fall allein wegen des Geldes. Man sei nicht bereit, "jede Schwachsinnssumme zu zahlen". Zukünftigen Mitarbeitern verspricht er etwas anderes: "Flexibilität und selbstständiges Arbeiten."

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